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Jetzt nehmen uns die Muslime auch noch das Schwimmbad weg

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Mo, 12/10/2018 - 21:45

Die Sache ist eigentlich schon dämlich genug: Ein Vater, der mit seiner zweijährigen Tochter regelmäßig einen Mutter-Kind-Treff besucht, wird gebeten, nicht zum Schwimmausflug mitzukommen. Die Kursleiterin spricht ihm vorher auf die Mailbox:

„Ich wollte dir Bescheid geben: Wir sind ja am Mittwoch alles Frauen. Und es sind auch muslimische Frauen dabei. Deswegen wäre es gut, wenn deine Frau kommen würde. Du kannst dann leider nicht kommen. (…) Ich hoffe auf dein Verständnis!“

Wie gesagt: dämlich genug. Sogar so dämlich, dass die für den Mutter-Kind-Treff zuständige Bremer Sozialbehörde gegenüber „Bild“, wo auch das Transkript der Mailboxaufnahme erschienen ist, sagt:

„Wir wollen mehr Väter in den Eltern-Kind-Gruppen. Wir wollen auch, dass Väter häufiger in die Elternzeit gehen. Sie sollen natürlich mit muslimischen Eltern gemeinsam am Kinderschwimmen teilnehmen. Was dort praktiziert wurde, ist grundsätzlich nicht die Linie unseres Hauses.“

Also: Eine falsche Reaktion einer Mitarbeiterin, mit der der Sprecher der Sozialbehörde über diesen Fehler reden wolle. Soll alles so nicht wieder vorkommen.

In der Bremen-Ausgabe der „Bild“-Zeitung hyperventilieren sie diesen einmaligen Fehler einer Person zu einem generellen Schwimmverbot für Vater und Tochter, „weil Muslime im Bad sind“:


(Alle Unkenntlichmachungen durch uns.)

„Jetzt darf Papa mit der Tochter hier nicht mehr schwimmen“ ist schlicht falsch. Natürlich — und zum Glück — kann niemand Tim F. verbieten, mit seiner Tochter in das Bremer Schwimmbad zu gehen, ob nun Muslime dort im Becken sind oder nicht. „Weil Muslime im Bad sind“ ist mindestens heftig verbogen. Dass Tim F. am fraglichen Tag nicht am Schwimmausflug teilnehmen sollte, bezog sich nicht darauf, dass allgemein auch Muslime im Schwimmbad waren, sondern speziell auf die Zusammensetzung der Mutter-Kind-Gruppe. Das macht den Fehler der Kursleiterin und die Angelegenheit für Vater und Tochter nicht besser, aber die „Bild“-Dachzeile falscher.

Bei Bild.de ist vor der Paywall nur Folgendes lesbar:

Die Antwort der Bremer Sozialbehörde und all die anderen Relativierungen können hingegen nur zahlende Kunden lesen.

Die Aufregung, die die „Bild“-Medien erzeugen, findet selbstverständlich Widerhall in den Sozialen Netzwerken: Muslime, die Personen mit deutschen Vornamen vermeintlich das Schwimmen unmöglich machen — da springen „AfD Rosenheim Kreisverband“, „Anno 1273 Oberlungwitzer Patrioten“, „Völker dieser Welt erheben sich !!“, „AfD – Kreisverband Rottweil/Tuttlingen“ und ähnliche Kandidaten gerne auf.

Und auch auf der Facebookseite von „Bild“ ist ordentlich was los. Der Post zum Artikel wurde über 5200 Mal geliket, mehr als 1200 Mal geteilt und knapp 1600 Mal kommentiert. Dass Dachzeile und Überschrift bei Bild.de sowie die Überschrift, die auf der „Bild“-Facebookseite angezeigt wird („Muslimische Frauen wollen ihn nicht: Vater darf mit Tochter (2) nicht mehr zum Schwimmen“), für ziemliche Verwirrung sorgen, wem nun was alles scheinbar von welcher Gruppe verboten werde, hat offenbar auch die „Bild“-Redaktion gemerkt. Sie kommentiert selbst:

Mit Dank an Ingmar D. und Christian M. für die Hinweise!

