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Rumänien aktuell: News und Infos

Müssen Revolutionen immer laut sein?

Rumänien aktuelle Nachrichten - So, 09/22/2019 - 12:24

Wenn einem der Begriff Revolution im Alltag begegnet, denken die meisten Menschen wahrscheinlich an Revolutionen, die laut waren, die allen Mitwirkenden präsent waren und die die Grundbausteine einiger heute gängigen Praktiken sowohl in Politik als auch in der Gesellschaft legten. Besonders nach der Französischen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts assoziierte man mit dem Begriff vor allem einen gewalttätigen oder sogar blutigen Umsturz, Menschenmassen und politische Forderungen. Vielen Menschen in Rumänien sind die dramatischen Ereignisse der Revolution von 1989 noch sehr lebendig im Bewusstsein.
Doch müssen Revolutionen immer aktiv geführt werden? Muss den Akteuren einer solchen immer bewusst sein, dass sie sich gerade in einer Revolution befinden? Und vor allem: Müssen Revolutionen immer laut sein? 

Die Antwort auf diese Frage ist ebenso kurz wie simpel: Nein, all das müssen sie nicht. Bestes Beispiel dafür ist eine Revolution, die jedem von uns jeden Tag allgegenwärtig ist, die sich vor vielen Jahrzehnten in der Gesellschaft etabliert hat, und die auch nicht den Anschein macht, als würde sie irgendwann „gestoppt“ werden: Die Digitale Revolution. Angefangen mit der Einführung des Arpanets (Vorläufer des Internets) in den frühen siebziger Jahren über erste digitale Kameras und letztendlich die Einführung der Smartphones, lässt uns diese Revolution bis heute nicht los. Tiefgreifend für die Gesellschaft ist sie allemal, auch wenn sie nun schon seit Jahrzehnten eher nebenher läuft und wahrscheinlich nur den wenigstens Menschen bewusst ist, wie sehr diese Revolution den Alltag und das Verhalten der Menschen prägt. 
Um diesen Themenkomplex ging es am 16. September beim Eröffnungstalk der Cultural Management Academy 2019 im Goethe-Institut in Bukarest. Moderiert vom neuen Leiter des Instituts, Joachim Umlauf, wurde unter besonderer Mitwirkung von Patricia Gouveia der Fakultät für Schöne Künste der Universität Lissabon diese Thematik vielseitig beleuchtet.

Besonders die Frage, wie sich Kunst und Kultur im Zeitalter der digitalen Medien entwickeln und wie sie dadurch die Gesellschaft beeinflussen, wurde zum Hauptanliegen der Veranstaltung.
In der Kommunikationswissenschaft gelten Medien als Vermittler zwischen Individuum und Gesellschaft, als Verbindung zwischen Innen und Außen gewissermaßen. Das World Wide Web ist voll von Webseiten und Blogs kunst- und kulturschaffender Personen und Institutionen, die sich so nach außen präsentieren. So ist der eigene Blog eines jeden Künstlers sein „Weg“ in die Gesellschaft, die Tür nach draußen. Patricia Gouveia sieht es gerade in dieser Branche als besonders wichtig an, dass Kunst- und auch Kulturakteure gut mit ihrer Umwelt vernetzt sind. In einer so stark globalisierten Welt, wie wir sie heute erleben, sei es wichtig, ein breites Spektrum an Möglichkeiten zu haben, sich auf andere Dinge einzulassen und Kontakt zu Industrien zu suchen, die auf den ersten Blick vielleicht gar nicht mit der eigenen Arbeit zusammenpassen. 
Ein gutes Beispiel für diese branchenübergreifende Zusammenarbeit wäre hier die Verknüpfung von Design und Ingenieurwesen. Die Integration von dem Einen in das Andere birgt neue Möglichkeiten, gibt Denkanstöße und lässt ganze Themenkomplexe in anderem Licht erscheinen. Neue Technologien und Ideen entstehen und lassen die Kreativwirtschaft und ihre Medien, ihre Verbindung zur Außenwelt, „neu“ aufblühen. 

So ist beispielsweise in dem Bereich der Gamification (von engl. Game: Spiel) im Jahr 2009 ein Konzept veröffentlicht worden, welches darauf abzielte, das Verhalten von Menschen durch die Mitwirkung von Spaß und Witz zu verändern. Innerhalb dieses Projektes gab es verschiedene Situationen, in denen Gamification aktiv angewendet wurde. Etwa wurde ein in der Öffentlichkeit stehender Mülleimer installiert, der einen Ton von sich gab, der ihn bodenlos erscheinen ließ. Dieser Ton des unendlichen Falls eines Gegenstandes und der dumpfe „Aufprall“ am vermeintlichen Boden verleitet tatsächlich Menschen aller Altersgruppen dazu, herumliegendes Plastik und anderen Müll in den Eimer zu schmeißen – weil es ihnen Spaß brachte. Gleiches Prinzip galt den „Piano-Treppen“, wobei eine Treppe mit einer Klaviertastatur präpariert wurde. Deutlich mehr Personen als üblich nutzten während dieser Installation die Treppe statt der Rolltreppe, die direkt daneben war. 

So wird die Gesellschaft praktisch unwissend durch die Gamification dazu verleitet, ihr Verhalten zu verändern. Es geht hierbei vor allem um bürgerliches Engagement, um die indirekte Einführung von spielerischem Design in das alltägliche Leben der Gesellschaft. 
Der kanadische Kommunikationstheoretiker Marshall McLuhan (1911 – 1980) beschäftigte sich seinerzeit ausführlich mit Medien und deren genauen Auswirkungen auf Individuum und Gesellschaft. Zwar waren seine Schriften in Teilen durchaus umstritten, allerdings muss man ihm zuschreiben, dass er in einigen Punkten recht behalten sollte. So empfand er es als entscheidend herauszufinden, wie jedes Medium in spezifischer Weise die menschliche Wahrnehmung und das Denken beeinflusst. Er ging davon aus, dass wir als Gesellschaft die Werkzeuge (die Medien) formen und diese wiederum die Gesellschaft formen und beeinflussen. Diese Annahme in den Kontext der Digitalen Revolution und der Art, wie sie unsere Gesellschaft formt, gestellt, ist es fast offensichtlich, wie sehr diese unser aller Leben beeinflusst. 

Zwar kam die Digitale Revolution und alle mit ihr verknüpften Projekte nicht plötzlich und auch nicht laut, ist nicht gewalttätig oder wird niedergeschlagen, dennoch hatte sie bisher und wird sie auch in Zukunft einen großen Einfluss auf unsere Gesellschaft haben – und wenn es nur darum geht, Menschen durch einen scheinbar bodenalosen Mülleimer dazu zu bringen, Müll vernünftig zu entsorgen. 
 

Die Heilung eines Aussätzigen

Rumänien aktuelle Nachrichten - So, 09/22/2019 - 03:00

Markus 1, 40 - 45

Und es kam zu ihm ein Aussätziger, der bat ihn, kniete nieder und sprach zu ihm: Willst du, so kannst du mich reinigen. Und es jammerte ihn, und er streckte seine Hand aus, rührte ihn an und sprach zu ihm: Ich will’s tun; sei rein! Und alsbald wich der Aussatz von ihm und er wurde rein. Und Jesus bedrohte ihn und trieb ihn alsbald von sich und sprach zu ihm: Sieh zu, dass du niemandem etwas sagst; sondern geh hin und zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung, was Mose geboten hat, ihnen zum Zeugnis.

Er aber ging fort und fing an, viel davon zu reden und die Geschichte bekannt zu machen, sodass Jesus hinfort nicht mehr öffentlich in eine Stadt gehen konnte; sondern er war draußen an einsamen Orten; und sie kamen zu ihm von allen Enden.
Wie schön wäre es doch, wenn Menschen von ihren Krankheiten oder Gebrechen so rasch und erfolgreich geheilt werden könnten! Wie schön wäre es, wenn sie dadurch einen Grund und Anlass hätten, Gott und Jesus Christus neu zu vertrauen! Wie schön wäre es, solchen Grund zum überschwänglichen Dank zu haben! Leider sind unsere menschlichen Erfahrungen jedoch oftmals andere…


Trotzdem: Die Bibel berichtet uns über diese Heilung und sie ist für den Glauben zum Trost gepredigt und weiter erzählt worden und das soll auch noch in Zukunft geschehen. Es ist aber nicht einfach, sich in die Situation dieses Menschen, der auf Jesus aufmerksam geworden war, zu versetzen. Denn von Aussatz, auch Lepra genannt, sind heute rund 200.000 Menschen betroffen. Aber wer zur Zeit Jesu darunter litt, musste in einer äußeren und inneren Einsamkeit und Bedrängnis ohnegleichen leben. Das nachzuvollziehen, in einer Zeit, in der wir fast alle Empfindungen auf virtuellem Weg mit Hunderten, ja Tausenden teilen (sodass der persönliche Kontakt oft zu kurz kommt), ist nicht einfach. Die anderen Menschen mieden ihn: die nahen Angehörigen, die Freunde und solche, die zufällig auf ihn trafen. Mit kaum jemandem konnte er länger sprechen, kaum jemand reichte ihm die Hand, die meisten verließen fluchtartig seine Umgebung. Mit wem sollte er seine Empfindungen und Gefühle teilen? Mit wem konnte er sich über das, was ihn bewegte, was er sich wünschte oder was ihn beunruhigte, aussprechen? Wer mag ihm wohl zuhören wollen, wer mag ihm jene Achtung und Würdigung geben, die wir erwarten und oft vermissen? Das können wir uns heute kaum ausmalen: jede Geste, jedes Zeichen, das auf Gemeinschaft hinweist, war für solche Menschen ein Sonnenschein, ein Augenblick des Glücks.

Und nun schlägt Jesus tatsächlich die Brücke zu dem, der ihm zuruft: „Bitte, heile mich!“ Er legt seine heilenden Hände auf ihn und dadurch öffnet sich eine Gemeinschaft, die Gottes Heil erfahren lässt. Und das gilt auch heute und jetzt, denn solche Gemeinschaft lässt den Betroffenen teilhaben an seiner Liebe zu denen, die in anrufen, die ihn suchen, die zu ihm beten. An einer solchen Gemeinschaft zeigt es sich, dass das Reich Gottes mitten unter uns ist. In Jesus Christus eröffnet sich eine neue Welt, es wird eine Gemeinschaft spürbar und erfahrbar, die mich einlässt, achtet und aufnimmt. An dieser Geschichte merken wir: Die neue Kraft zum Leben und zur Freude führt – trotz des ausgesprochenen Verbotes – zum Lobpreis des Schöpfers. Diese Geschichte, über die Markus berichtet, lädt in Gottes andere Welt ein, und wer glaubt, hat schon jetzt Anteil an dem, was Liebe Gottes zu den Menschen und Barmherzigkeit ausrichten können. Amen.
 

Erfrischende Selbstwahrnehmung

Rumänien aktuelle Nachrichten - So, 09/22/2019 - 03:00

Porträtaufnahmen Rumäniens aus den Händen ausländischer Musiker erfrischen die Selbstwahrnehmung. Sobald man aus dem Klang von Saiten und Bogenhaaren heraushören kann, dass schöpferische Künstler nicht alleine aus einem bodenlosen Fass ungezählter Übungsstunden am Instrument trinken, sondern offensichtlich auch in uralten Schwarzweißfotos gestöbert und Buchdeckel angegilbter Belletristik von Spinnweben befreit haben, antwortet man augenblicklich gerne mit gebannter Neugierde auf wortlos sprechende Erzählungen. Unmengen kulturellen Perlenzaubers breiteten Violinist David Grimal (Frankreich) und Klavierbegleiter Grigor Asmaryan (Armenien und Deutschland) Mittwochabend, am 11. September, auf ihren Notenpulten im Thaliasaal in Hermannstadt/Sibiu aus.

Hélčne Jourdan-Morhange (1888-1961) trug Trauer nach den Geschehnissen an der Kriegsfront von Verdun, die ihren um acht Jahre älteren und hauptberuflich mahlenden Ehemann Jaques Jean Raoul Jourdan am 25. März 1916 auf dem Schlachtfeld ums Leben gebracht hatten. Der Verlust des Partners durch höhere, aber dennoch vom Menschen selbst initiierte Gewalt sollte nicht erster und letzter Rückschlag ihrer Biografie bleiben, da eine Arthritis sie noch vor Erreichen hoher Altersreife zum Karriereabbruch zwang.  Maurice Ravel (1875-1937), ein Mann der verlorengegangen Idylle, witterte rechtzeitig Begabung und Vision der Violine spielenden Witwe und schenkte seiner bevorzugten Interpretin eine musikalische Ersatzheimat in Gestalt der ihr gewidmeten Sonate für Violine und Violoncello (1922) und der Sonate Nr.2 für Violine und Klavier (1927). Stücke, die das Leben unter Phantomschmerzen erleichtern wollten. Mitten in das letzte Zeitalter vor Einführung des Begriffs politischer Korrektheit fällt Ravels Rhapsodie „Tzigane“ für Solovioline und Orchester. Grigor Asmaryan und David Grimal nahmen den Klavierauszug zur Hand und boten mit größtmöglicher Selbstverständlichkeit eine frappierende Kostprobe perfekt aufeinander abgestimmten Zusammenspiels. Hohen Respekt verdienen beide Weltklasse-Kammermusiker, die ihre mit schwindelerregender Geschwindigkeit gepaarten Raffinessen nicht als Selbstbeweihräucherung entstellten. Eher stand das Programmstück für die Seele des waschechten Zigeuners ein, der im wirklichen Leben seiner Mitmenschen vielmehr als nur Komparse exotischer Zirkusnummern sein möchte.

Maurice Ravels zweite Violinsonate, seine von atemraubenden Flageolett-Passagen durchsetzte Rhapsodie mit der Spielangabe „Lento, quasi cadenza“ am Beginn des Violinparts sowie das in Klavierfassung aufgeführte und seinerzeit dem Belgier Eugčne Ysa˙e (1858-1931) zuerkannte Počme für Violine und Orchester op.25 von Ernest Chausson (1855-1899) wurden dem Publikum als schmackhafte Vorspeisen des lang erwarteten Hauptgangs deftiger Kost in der Sonate Nr.3 in a-Moll für Klavier und Violine op.25 „în caracter popular românesc“ (in völkisch-rumänischen Charakter) von George Enescu (1881-1955) aufgetischt. Lange Haltenoten am Schluss des Kopfsatzes, strikt „sempre non vibrato“ notiert, vor allem aber die Weite des mit Dämpfer und auf Abstrich zu spielenden Dreifachpiano im „Andante sostenuto e misterioso“ tönten wie leise aushauchendes Daumenkino, illustrierten in Zeitlupe die nach und nach rote Färbung der Ochsenherzen (Tomatensorte „inimă de bou“) auf trockenen Feldern unter der sengenden Sonne der Oltenia. Grigor Asmaryan und David Grimal krönten ihre Expedition mit dem finalen „Allegro con brio ma non troppo mosso“ und dem daraus winkenden Bild zweier Bauern in Tracht, die sich Festtags nach Gottesdienst und Mittagsschmaus einen Kurzen trinken und den Herrgott für ein paar Stunden einen guten Mann sein lassen. Die Stradivari Baujahr 1710 und der Originalbogen aus der Werkstatt des französischen Feinmechanikers François-Xavier Tourte (1747-1835) flossen gleich hochprozentigen Edeltropfen dahin, Grigor Asmaryans quirlige Wurstfinger mischten die nötige Würze knackiger Bissen hinzu.

Abends davor war das Instrumental- und Vokalensemble La Grande Chapelle des musikalischen Forschungsvereins Lauda Música Madrid in der römisch-katholischen Stadtpfarrkirche am Großen Ring/Pia]a Mare aufgetreten. Zwanzig Stücke geistlicher Musik der Renaissance nach dem österlichen Ritus der Confreria San Giacomo degli Spagnoli in Roma gaben Einblicke in den vormaligen Brauch auf der Piazza Navona, das Fest der Auferstehung mit Lauten, Bass-Viola da gamba, Dulzian, Rankett, Zinken, Trompeten, Posaunen und menschlichen Stimmen in abwechselnd italienischer und spanischer Sprache zu feiern. Dirigent Albert Recasens und vierundzwanzig teils singende, teils spielende Berufsmusiker und -musikerinnen boten ein 90 Minuten langes Programm und ließen dennoch keine stilistische Langeweile aufkommen, da die Besetzung und Kombination von Instrumenten und Gesang stets in der vollen Spannbreite von groß über mittel bis klein farblich geschickt variierte. Unnötig hingegen der Zugriff von Moderatorin Adina Zaharia Dombi, künstlerische Beirätin der Staatsphilharmonie Hermannstadt, das Konzert mit einer ausufernden Präsentation in bester Amtssprache nach sozialistischem Muster zu eröffnen, wo doch dieselben Informationen über das Profil der Madrider Gäste auch im Programmheft zu finden waren. Von Berufstätigen auch und vor allem in Rumänien, die der Millenials-Generation (Geburtenjahrgänge 1980-1994) angehören und im Kultursektor arbeiten, ist mehr Fingerspitzengefühl im öffentlichen Auftreten zu fordern.