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Obdachlos im Medienzirkus, Witzbildmaler Ruthe, Migrationspakt

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Mo, 12/10/2018 - 08:54

1. Nicht ohne meinen Vater: Wie ein Obdachloser im Medienzirkus untergeht
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Vor einem Jahr machte das „Twitter-Märchen“ vom Sohn die Runde, der seinen obdachlosen Vater via Netzwerk suchte … und fand. Die emotionale Geschichte sorgte für große Aufmerksamkeit: Der Account @deinTherapeut wurde „meist genannter deutscher Twitter-Nutzer“ im Jahr 2018. Nächstes Jahr soll die Geschichte als Buch bei einem großen Publikumsverlag erscheinen. Eine Geschichte, zu der es schon jetzt einige kritische Fragen gibt.
Weiterer Lesehinweis: Darf der das? (faz.net, Sebastian Eder). „Mit einer Geschichte über seinen Vater wurde @deinTherapeut zum meistgenannten deutschen Twitter-Account 2018. Doch Kritiker werfen ihm „grobe Fahrlässigkeit“ im Umgang mit psychisch beeinträchtigten Jugendlichen vor. Was sagt er dazu?“

2. Wie wir arbeiten
(deutschlandfunk.de, Ann-Kathrin Büüsker, Audio, 27:09 Minuten)
Seit über einem Jahr gibt es den (empfehlenswerten) „Deutschlandfunk“-Podcast „Der Tag“. In einer Sonderausgabe spricht Ann-Kathrin Büüsker mit ihren Kollegen über die tägliche redaktionelle Arbeit, das Moderatorenprinzip, die Kunst, kontroverse Interviews zu führen, und erklärt, warum es keine perfekte Sendung gibt.

3. Ich äußere mich nicht politisch, sondern menschlich
(viertausendhertz.de, Christian Möller, Audio, 82:09 Minuten)
Ralph Ruthe ist nicht nur für seine Cartoons, sondern auch für seine klare Haltung bekannt. „Viertausendhertz“-Podcaster Christian Möller hat sich mit Witzbildmaler Ruthe zum Spaziergang durch Bielefeld verabredet.

4. Alberne Panikattacken
(spiegel.de, Thomas Fischer)
„Spiegel Online“-Kolumnist und Ex-BGH-Richter Thomas Fischer kommentiert die Debatte um den Migrationspakt: „Warum so furchtsam? Was soll die absurde Behauptung, man unterzeichne einen „Pakt“, der gar nichts bedeutet und keinerlei Folgen haben kann? Der Pakt ist, nach meiner Ansicht, im Grundsatz vollkommen in Ordnung; er beeinträchtigt staatliche Souveränität nicht, formuliert aber gemeinsame Ziele; und selbstverständlich wird erwartet, dass sich die Vereinbarungsparteien daran halten, auch wenn das nicht erzwungen werden kann. Warum fürchtet man sich davor, das klar zu sagen?“

5. Ex-Bild-Chef Kai Diekmann im Gespräch – #118
(falter.at, Florian Klenk, Audio, 62:59 Minuten)
Beim Europäischen Mediengipfel Ende November haben sich Ex-„Bild“-Chef Kai Diekmann und „Falter“-Chefredakteur Florian Klenk zum Branchentalk getroffen. Nun gibt es das Gespräch zum Nachhören. Es geht um Medienwelt und Medienwandel, Donald Trump und Fake News, die verkaufte „Hörzu“ und Diekmanns angebliche Penisverlängerung.

6. Clickbait-Knüppel aus dem Sack! Wie Medien ein harmloses Knecht-Ruprecht-Zitat ausnutzen
(meedia.de)
Grünen-Politikerin Josefine Paul findet, wie viele andere auch, dass die angstbesetzte Figur des Knecht Ruprecht nicht mehr in das heutige Bild der Kindererziehung passe. Das wurde in einigen Medien und von der AfD sofort mit überdrehten Überschriften sinnentstellend und klickträchtig verarbeitet und zur Skandalmeldung hochgejazzt.