Eines muss man der Gastgeberin jedoch lassen, da sie vor dem ersten Ton Musik um das Ausschalten der Mobiltelefone bat. Und es geschah, wie es kommen musste, da Adina Zaharia Dombi am letzten von acht Abenden der in Hermannstadt veranstalteten Konzertreihe des Internationalen George-Enescu-Festivals 2019 von zwei Personen vertreten wurde, die ebenfalls eine Konzerteinführung rekordverdächtiger Länge bestritten, leider aber den Hinweis störenden Handyklingelns vergaßen. Die international besetzte Kremerata Baltica hatte schon Platz auf der Bühne des Thaliasaals genommen. Als die überflüssigen Formalitäten um waren, setzte Violin-Ikone Gidon Kremer (Jahrgang 1947) zum leisen Auftakt des Concertino für Violine und Streichorchester op.42 (1948) von Mieczyslaw Weinberg (1919-1996) an. Er nahm den Bogen hoch und – verflixt, da funkte das Geräusch dazwischen! Selbst der hochbetagten Zuhörerin, deren Konzertbesuch mit Nobelgewand und schillernd aufgetragenem Lippenstift wie aus einer anderen Zeit anmutet, ist so ein Filmriss nicht gestattet. Es gibt Dinge, die dürfen einfach nicht sein...

Gidon Kremer machte anstandslos weiter. Sein ohnehin kurzes Lächeln bei Begrüßung des Publikums ist dasjenige eines noch immer fähigen Interpreten im fortgeschrittenen Alter, der auf zeitgenössische Aufträge, statt welke Lorbeeren, der Lebensmitte schwört. Stärkster Punkt am Samstag, dem 14. September, war „Leaves leaving Leipzig“ (Von Leipzig abfallende Blätter) für Violine und Streicher von Gidon Kremers Landsmann Andris Dzenitis (Jahrgang 1978), der seinen inneren Zwiespalt von Freude und Traurigkeit im neuen Stück (Mai 2019) beschreibt. Was ihn persönlich umtreibt, gibt auch anderen zu denken: Leipzig als Geburtsort liberaler Demokratie 1989, Sachsen als Bühne rechtsextremen Gedankenguts 2019.

Zum Ausklang des Abends nach dem Intermezzo op.12 Nr.2 und dem Kurzstück Aria und Scherzino für Violine und Orchester von George Enescu, beides kunstvoll dirigiert von Fuad Ibrahimov (Aserbaidschan, Jahrgang 1982), und der schließenden Sinfonie Nr.10 von Weinberg reichte Gidon Kremer jedem einzelnen Mitglied der Kremerata Baltica reihum die Hand. Dem Publikum legte er „Oblivion“ von Astor Piazzolla (1921-1992) als Zugabe ans Herz. Gegen das Vergessen.

Über ein Kinderbuch für Leseanfänger

Rumänien aktuelle Nachrichten - So, 09/22/2019 - 02:00

„Astrid ist nichts besonderes passiert. Also warum ein Buch über Astrid? Und nicht eins über Inge? Auch Inge ist nichts Besonderes passiert.“ Mit diesen Worten leitet Karin Gündisch in ihr Kinderbuch „Geschichten über Astrid“ ein und schickt die Leser in die Zeit ihrer eigenen Kindheit zurück, die 1950er Jahre.

Für Astrid ist ihre Heimatstadt Heltau/Cisnădie der Mittelpunkt der Welt. Was die Erwachsenen um sie herum machen, ist ihr oft rätselhaft und fremd. Und so kommt es, dass Astrid über alles nachdenkt. Sie denkt nach über die Eltern, besonders über ihren Vater, der nach langer Abwesenheit wieder zur Familie zurückkehrt und dann doch anders ist, als sie ihn sich vorgestellt hat. Sie denkt nach über die Schule und wie es sein kann, dass die Lehrerin „Es gibt keinen Gott!“ behauptet und der Pfarrer das Gegenteil sagt. Einer von den beiden muss doch lügen! Und wem von beiden soll sie denn glauben? Sie denkt über vieles nach. Und auf diese Weise sieht sich Astrid um und entdeckt die Welt. Gleich ob alleine, zusammen mit ihrem kleinen Bruder Geri oder mit ihren Freundinnen. Gleich ob auf dem Friedhof oder in der Schule, ob beim Kirschenklauben oder im Schwimmbad. Allmählich gewinnt Astrid Selbstvertrauen und findet sich in schwierigen Situationen zurecht. Auch wenn ihre Mutter sie noch abends auf das Plumpsklo begleiten muss, das hinten im Hof neben dem Mist ist. Zwar ist es dort im Winter kalt, dafür stinkt es dann aber auch nicht so sehr wie im Sommer.

Astrid ist nichts Besonderes passiert. Und vielleicht ist es gerade das, was dieses Buch so auszeichnet, denn so ermöglicht es jedem lesenden Kind, seine eigene Welt hinter den Geschichten von Astrid zu entdecken. Ältere Leser oder Lesebegleiter werden wohl öfters den geschichtlichen Hintergrund mancher Szenen wiedererkennen und können die verschiedenen Situationen nachempfinden, wenn sie nicht sogar Ähnliches selbst einmal erlebt haben. Karin Gündisch gelang es, ein für Leseanfänger ab sieben Jahren sehr empfehlenswertes Kinderbuch zu schreiben, das die Leser mit seinen leicht lesbaren Geschichten immer wieder schmunzeln lässt, aber auch zum Nachdenken bringt.

Das Kinderbuch „Geschichten über Astrid“ erschien erstmals 1984 bei Beltz und Gelberg in Deutschland und wurde mit dem erstmalig vergebenen Peter-Härtling-Preis für Kinderliteratur ausgezeichnet. Verlegt wird das Buch nun in einer neuen Auflage vom Schiller Verlag in Hermannstadt und kann dort für 29 Lei oder 6,90 Euro erworben werden.
 

Straßenbauarbeiten werden fortgesetzt

Rumänien aktuelle Nachrichten - Sa, 09/21/2019 - 15:03

Temeswar (ADZ) - Die Arbeiten an der 20-Decembrie-Straße in der Temeswarer Innenstadt wurden in der Nacht zum 18. September fertiggestellt. Bürgermeister Nicolae Robu erklärte im Vorfeld, dass die Autofahrer mit der Qualität der Arbeiten äußerst zufrieden sein müssten. Allerdings werde weiterhin auf dem Constantin-Diaconovici-Loga-Boulevard und auf dem König-Ferdinand-Boulevard gearbeitet. Betroffen sind der Abschnitt zwischen dem Rathaus und der erzbischöflichen Kathedrale sowie die Strecke von der Kathedrale bis zur Mihai-Viteazul-Brücke. Die Fahrbahn werde erweitert und neu asphaltiert, die Bordsteine werden ersetzt, neue Markierungen sollen ferner die Verkehrssicherheit verbessern.

Man müsse jedoch zunächst die Gehsteige reparieren, die durch die Arbeiten an der Luther-Straße, dem Ionel-Brătianu-Boulevard und der Michelangelo-Straße in Mitleidenschaft gezogen wurden und deren Zustand nun zu einem großen Ärgernis für die zahlreichen Fußgänger geworden ist. Auch müsse das städtische Straßenbauunternehmen SDM in den Randvierteln arbeiten, wo der Bürgermeister seinen Feldzug gegen die kurz nach 1989 errichteten Garagen fortsetzt und im monatlichen Rhythmus diese abreißen lässt. Deshalb werde man die Fahrbahnerneuerung in Richtung der Josefstadt (bis zur Marienstatue an der Kreuzung der Gheorghe-Doja-Gasse mit dem Boulevard des 16. Dezember 1989) erst im kommenden Jahr angehen, so Bürgermeister Robu. In zwei Wochen jedoch sollen die Arbeiten auf dem 4. Verkehrsring beginnen, wie die ADZ berichtete. Verwaltungstechnische Aspekte müssten noch geklärt werden, doch den nördlichen Abschnitt des 4. Verkehrsrings (Grigore-Alexandrescu-Straße – Constructorilor-Straße) wolle man noch heuer in Angriff nehmen, sagte Nicolae Robu.

Laura Codruța Kövesi wird erste EU-Chefanklägerin

Rumänien aktuelle Nachrichten - Sa, 09/21/2019 - 05:00

Brüssel/Bukarest (ADZ) - Rumäniens angesehene frühere oberste Korruptionsjägerin Laura Kövesi wird erste Leiterin der EU-Staatsanwaltschaft. Nach monatelangem Patt zwischen EU-Parlament, das Kövesi schon im Februar zu seiner Spitzenkandidatin gekürt hatte, und dem Rat der EU-Staaten, der den französischen Juristen Jean-François Bohnert favorisiert hatte, sprachen sich am Donnerstag bei einem Botschafter-Treffen in Brüssel nun insgesamt 17 der 22 an der EU-Staatsanwaltschaft (EPPO) teilnehmenden EU-Länder für Kövesi aus.