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Nazi-Schufa, Relevanzkriterien, Rechte „Alternativmedien“ wachsen

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Fr, 12/07/2018 - 08:54

1. Das Zentrum für politische Schönheit spielt Nazi-Schufa
(t3n.de, Enno Park)
Die Website „SOKO Chemnitz“ des Zentrums für politische Schönheit (ZPS) löste eine heftige Kontroverse aus. Nun wird behauptet, bei dem Online-Pranger habe es sich um einen „Honeypot“ gehandelt, um an die Daten von Neonazis zu gelangen. Enno Park hat begründete Zweifel: „Wahrscheinlicher ist beim derzeitigen Stand aber, dass die ganze Aktion ein Fake war, nicht nur der ursprüngliche „Online-Pranger“, sondern auch das darauffolgende Statement, das Ganze sei nur ein Honeypot gewesen. Das würde bedeuten, dass das ZPS nicht nur Rechtsradikale verarscht hat, sondern alle. Man könnte das dann noch als subversive Guerilla-Aktion feiern, wenn es nicht so große Schäden hinterließe — etwa weil Antifaschisten dabei zusehen müssen, wie ihre Arbeit durch solcherlei „Aktionskunst“ diskreditiert wird, ohne dass sie viel dagegen tun könnten. Oder weil Rechtsradikale einmal mehr Gelegenheit bekommen, sich als Opfer aufzuspielen.“

2. Eine Frage der Relevanz
(taz.de, Aron Boks)
Als in Sankt Augustin eine 17-Jährige ermordet wurde, berichtete vielen Medien ausführlich darüber. Eine entscheidende Rolle spielte dabei die Nationalität des mutmaßlichen Täters. Aron Boks fragt: „Welche Relevanzkriterien sind erfüllt, die die umfangreiche Berichterstattung rechtfertigen? Bei Straftaten wie in Sankt Augustin in der Regel keine. Deswegen hört und liest man so selten von ihnen in der überregio­nalen Presse, obwohl Gewalt, Mord und Totschlag täglich in Deutschland passieren.“

3. So wollen Giovanni di Lorenzo und Jochen Wegner die Zeit digitaler machen
(horizont.net, Roland Pimpl)
Die „Zeit“ strukturiert um. „Horizont“ hat mit den beiden Chefredakteuren Giovanni di Lorenzo und Jochen Wegner über deren neue Zuständigkeiten, neue Ressorts und das Zusammenspiel von Print und Online gesprochen. Eine Enttäuschung für Bahnfahrer, die im Zug mit dem großen Format der Zeitung kämpfen müssen: Die von vielen unterstützte Umstellung auf das kleinere Tabloid-Format wird es nicht geben. Zu groß war die Sorge vor höheren Produktionskosten und möglichen negativen Auswirkungen auf das Anzeigengeschäft.

4. „Journalisten sind schützenswert“
(deutschlandfunk.de, Henning Hübert)
Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) klagt in einer Resolution die zunehmende Gewalt gegen Journalistinnen und Journalisten an und fordert besseren Polizeischutz. Es gebe eine „massive Zunahme von persönlichen Anfeindungen, ehrverletzenden Beschimpfungen und auch körperlichen Angriffen auf Bildberichterstatter und Reporter der Agentur insbesondere in Ostdeutschland, aber auch in Regionen Westdeutschlands“.

5. Crowdfunding nach europäischem Vorbild soll auch in den USA den Journalismus retten
(medienwoche.ch, Adrian Lobe)
Noch vor den crowdgefundeten Journalismus-Projekten wie „Kautreporter“ oder „Republik“ gab es in den Niederlanden „De Correspondent“. Dort plant man nun die Expansion: Aus der niederländischen Website soll in den USA im nächsten Jahr „The Correspondent“ werden. Adrian Lobe wirft einen Blick auf den amerikanischen Medien-Markt und schätzt die Aussichten des ehrgeizigen Projekts ein.

6. Facebook-Medien-Report, Teil 4: „Alternativ-“ und Verschwörungsmedien leiden nicht unter Facebooks Algorithmus-Änderungen
(meedia.de, Jens Schröder)
Der „Facebook-Medien-Report“ von „Meedia“ zeigt, dass die meisten deutschsprachigen Medienseiten seit Facebooks Algorithmus-Änderung massiv an Likes und Shares verloren haben. Dies gilt jedoch nicht für die rechten bis rechtsextremen „Alternativmedien“, die stabil blieben oder ein rasantes Wachstum aufweisen.

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„Bunte“, was hast du bloß aus diesem Mann gemacht?

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Do, 12/06/2018 - 16:20

Heute hat Marius Müller-Westernhagen Geburtstag. 70 Jahre alt wird er, und die „Bunte“-Redaktion gratuliert dem Musiker in ihrer aktuellen Ausgabe ganz herzl …

Nee.

Heute hat Marius Müller-Westernhagen Geburtstag. 70 Jahre alt wird er, und die „Bunte“-Redaktion schreibt den Musiker in ihrer aktuellen Ausgabe halb tot:

„Rätselhaftes Killerbakterium“ … „KAMPF der Ärzte um sein Leben“ … New York „brachte Marius Müller-Westernhagen immer Glück“ … „seine zweite Frau, die Sängerin Lindiwe Suttle, 39, wurde in New York geboren“ … als er neulich „wieder einmal nach New York reiste (…) endete der Aufenthalt fatal“ … „Marius Müller-Westernhagen hatte sich lebensbedrohliche Bakterien eingefangen“ … „erfährt BUNTE exklusiv“ … „Es sei nicht klar gewesen, ob der Sänger je wieder vollständig genesen würde“. Und so weiter.

Zum Text der stellvertretenden „Bunte“-Chefin Tanja May hatte Marius Müller-Westernhagen noch was zu sagen. Bei Facebook schrieb er gestern:

Mit Dank an Jonas W. für den Hinweis!

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„Bild“ am Rande des Merzinfarkts

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Do, 12/06/2018 - 13:23

Morgen wird darüber abgestimmt, wen die CDU als neuen Vorsitzenden oder neue Vorsitzende haben will. Wen die „Bild“-Zeitung als neuen CDU-Vorsitzenden haben will, steht längst fest.

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In den vergangenen Jahren war es bei „Bild“ ziemlich ruhig geworden um Friedrich Merz. Hin und wieder packte die Redaktion nochmal die Steuererklärung-auf-einem-Bierdeckel-Sache aus oder entdeckte Merz „schlank und braun gebrannt“ am Rande irgendeiner Veranstaltung, sonst aber trat der CDU-Mann in der „Bild“-Zeitung kaum in Erscheinung.

Bis vor ein paar Wochen. Am 29. Oktober, keine halbe Stunde nach den ersten Gerüchten zu Angela Merkels Rückzug als Parteichefin, meldete „Bild“ exklusiv:

„Bild“ hatte es — vor allen anderen — „aus dem Umfeld von Friedrich Merz“ erfahren.

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In der Print-Ausgabe stellte „Bild“ am nächsten Tag die Runde der potentiellen Nachfolger vor. An erster Stelle: Friedrich Merz.

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Am nächsten Tag: der Kandidaten-Check. Oder eher: die Verteilung der Labels. Jens Spahn? Der Homosexuelle. Annegret Kramp-Karrenbauer? Die mit dem Doppelnamen. Friedrich Merz? Der Millionär.

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Am nächsten Tag: Titelseite.

Und im Innenteil, nahezu James-Bond-haft:

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Am nächsten Tag:

Auf der gleichen Seite widmete die Redaktion dem Mozart-Messias noch zwei weitere Schlagzeilen (Jens Spahn bekam immerhin eine):

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Am nächsten Tag: noch ein Kandidaten-Check.

Fazit zu Kramp-Karrenbauer?

Konservatives Familienbild und hartes Durchgreifen, Recht und Ordnung bei Migranten. AKK will keine „Mini-Merkel“ sein!

Fazit zu Spahn?

Geförderte auch gefordert werden, Spahn will wirtschaftsliberale Politik, Leitkultur, Recht und Ordnung. Wie Merz ist Spahn der Anti-Merkel.

Fazit zu Merz?

Klare Kante, klare Worte, eigene Meinung! Merz war und ist DER Gegenentwurf zu Kanzlerin Angela Merkel.

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Am nächsten Tag:


Außerdem eine Umfrage. „Wen würden die Deutschen zum CDU-Chef wählen?“ Tada:

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Zwei Tage später:

Antwort: Doch, hätte es wohl, aber fragen kann man ja mal.