Das Ernennungsverfahren ist damit noch nicht beendet, doch sind die restlichen Schritte eher  Formsache: Vertreter des Rates werden das EU-Parlament nun voraussichtlich kommende Woche über ihren Beschluss und die erzielte Einigung unterrichten, danach muss die Personalie formell von Rat und Parlament bestätigt werden.
Welche Position Rumänien letztlich zu Kövesis Ernennung vertreten hat, bleibt unklar. Regierungschefin Viorica Dăncilă (PSD) hatte noch wenige Stunden vor der Abstimmung klargestellt, die rumänische Botschafterin bei der EU, Luminița Odobescu, angewiesen zu haben, „gegen Kövesi zu stimmen“ – letztere habe erst „ihre Justizprobleme“ zu lösen. Presseberichten zufolge soll Odobescu Dăncilăs Anweisung jedoch ignoriert und nach einem Donnerstagmorgen erfolgten Telefonat mit Staatschef Klaus Johannis für Kövesis Ernennung zur EPPO-Leiterin gestimmt haben.

Die Europäische Staatsanwaltschaft mit Sitz in Luxemburg soll Ende 2020 als unabhängige EU-Strafverfolgungsbehörde bei Finanzdelikten zum Nachteil des EU-Haushalts ermitteln. Laut politischen Leitlinien der gewählten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen könnte die Behörde künftig auch für die transnationale Terrorismusbekämpfung zuständig sein.
 

Kövesi: „Ein schöner Tag für die rumänische Justiz und Gesellschaft“

Rumänien aktuelle Nachrichten - Sa, 09/21/2019 - 04:50

Bukarest (ADZ) - Die künftige EU-Generalstaatsanwältin und frühere DNA-Chefin Laura Kövesi hat am Donnerstag nach dem mit breiter Mehrheit zu ihren Gunsten ausgefallenen Votum der EU-Staaten von einem „schönen Tag für die rumänische Justiz und Gesellschaft“ gesprochen, die sich beide schon seit geraumer Zeit ungebrochen für Rechtsstaatlichkeit einsetzen.

Für sie sei das Abstimmungsergebnis „ein Vertrauensvotum für eine Gesellschaft“, die „die europäischen Werte und das eigene Justizsystem“ seit mehr als zwei Jahren dezidiert verteidige, sagte Kövesi in einer ersten Reaktion. Zudem hoffe sie, dass das Votum von allen Staatsanwälten als „Zeichen der Ermutigung“ empfunden werde, „die Korruptionsbekämpfung unvermindert fortzusetzen“. Bezüglich der Weigerung der Regierung Dăncilă, sie im Rennen um den EU-Topjob zu unterstützen, sagte die 46-Jährige, dass diese für sie angesichts der ihr zuteil gewordenen „überwältigenden Unterstützung der Menschen“ von geringer Bedeutung gewesen sei.

Die Opposition schoss sich indes auf Regierungschefin Viorica Dăncilă ein, die noch wenige Stunden vor der Abstimmung in Brüssel erklärt hatte, die rumänische Botschafterin erneut angewiesen zu haben, gegen Kövesis Ernennung an die Spitze der europäischen Staatsanwaltschaft zu stimmen. Es sei „schändlich“, wie Kövesi von den Behörden des eigenen Landes „behindert und schikaniert“ worden sei, und ein „Sieg der Gerechtigkeit“, dass sie es trotzdem geschafft habe, sagte PNL-Chef Ludovic Orban, der das Botschafter-Votum als „Ohrfeige und Riesen-Niederlage für Dăncilă und die PSD“ wertete.
Auch Staatschef Klaus Johannis freute sich in einer Pressemitteilung, dass Kövesis „Erfahrung und Kompetenz“ nun endlich die gebührende Anerkennung gefunden hätten.

EU-Parlament verurteilt Ribbentrop-Molotov-Pakt

Rumänien aktuelle Nachrichten - Sa, 09/21/2019 - 04:30

Straßburg (dpa/ADZ) - Das EU-Parlament nahm Donnerstag eine Resolution über die Opfer von Stalinismus, Nazimus und anderen totalitären und autoritären Regimen an. In dieser wird auch der Ribbentrop-Molotow-Pakt verurteilt, in welchem Deutschland und die Sowjetunion die Aufteilung Osteuropas beschlossen. Infolgedessen wurden von der Sowjetunion und Ungarn auch rumänische Gebiete annektiert.

Das EU-Parlament verurteilt alle Manifestationen und die Verbreitung totalitärer Ideologien, aber auch den historischen Revisionismus und die Verherrlichung der Nazi-Kollaborateure in einigen EU-Mitgliedstaaten. Es wurde zudem Besorgnis ausgedrückt über die zunehmende Akzeptanz von radikalen Ideologien und die Rückkehr zu Faschismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.

Der rumänische Präsident Klaus Johannis begrüßte die Resolution. Die Erziehung junger Generationen im Geiste der Achtung der demokratischen Grundsätze und der Menschenwürde durch die Aufnahme der Geschichte totalitärer Regime in die Bildungsprogramme sei ein dringendes Bedürfnis der heutigen Gesellschaft.
In der Resolution wird der 25. Mai als Internationaler Tag der Helden im Kampf gegen den Totalitarismus etabliert.
 

Erläuterungen zu Plumbs Vermögenserklärung gefordert

Rumänien aktuelle Nachrichten - Sa, 09/21/2019 - 04:10

Bukarest (ADZ) - Der Rechtsausschuss des Europäischen Parlaments (JURI) hat beschlossen, von mehreren Kandidaten, die sich für EU-Kommissarsämter beworben haben, unter welchen auch EU-Abgeordnete Rovana Plumb (PSD), zusätzliche Erläuterungen zu fordern. Die von der Regierung als EU-Kommissarin für Transport vorgeschlagene Kandidatin Rumäniens muss laut JURI bei der bevorstehenden Anhörung zusätzliche Angaben machen bezüglich eines 800.000 Euro teuren Kredits bei einer rumänischen Bank und ihrer Aktien an einem Unternehmen, welche in der in Brüssel eingereichten Vermögenserklärung nicht erwähnt worden seien. 

Des Weiteren werden von ihr auch Erläuterungen zum Korruptionsfall von 2017 erwartet, in dem gegen sie als damalige Umweltministerin von der Nationalen Antikorruptionsbehörde DNA Ermittlungen in der Sache „Belina Insel“ durchgeführt wurden, jedoch konnte Plumbs Fall dem Gericht nicht übergeben werden, weil die Abgeordnetenkammer dies abgelehnt hat.
 

Transelectrica-Direktor mit gefälschtem Diplom entlassen

Rumänien aktuelle Nachrichten - Sa, 09/21/2019 - 04:00

Bukarest (ADZ) - Der Leiter des Elektrizitätsunternehmens Transelectrica, Marius Dănuț Carașol, ist entlassen worden, nachdem sein Ingenieursdiplom am Mittwoch von der Polytechnik-Universität Bukarest für gefälscht erklärt worden war. Das Bildungsministerium hatte bestätigt, dass keine Universität im Land Carașol ein Abschlusszeugnis ausgestellt habe, da er zwar ein Studium begonnen, es aber nie zu Ende gebracht hat. 

Er hatte sich im Dezember vergangenen Jahres bei Transelectrica für die höchste Stelle beworben, nachdem der gewesene Leiter, Niculae Bădălău, als Wirtschaftsminister aufgestellt worden war. Unter Carașols Bewerbungspapieren befand sich das gefälschte Diplom, das grafisch einem Bakkalaureats-Diplom gleicht und 2006 von der Polytechnik-Universität ausgestellt worden sein soll. Die Oberste Staatsanwaltschaft hat sich inzwischen eingeschaltet und untersucht die Fälschung als mögliche Straftat.

Eine Reise in die ehemalige DDR

Rumänien aktuelle Nachrichten - Sa, 09/21/2019 - 03:00

Wohin? Mehrfach musste ich mein Reiseziel wiederholen und erklären. An die ehemalige deutsch-deutsche Grenze in Thürigen oder in die Lausitz im neuen Bundesland Sachsen reist man aus Rumänien selten. Und offensichtlich auch von anderswo kaum. Dass ich es tat, liegt an den Freunden, die ich dort habe: Erstens eine Brieffreundin, zu der der Kontakt besteht, seit wir 13 Jahre alt waren und uns die ersten Briefe schrieben – auf Papier, mit gezeichneten Verzierungen, per Post verschickt! – deren Besuche in Rumänien ich nicht entgegnen konnte, solange es die DDR gab, weil sie im Grenzstreifen zur „feindlichen“ Bundesrepublik Deutschland wohnte, wohin auch die Bewohner nur mit Passierschein durften. Zweitens, einen guten Bekannten, der während des Theologiestudiums Ende der 1980er Jahre bereits nach Rumänien gekommen war, nach der Wende in Siebenbürgen mehrere Jahre als Pfarrer gewirkt hatte und sich vor einigen Jahren in der Lausitz niedergelassen hat. Nach „Westdeutschland“ fahren ist mittlerweile normal und uninteressant, also reiste ich mal in die ehemalige DDR, sprich neue Bundesländer. Da war ich nach der Wende zwar mehrfach gewesen, doch wollte ich sehen, wie es dort heute aussieht. 

Die Anreise nach Hirschberg/Saale, einem kleinen Städtchen im Süden Thüringens, erfolgte aus Bayern. Vom einstigen Grenzübergang ist in der Landschaft nichts mehr zu sehen. Beim Spaziergang durch den Naturschutzpark Hag (in den Ausläufern des Thüringer Schiefergebirges), der an Hirschberg grenzt, erklärt meine Freundin, dass die Grenze mitten durch die Saale verlief. An den nächsten Tagen fahren wir durch Orte, in die selbst sie zu DDR-Zeiten nicht hinein durfte. Dass es an dieser Grenze ebenfalls einen zwischen Ost- und Westdeutschland geteilten Ort gegeben hat, ist wenig bekannt: Mödlareuth. Im dortigen Museum ist dargestellt, wie die beiden Ortsteile zunächst zur amerikanischen bzw. sowjetischen Besatzungszone und dann zur Bundesrepublik bzw. DDR gehört haben: durch einen Holzbretter-, dann Stacheldrahtzaun und schließlich eine Mauer getrennt. Am Schluss der Reise besuche ich Görlitz – die östlichste Stadt Deutschlands, deren durch die Neiße getrennter Ostteil seit1945 Zgorzelec in Polen ist. Hier bleibt die Trennung in Sprache und Verwaltung bestehen, die Grenze ist aber kaum zu sehen und zu bemerken. Fährt man jedoch in die polnische Stadt und in ihr Hinterland hinein, ist der Unterschied zu Deutschland deutlich festzustellen.

Thüringen

Die Landschaft ist wunderschön, sehr viele Wälder, Nadelbäume in ca. 400-500 Metern Höhe, weite Felder, kleine Orte, viele Wandermöglichkeiten entlang ausgeschilderter Wege. Die Gegend wirkt menschenleer. Es ist Arbeitstag, sehr viele Thüringer arbeiten oder wohnen in Bayern – wie an der Blechlawine am Sonntagnachmittag Richtung Süden festzustellen ist – wir sehen auf den Straßen vorrangig Senioren. In Hirschberg gab es eine Lederfabrik, die schloss nach der Wende, wurde verhökert und mittlerweile ist auch das Gebäude abgetragen. Eine Arbeitsplatz-Alternative gibt es nicht. Mir werden stillgelegte Bahnhöfe und Gleise gezeigt, viele Gaststätten haben geschlossen. Die kleinen Orte sehen aber sehr viel besser aus als die Dörfer in Rumänien. Und hoffentlich setzt auch für dieses Gebiet mal eine Nostalgiker-Tourismus-Bewegung ein, zu bieten hat es nämlich sehr viel.  

Wir besichtigen den Staudamm in der Bleiloch-Talsperre an der oberen Saale, wo das Pumpspeicher-Wasserkraftwerk 1932 in Betrieb ging. Hier beginnt das Thüringer Meer, der größte Stausee Deutschlands, wie der Kapitän des in Saalburg bestiegenen Schiffes erklärte. Nach Saalburg-Ebersdorf waren wir entlang des Stausees gefahren, vom Schiff aus sehen wir die bewaldeten Ufer, an denen sich hie und da Ferienorte und zwei Campingplätze befinden. Von der Webseite erfahre ich, dass der See 28 Kilometer lang ist, die Möglichkeit besteht, ihn mit eigenen oder Mietbooten zu befahren, man angeln oder Wassersport betreiben kann. Wochentags ist wenig los, aber am Wochenende ist die Gegend sehr lebendig. Überall sind Feste und Veranstaltungen angekündigt und man kommt mit freundlichen Menschen ins Gespräch. Es herrscht keine Lethargie, kein Selbstbedauern.  

Was wäre Deutschland ohne Burgen und Schlösser? Ein solches, Schloss Burgk, liegt am Ufer der Oberen Saale und seine historischen Räume mit sehr gut erhaltener Inneneinrichtung können seit 1952 besichtigt werden. Schlossräume werden heute für Ausstellungen genutzt, in der barocken Kapelle lauschen wir einem Konzert an der kürzlich restaurierten Silbermann-Orgel. Im Schlosshof wird alljährlich Ende Juli ein Burg(k)-Spektakel organisiert und am ersten Adventswochenende ein Weihnachtsmarkt, man kann Räume für Feierlichkeiten anmieten, das über einen Fußweg zu erreichende Sofienhaus zum Beispiel wird für Trauungen genutzt. Und immer wieder hat man eine faszinierende Aussicht auf die gestaute Saale und die Wälder. Wir steigen auch zu den Ruinen des einstigen Ritterguts in Blankenberg hoch. Sehr nahe an der deutsch-deutschen Grenze gelegen, hatte die sowjetische Militärverwaltung 1948 dessen Sprengung angeordnet. Im Gebäude befanden sich damals eine Arztpraxis und Wohnungen. Erst nach der Wiedervereinigung konnten die Ruinenreste gesichert werden. 

In Thüringen liegen Erfurt, Weimar, Eisenach, die Wartburg, Jena, das sind die Touristen-Magneten, nicht nur im Luther-Jahr. Genauso wie Dresden, Sachsens Hauptstadt, das schmuck hergerichtet worden ist und strahlt. Vor der nach der Wende wieder aufgebauten Frauenkirche stehen Touristen Schlange, um sie zu besichtigen. Ich gehe in die Kreuzkirche, die auch sehr beeindruckend ist. Wie auch die vielen Kirchen in Görlitz, von denen ich die Dreifaltigkeitskirche am interessantesten fand. Diese Bauwerke, ihre wertvollen Altäre und Orgeln werden in jedem Reiseführer beschrieben, ich schildere deswegen weniger Bekanntes.

Die Lausitz 

Wie oben erwähnt, war ich auch in der Lausitz, wo die Sorben leben, die Vorzeige-Minderheit Deutschlands. Die zweisprachigen Orts- und sonstigen Schilder fallen nur Besuchern auf, auf den etwas anderen Baustil der Sorben-Häuser werde ich hingewiesen. Mir wird berichtet, dass es Schulen in sorbischer Sprache gibt, Traditionen und Bräuche gepflegt werden, auch hier – wie auch im Fall der deutschen Minderheit in Rumänien – anders ethnische Jugendliche in den Tanzgruppen und bei den Festen mitmachen, weil sie die Gemeinschaft mögen, hingegen einige Personen die schönen Trachten nicht mehr anziehen, weil sie kein Ziel für Fotografen, Medien und Neugierige sein wollen. Auch bei den Sorben stellt sich das Problem der Grenzen zwischen gelebter Tradition und Eigenartigkeit, Folklore und Spektakel. 

Zum Nachdenken regt (wie im Flyer treffend steht) der Friedhof in Ralbitz an. Am Kirchhof stehen in Reih und Glied, an der Stirn exakt gleicher Gräber, Grabkreuze, alle aus Holz und weiß gestrichen, mit vergoldetem Corpus drauf. Unterschiedlich sind allein die Aufschriften auf ovalen Tafeln – in sorbischer oder deutscher Sprache – und der Blumenschmuck am Grab. Die Menschen werden in der Reihenfolge ihres Todesdatums begraben. Vor Gott sind alle gleich, für jeden, ob reich oder arm, dumm oder schlau, kommt einmal der Augenblick seines Endes. Es soll ein Priester gewesen sein, der diese Einheitlichkeit eingeführt hat, wobei Weiß für die Unschuld in Gott, das Kreuz und der Corpus als Zeichen der Hoffnung auf Erlösung stehen. Nur die Gräber einiger ehemaliger Zisterziensermönche aus einem nahen Kloster sind in der Manier dieses Ordens gehalten. Wir besuchen auch die Zisterzienserinnen-Abtei St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau. Das Frauenkloster hat die atheistische DDR-Zeit überlebt. Hier gibt es nun die Möglichkeit zu übernachten, zu essen und zu trinken, von den Nonnen gezogene Kräuter oder gefertige Gegenstände zu kaufen, zu verweilen. Im Kloster wird Behindertenarbeit gemacht, als wir dort waren, fand gerade eine Kinderfreizeit statt. 

In Görlitz speisten wir in der Gaststätte „Siebenbürgen“. Erfahren hatte ich von ihr aus einer Reportage der Deutschen Welle, die Robert Schwartz vor der Stichwahl für das Bürgermeisteramt gedreht hatte, eine Stichwahl, bei der der „Emigrant“ Octavian Ursu den AfD-Kandidaten besiegt hat. Dass es in Sachsen einen CDU-Landtagsabgeordneten namens Ursu gibt, hatte ich vor Jahren aus einem Besuchsprogramm des DFDR-Abgeordneten Ovidiu Ganț erfahren. Die Gaststätte erinnert tatsächlich sehr an Siebenbürgen: An der Wand hängen alte Karten siebenbürgischer Städte, als Tischtuch werden handgewebte Tücher verwendet, die Toilettentüren sind den einstigen Plumpsklo-Türen nachempfunden. Der junge Inhaber, Theodor Osnaga, kellnert selbst und kommt gern ins Gespräch mit den Kunden. Seine Eltern stammen aus Hermannstadt/Sibiu, sie leben aber schon lange in Bukarest und er schon recht lange in Deutschland. Seine Gaststätte besuchen aus Rumänien und Siebenbürgen Stammende oder Besucher und Siebenbürgen-Fans, von denen es in Görlitz viele geben soll. „Sarmale cu  mămăligă” und „papanași” dürfte es sonst auf wenigen Speisekarten in Deutschland geben. Neben uns sitzt eine Dame, die sagt, sie stamme aus Kronstadt/Brașov.

Nach der Rückkehr erzähle ich begeistert vom Gesehenen und Erlebten. Na ja, das ist eben Deutschland, bekomme ich zu hören. Na klar, wir bewundern es, tun aber wenig, um ihm nachzueifern. Neulich war ich mit einer Gruppe Wissenschaftler in Birthälm/Biertan, der von sehr vielen Touristen besuchten Kirchenburg. Vergebens suchten wir nach einem Flyer, der in wenigen Infos das Wichtigste über die Anlage mitteilt. Bei vielen anderen Sehenswürdigkeiten ist es genauso. In Rumänien „merge și așa”.

Neuheiten zum Schulanfang

Rumänien aktuelle Nachrichten - Sa, 09/21/2019 - 03:00

Als „Johannes Honterus“-Nationalkolleg hat die größte deutschsprachige Bildungsanstalt aus Kronstadt/Bra{ov ihre 1450 Schüler aus 54 Klassen im neuen Schuljahr willkommen geheißen. Diese Auszeichnung kommt als „Anerkennung der langen Tradition der Schule und des Beitrags, den die Schule zur Entwicklung des Unterrichts und der Kultur in Rumänien geleistet hat“, sagt Schulleiter Radu Chivărean. Unter den zu erfüllenden Bedingungen, um den Ehrentitel zu erhalten, waren, unter vielen anderen, sehr gute Leistungen der Schüler erfordert. Im Vorjahr beispielsweise gab es eine hundertprozentige Bestehensquote für jedes Niveau, die kleinsten Noten bei den Aufnahmeprüfungen waren 8,37 bei der Real-, 6,96 bei der humanistischen Abteilung. Von den 110 Lyzeumsschülern haben nur zwei das Abitur nicht geschafft. Somit hat sich die Schule in der Kreishierarchie den vierten Platz sichern können. Auch die bei der Landesphase der Deutsch-Olympiade erhaltenen Preise (zwei erste, einen zweiten und zwei dritte), aber auch die guten Resultate bei weiteren Olympiaden, tragen zum guten Image der Schule bei. Bei der Entscheidung des Unterrichtsministeriums, den Titel des „Nationalkollegs“ zu verleihen, haben auch die Austauschprogramme mit Deutschland (Bretten, Wiesbaden, Hamburg und Ulm), weitere Projekte für Schüler und Bildungsprogramme für Lehrer sowie die beiden Erasmus+ Projekte, deren Anzahl heuer verdoppelt wird, eine Rolle gespielt. Dieser neue Status der Schule soll nun anhand der neuen Abzeichen für Schüler ersichtlich sein, die noch verteilt werden müssen. 

Rechtliche Lage geklärt

Besonders erfreulich ist, dass die rechtliche Situation der Gebäude des Honterus-Nationalkollegs vor wenigen Wochen geklärt wurde und das Kronstädter Bürgermeisteramt nun für diese zuständig ist. In einem mit der Evangelischen Honterusgemeinde unterzeichneten Nutzungsvertrag wurde festgehalten, dass die B, C und D-Gebäude der Schule für weitere 29 Jahre kostenlos zum selben Zweck benutzt werden dürfen, wobei das Bürgermeisteramt für die Sanierung und Instandhaltung der Immobilien zuständig ist. Da die Gebäude denkmalgeschützt sind und ihr Spezifikum erhalten bleiben soll, wird die Kirchengemeinde das Sanierungsprojekt stellen. In den letzten Jahren haben die Lokalbehörden nur kleine Reparaturen an den Immobilien vorgenommen, zumal es keine vertragliche Vereinbarung in dieser Hinsicht gab. Auch die Honterusgemeinde hat in Reparaturen investiert. Bekanntlich haben auch die Eltern der Schüler aus der eigenen Brieftasche oder mithilfe von Sponsoren dazu beigetragen, dass die Klassen zu Schulanfang gute Bedingungen bieten.

Das E-Gebäude (in der Waisenhausgasse/Poarta Schei), das sich im Besitz des Bürgermeisteramts befindet, ist derzeit geschlossen und wartet darauf, renoviert zu werden, sobald eine Baufirma sich dessen annimmt. „Gegenwärtig ist es ziemlich eng in den drei Gebäuden und wir leiden darunter, aber wir tun das, um den Unterricht am Morgen anbieten zu können, denn niemand wünscht sich Nachmittagsunterricht“, erklärt Chivrărean. Das A-Gebäude wird seit zwei Jahren nicht mehr als Schulgebäude benutzt.
Die mangelnden Räumlichkeiten sind auch einer der Gründe, warum die Anzahl der 0-Klassen auf vier pro Jahrgang festgelegt wurde und die Gesamtanzahl der Klassen von 56 im Jahr 2016 auf 54 geschrumpft ist. Auch wenn die Nachfrage an deutschsprachigem Unterricht weiterhin hoch bleibt, könne und wolle die Schule nicht wachsen, erklärt der Schulleiter, der auch auf die mangelnden qualifizierten deutschsprachigen Grundschul- und Fachlehrer, auf die fehlenden Lehrbücher in deutscher Sprache sowie auf die schwere Verwaltung einer so großen Einheit hinweist. „Wir können nicht wie ein Ballon wachsen! Lieber bieten wir Qualität statt Quantität. Wenn jemand unbedingt in deutscher Sprache lernen möchte, gibt es auch andere Schulen in der Stadt (Anm. d. Red. Allgemeinschule Nr. 12), wo sie das tun können“, meint der Schulleiter. 

Sonderschulbusse eingeführt

Eine Neuheit ist auch die Einführung von Schulbussen im Stadtverkehr. Im Rahmen des Pilotprojekts des Bürgermeisteramts fahren vier Schulbusse Schüler, Lehrer und das Personal der Grundschulklassen des „Johannes Honterus“-Nationalkollegs und der Gymnasialschule „Iacob Mureșianu“ aus dem Astra-Viertel – mit Zwischenstationen beim Kreiskrankenhaus, Bukarester Straße, dem „Meșotă“-Nationalkolleg, am M. Kogălniceanu Boulevard – in die Schule. Die Passagiere werden von einem Vertreter der Lokalpolizei begleitet, der für das sichere Überqueren der Straße und das Begleiten der Kinder bis in den Schulhof des D-Gebäudes (ehemaliges Sportlyzeum) zuständig ist. Für das Projekt wurde eine Sonderhaltestelle auf der Wagner-Zeile/Șirul Ludwig van Beethoven eingerichtet. Die Initiative, die von Eltern sehr gut aufgenommen wurde, vor allem weil dadurch der Stadtverkehr zur Hauptverkehrszeit entlastet und Zeit gespart, aber auch die Luftverschmutzung reduziert wird, soll ab dieser Woche auch für die Viertel Barholomae, Tractorul und Triaj ausgeweitet werden und ist für alle Schüler der zentralen Lehreinheiten, nicht nur für Grundschüler gedacht. Geplant ist, dass die Busse, die vorläufig nur morgens zum Einsatz kommen, auch für die Heimfahrt der Schüler eingesetzt werden. 

Erfreut zeigten sich gleich mehrere Sprecher bei der Feier zum Schulanfang, die am 9. September auf der Sportarena des D-Gebäude stattfand, dass eine Grundschullehrerin, Roxana Czine, eingestellt wurde, sowie ein neuer Musiklehrer. Der Deutsche Matthias Roos, Wahlkronstädter seit fünf Jahren, hat den Auftrag, die Blaskapelle der Schule wieder aufzubauen, wobei erst die Instrumente dazu angeschafft werden müssen. 
Auch der Elternverein ProHonterus ist weiterhin bestrebt, schulische und außerschulische Tätigkeiten der Schüler zu unterstützen.

Banater Semmeringbahn auf Sparflamme

Rumänien aktuelle Nachrichten - Sa, 09/21/2019 - 02:00

Senator Ion Marcel Vela wandte sich mittels einer Interpellation an Transportminister Răzvan Cuc und stellte ihm im Plenum des Senats mehrere Fragen, die mit der Banater Semmeringbahn und dem Schienennetz des Banater Berglands im Zusammenhang stehen. Anlass zur Interpellation war die jüngste Verordnung des wegen des Eisenbahnverkehrs ohnehin stark unter Druck stehenden Transportministers. Unter anderem verfügt Cuc, angeblich auf Vorschlag der Rumänischen Eisenbahnen CFR, dass ab dem 25. September die Banater Semmeringbahn nur noch an drei Tagen, am Wochenende, zwischen Orawitza und Anina verkehren soll.

Senator Vela findet, das sei eine ungerechtfertigte Verfügung, zumal die Zahl der Fahrgäste, die diese Eisenbahnrarität zur Erbauung und zum Vergnügen nutzen, von Jahr zu Jahr steigt. Vela berichtete, dass 2014 die Banater Bergbahn von 15.929 Fahrgästen benutzt wurde, und verglich das mit 2018, als 24.591 Fahrgäste die gut 32 Kilometer lange Strecke im Bummelrhythmus, doch mit der seelischen Entschädigung durch eine einmalige Landschaft und wunderbare Aussichten, durchfuhren.
Senator Vela nahm sich den Verkehrsminister gründlich vor: „Hat die vom Minister gegengezeichnete Entscheidung der Rumänischen Eisenbahnen CFR als Grundlage eine Untersuchung der Auswirkungen? Welches ist die Strategie des Transportministeriums betreffend die Modernisierung und Entwicklung der Straßen- und Schienen-Infrastruktur im Landkreis Karasch-Severin? Welche Investitionen hat das Transportministerium, das von Ihnen geleitet wird, in den vergangenen drei Jahren getätigt, um die Infrastruktur in diesen beiden Bereichen zu verbessern? Und eine Bitte: Wiederholen Sie nicht noch einmal eine so zweideutige und vage Antwort wie seinerzeit, als ich Sie nach dem Flughafen Karansebesch fragte!“

Da mehrere der PSD-Senatoren im Tagungssaal des Senats kund taten, dass sie mit dem PNL-Senator Vela nicht derselben Meinung seien und Transportminister Cuc zu unterstützen signalisierten, wandte sich Senator Vela auch an diese: „Ihr, die Ihr Cuc unterstützt, könnt ihm nur nützen, wenn ihr ihm leise, aber hörbar und verständlich ins Ohr flüstert (damit er keinen Schock erlebt), dass er noch vor Silvester fliegen wird. Vom Posten nämlich. Er täte gut daran, schnellstens diese Verordnung zurückzuziehen, denn er riskiert, in die Geschichte einzugehen. Nicht nur als derjenige, der keine Ahnung hat vom Autobahnbau, sondern auch als Zerstörer der Zeugnisse der Industrie- und Verkehrsgeschichte, die im Banater Bergland existieren.“

Laut der Verordnung des Verkehrsministers soll ab dem 25. September auf Vorschlag der Rumänischen Eisenbahnen CFR zwischen Orawitza und Anina und retour nur noch je ein Zugpaar freitags, samstags und sonntags verkehren. Laut geltendem Fahrplan fährt der Zug R 9695 um 11.15 Uhr vom Bahnhof Orawitza ab und kommt um 13.08 Uhr in Anina an. Von hier beginnt die Rückfahrt als R 9696 um 14.40 Uhr und die Ankunft ist regulär um 16.34 Uhr am Bahnhof Orawitza. Das gilt zwischen dem 25. September und dem 31. Oktober. Ab dem 1. November (mit der Winterzeit) beginnt die Rückfahrt aus Anina als R 9694 schon um 13.30 Uhr und die Ankunft in Orawitza ist für 15.24 Uhr vorgesehen.

Tourismusagenturen bzw. organisierte Reisegruppen, bestehend aus mindestens 30 Personen, haben die Möglichkeit, per Antrag (getätigt spätestens 15 Tage vor Reiseantritt), den Zug auch montags, dienstags, mittwochs und donnerstags zu nutzen. Dazu muss man bei 0040-372-561.600 anrufen oder sich per Fax 0040-372-561602 (von Montag bis Donnerstag, zwischen 8 und 16 Uhr, Freitag zwischen 8 und 14 Uhr) mit den Behörden der CFR in Verbindung setzen und den Reisewunsch vorbringen und absprechen. 

Fahrkarten für Hin- und Rückfahrten zwischen Orawitza und Anina mit der Banater Semmeringbahn kosten 13,9 Lei/Person (inklusive Platzreservierung), wobei Schüler und Reisegruppen sich an Preisermäßigungen erfreuen können. In den CFR-Reiseagenturen können die Fahrkarten 30 Tage vor Fahrtantritt gebucht werden, sofern die Eisenbahnkassen über ein elektronisches Reservierungssystem verfügen. Auch online können Fahrkarten für diese einzigartige Bahnstrecke gebucht werden, die im Herbst (durch die bunten Laubwälder) und im Winter (die entlaubten Wälder geben atemberaubende Berglandschaften frei) besonders attraktiv ist. An den regulären Fahrtagen können die Fahrkarten auch an den beiden Endbahnhöfen sowie (ohne Zuschlag) bei den Schaffnern erstanden werden.
 

CFR Klausenburg siegt überraschend gegen Lazio Rom

Rumänien aktuelle Nachrichten - Fr, 09/20/2019 - 11:50

Klausenburg (ADZ) - CFR Klausenburg hat in der UEFA Europa League einen unerwarteten Sieg gegen Lazio Rom eingefahren. Vor heimischen Publikum gewann der amtierende rumänische Meister mit 2:1 (1:1). Den ersten Europapokal-Abend seit knapp sieben Jahren wollten jedoch lediglich 9222 Zuschauer sehen. Allerdings verlangte der Club für einen Platz auf der Gegengerade auch stolze 150 Lei.

Auf dem Platz zeigten beide Mannschaften dann zunächst, dass der hohe Eintrittspreis auch tatsächlich nicht gerechtfertigt ist. Dan Petrescu bot gleich fünf Verteidiger auf und Lazio-Trainer Simone Inzaghi hatte seine besten Spieler nicht einmal mit genommen. Dementsprechend spielte für Stürmer Ciro Immobile der spanische Neuzugang Jonathan Rodriguez sowie Bartolomeu Quissanga für den rumänischen Abwehrroutinier Ștefan Radu.
Quissanga war es allerdings, der in der 25. Minute den Führungstreffer für Lazio erzielte. Nach einem kurz ausgeführten Eckball und einer Hereingabe von Rodriguez war es der Angolaner, der nach einem kurzen Antritt aus dem Rückraum den Ball als Erster im Fünf-Meter-Raum mit dem Knie erreichte. Dabei stimmte in dieser Situation trotz fünf Verteidigern die Zuordnung bei CFR nicht, denn für Quissanga fühlte sich niemand verantwortlich.

Nur knapp 15 Minuten später sollten die Klausenburger allerdings ihre überraschende Chance auf den Ausgleich erhalten. Lucas Leiva und Damjan Djokovic hatten sich gegenseitig im Zweikampf nach einem Eckball festgehalten, doch Schiedsrichter Daniel Stefanski entschied auf Strafstoß gegen die Römer. Diese Chance ließ sich Routinier Ciprian Deac nicht nehmen und verwandelte vom Punkt souverän zum 1:1.

„Cestor, Burcă und Boli haben vor allem in der zweiten Halbzeit ihre Arbeit gut gemacht. In der Pause habe ich ein bisschen lauter geredet, weil mir nicht gefallen hat, was ich gesehen habe“, erklärte Dan Petrescu nach dem Spiel. Auch brachte der CFR-Trainer Billel Omrani für den wenig überzeugenden Lacina Traoré.
Und der Franzose war es dann auch, der in der 75. Minute das 2:1 erzielte. Zuerst traf der 26-Jährige mit einem Schuss aus 13 Metern noch die Latte, doch Lazio-Torwart Thomas Strakosha ging danach nicht zum Ball, sodass Omrani den Ball ohne Gegenwehr aus 12 Metern ins Tor köpfen konnte.

Trotz des entscheidenden Tores war Petrescu mit der Leistung seines Stürmers nicht zufrieden. „Am Anfang der Woche hat er nicht ordentlich trainiert und seinen Platz in der Mannschaft verloren. Ich habe ihm gesagt, wie es ist, und dass ich ihn sehr mag, doch wenn andere besser trainieren, was soll ich da sagen?“
Im zweiten Spiel der Gruppe E trennten sich Stade Rennes und Celtic Glasgow 1:1 (1:0). Nächster Gegner der Klausenburger sind am 3. Oktober die Schotten. Ein Heimspiel bestreitet CFR erst am 7. November wieder, dann gastiert Stade Rennes in Gruia. In der Liga muss der Tabellenführer am Sonntag bei FCSB antreten.
CFR: Arlauskis – Camora, Cestor, Peteleu, Boli, Burcă – Djokovic, Bordeianu – Deac (90. Golofca), Păun (84. Culio), Traoré (46. Omrani)

Verfassungsgericht gibt Organstreitklage der Regierungschefin teilweise statt

Rumänien aktuelle Nachrichten - Fr, 09/20/2019 - 05:00

Bukarest (ADZ) - Das Verfassungsgericht (VG) hat am Mittwoch der jüngsten Organstreitklage von Regierungschefin Viorica Dăncilă (PSD) teilweise stattgegeben und im Streit um die seit dem Koalitionsende herrschende Regierungskrise teils der Präsidentschaft, teils der Exekutive Recht gegeben.
So befanden die Verfassungshüter mehrheitlich, dass das Staatsoberhaupt einerseits die von der Regierungschefin beantragte Abberufung von Ministern sowie die Ernennung von Interims-Ministern nicht verweigern kann, da dies in den Zuständigkeitsbereich des Ministerpräsidenten falle. Dafür könne der Präsident die Ernennung vollamtlicher Minister ablehnen, wobei er in diesem Fall sein Veto zu begründen habe.

Andererseits sei nach dem Koalitionsaus für die Regierung der Gang ins Parlament zwingend, um sich bestätigen zu lassen, so das einstimmige Urteil der Verfassungsrichter bezüglich der von Dăncilă bisher hinausgezögerten Vertrauensabstimmung.
Staatschef Klaus Johannis stellte anschließend in einer ersten Reaktion klar, dass er die von der Regierungschefin beantragten Minister-Abberufungen sowie Ernennungen kommissarischer Ministers erst nach der Veröffentlichung des VG-Urteils sowie der Urteilsbegründung im Amtsblatt vornehmen werde. Er sei erfreut, feststellen zu können, dass das Verfassungsgericht ihm betreffend die unvermeidliche Vertrauensabstimmung Recht gegeben habe; sofern die Ministerpräsidentin der Regierungskrise ein schnelles Ende bereiten wolle, habe sie den Gang ins Parlament umgehend anzutreten, so Johannis.

Dăncilă antwortete darauf unverzüglich, sich damit keineswegs beeilen zu wollen. Ihr Kabinett werde sich erst „nach der Misstrauensabstimmung“ vom Parlament bestätigen lassen, so die Regierungschefin.
 

Misstrauensantrag könnte schon bald eingebracht werden

Rumänien aktuelle Nachrichten - Fr, 09/20/2019 - 04:50

Bukarest (ADZ) - Nach Angaben des Chefs der oppositionellen Liberalen (PNL), Ludovic Orban, könnte der Misstrauensantrag der Oppositionsfraktionen gegen die Minderheitsregierung unter Viorica Dăncilă „schon bald, aller Wahrscheinlichkeit nach bereits kommende Woche“ im Parlament hinterlegt werden. In einem TV-Gespräch hob Orban am Mittwoch hervor, dass der Misstrauensantrag das „einzige Instrument“ darstelle, um „dieses Kabinett samt seiner Regierungschefin“ loszuwerden – eine verlorene Vertrauensabstimmung beschere der PSD-Minderheitsregierung nämlich bekanntlich „noch längst nicht den Abgang“, so der Liberalenchef.
 

Justizministerin Birchall vor der Abberufung

Rumänien aktuelle Nachrichten - Fr, 09/20/2019 - 04:30

Bukarest (ADZ) - Das Verfassungsgerichtsurteil von Mittwoch, das die Abberufung von Ministern und Ernennung von Interims-Ministern als einen ausschließlich in den Zuständigkeitsbereich des Regierungschefs fallenden Verwaltungsakt einstuft, hat den Abgang von Justizministerin Ana Birchall (PSD) besiegelt. Die 46-Jährige war bereits Ende August von Regierungschefin Viorica Dăncilă entlassen worden und bisher bloß infolge der Weigerung des Staatsoberhaupts im Amt geblieben, Minister-Abberufungen oder -Ernennungen vor einer Bestätigung der neuen Minderheitsregierung durch das Parlament vorzunehmen.

Birchall hatte mit ihrem Standpunkt, dass Rumänien den Empfehlungen der Venedig-Kommission und der Staatengruppe gegen Korruption des Europarates (GRECO) bezüglich der umstrittenen Sonderstaatsanwaltschaft für Justizstrafsachen (SIIJ) nachkommen und letztere auflösen müsse, bei zahlreichen Hardlinern ihrer Partei angeeckt; die Regierungschefin gab schließlich deren Drängen nach und beantragte Birchalls Entlassung. Sie wünsche sich „nach wie vor einen Juristen“ an der Spitze des Justizressorts, sagte Dăncilă  am Mittwochabend, ohne dabei potenzielle Anwärter beim Namen zu nennen.

EU will Arbeitsbedingungen von Lkw-Fahrern verbessern

Rumänien aktuelle Nachrichten - Fr, 09/20/2019 - 04:20

Straßburg/Bukarest (ADZ) - In einer Sondersitzung des Ausschuss für Verkehr und Tourismus des EU-Parlaments wurde am Donnerstag beschlossen, an den bisherigen Abänderungsvorschlägen bei Regulierungen für Fernfahrer festzuhalten. Über deren Annahme muss nun die EU-Kommission entscheiden. Die neuen Regeln sollen zur Verbesserung der sozialen Bedingungen der Kraftfahrer sowie zur allgemeinen Straßenverkehrssicherheit beitragen. Diese beinhalten mitunter neue Mindestanforderungen in Bezug auf die maximalen täglichen und wöchentlichen Lenkzeiten, Mindestfahrtunterbrechungen sowie tägliche und wöchentliche Ruhezeiten. 

Hintergrund ist der vor allem aus westeuropäischen Ländern oft vorgebrachte Vorwurf von Sozialdumping durch die Logistikkonzerne, welche gemeinsam mit den EU-Regierungen aus Osteuropa dem Westen in dieser Angelegenheit Protektionismus vorwerfen. Fraglich ist, ob die getroffenen Maßnahmen wirklich zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen der oftmals osteuropäischen Lkw-Fahrer beitragen. Bisher versagten die westlichen EU-Staaten bei der Durchsetzung geltender Normen, auch wegen mangelnder Kontrollen.

Ex-Leitung der Polizeiakademie wegen Erpressung unter Anklage

Rumänien aktuelle Nachrichten - Fr, 09/20/2019 - 04:10

Bukarest (ADZ) - Am Mittwoch hat die Antikorruptionsstaatsanwaltschaft DNA in dem Fall um die gegen die Investigativjournalistin Emilia Șercan gerichteten Todesdrohungen den ehemaligen Rektor und Prorektor der hauptstädtischen Polizeiakademie „Alexandru Ioan Cuza“, Adrian Iacob und Petrică-Mihail Marcoci, unter Anklage gestellt. Laut Pressemitteilung der DNA wird den beiden Beamten Anstiftung zur Erpressung zur Last gelegt.

Konkret sollen Iacob und Marcoci den Polizisten Gheorghe Adrian Bărbulescu dazu veranlasst haben, Șercan Todesdrohungen zu schicken, um diese dazu zu bewegen, Recherchen betreffend mutmaßlicher Plagiatsfälle innerhalb der Polizeiakademie einzustellen. Ebenfalls sollen die beiden Beamten Bărbulescu Schutz vor strafrechtlichen Folgen versprochen haben. Șercan hatte am 17. April dieses Jahres bekannt gegeben, Todesdrohungen erhalten zu haben.
Bezüglich Bărbulescu hat die DNA eine Prozesstrennung beantragt, da dieser geständig ist.

Heute ist Welttag der gynäkologischen Onkologie

Rumänien aktuelle Nachrichten - Fr, 09/20/2019 - 04:00

Bukarest (ADZ) - Etwa 8000 neue Fälle von Unterleibskrebs werden in Rumänien jedes Jahr diagnostiziert. Davon entfallen 2470 auf Gebärmutterkrebs, 3308 auf Gebärmutterhalskrebs, 1840 auf Eierstockkrebs – ein „stummer Killer“, weil meist erst im Spätstadium diagnostiziert –, 331 auf Vulva- und 50 auf Vaginalkrebs. Dies teilt die Vereinigung ANAIS auf Basis des Globocan-Datensystems mit, das Statistiken für 36 Krebsarten in 185 Ländern führt. Bei Gebärmutterhalskrebs liegt Rumänien von 40 Ländern in Europa auf Platz 7 (Daten für  2018) hinter Lettland, Bosnien-Herzegowina, Estland, der Republik Moldau, Bulgarien und Serbien. Im Vergleich: Bei Brustkrebs, der häufigsten gynäkologischen Krebsart, liegt Rumänien auf Platz 35. 

Zum Anlass des Welttags der gynäkologischen Onkologie, der dieses Jahr erstmals am 20. September begangen wird, soll das Thema Unterleibskrebs mehr Aufmerksamkeit erhalten. 2018 wurden weltweit 1,3 Millionen Frauen mit gynäkologischen Krebsarten diagnostiziert, 468.000 Frauen starben daran.
 

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