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In der nächsten „Bild am Sonntag“:

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Am nächsten Tag:

Selbst die Klatsch-Seite schenkte ihm ein paar Zeilen:

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Zwei Tage später:





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Und damit war sie entfacht, die …

Doch „Bild“ erklärte die Debatte kurzerhand zu einer „Neiddebatte“, und „Bild“-Kommentatoren forderten:

Wir sollten Friedrich Merz nicht daran messen, was er verdient, sondern daran, ob er die Sorgen und Nöte der Menschen hören und verstehen kann! Das ist es, was wirklich zählt.

Und damit war sie dann schon wieder beendet, die „große Debatte um Millionär Merz“.

Außerdem: So abgehoben ist der ja gar nicht!

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Und so stellte „Bild“ weiter die naheliegenden Fragen:

Ergebnis des Experten: „Den größten Respekt hätten die mächtigsten Machos der Welt vermutlich vor Friedrich Merz.“

***

Wenig später sprachen die drei Kandidaten Kramp-Karrenbauer, Merz und Spahn auf einer Veranstaltung in Baden-Württemberg. Schlagzeile?

***

Kurz darauf veröffentlichte „Bild am Sonntag“ eine große Übersicht, auf der aufgelistet wurde, für welchen Kandidaten die 1001 CDU-Delegierten stimmen wollen. Deutlicher Favorit der Befragten: Friedrich Merz.

Noch am selben Tag erklärten einige der Delegierten, sie hätten überhaupt nicht mit „Bild am Sonntag“ gesprochen.

***

Doch die „Bild“-Medien sind in diesen Wochen nicht nur bemüht, die vermeintliche Popularität, die angeblichen Vorzüge und Stärken ihres Wunschkandidaten hervorzuheben, sondern auch seine möglichen Schwachpunkte zu entkräften.

Als Merz etwa mit einer Lobbyisten-Firma in Verbindung gebracht wurde, die für Saudi-Arabien arbeitet, veröffentlichte „Bild am Sonntag“ sogleich ein Statement, in dem Merz beteuerte, er habe „keinerlei Kontakte nach Saudi-Arabien“ und auch „keine Gespräche angebahnt oder anbahnen lassen.“

Auch was die Firma BlackRock angeht („Bild“: die „größte Investmentfirma der Welt!“), für die Merz als Aufsichtsratsvorsitzender und Lobbyist tätig ist, versicherte „Bild“ immer wieder, dass da natürlich alles mit rechten Dingen zugehe:

Der ehemalige Unions-Fraktionschef FRIEDRICH MERZ (62) arbeitet für eine renommierte Kanzlei und ist Cheflobbyist des deutschen Ablegers von „BlackRock“. Anders als oft behauptet, ist „BlackRock“ kein Unternehmen, das SPD-Legende Müntefering „Heuschrecke“ nennen würde. Sein klassisches Geschäftsmodel ist also nicht, Unternehmen zu kaufen, zu zerschlagen und mit Gewinn weiterzuverkaufen. Die größte Investmentfirma der Welt hält aber eine beträchtliche Anzahl von Aktien an Dax-Konzernen.

(„Bild“, 31.10.2018)

„BlackRock ist eine Vermögensverwaltung“

Merz weiß um das (falsche) Image seines bisherigen Arbeitgebers BlackRock als „Finanzhai“ und „Heuschrecke“. Menschen vertrauen dem größten Vermögensverwalter der Welt ihr Geld an; es ist kein aggressiver Fonds. Trotzdem: Diese Flanke wird noch öfter attackiert werden.

(„Bild“, 1.11.2018)

Und selbst wenn bei dem Unternehmen was verdächtig ist, heißt das ja nicht, dass auch bei Merz was verdächtig ist:


(„Bild“-Titelseite, 8.11.2018)

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Gestern dann, auf Seite 2 der Bundesausgabe:

***

Und heute, einen Tag vor der Abstimmung beim CDU-Bundesparteitag in Hamburg:

(Merz natürlich mit Heiligenschein, die anderen ohne.)

***

Und was haben die „Bild“-Medien davon, dass sie sich so für Friedrich Merz ins Zeug legen?

Merz klickt sich gut, das beobachtet man in der Redaktion. Und wenn sich ein Thema gut klickt, dann wird nachgelegt.

schrieb die „taz“ vor ein paar Tagen. Doch für „Bild“ geht es nicht nur um Klicks oder um Auflage, es geht um viel mehr: Wenn Merz morgen gewinnt, steht er in der Schuld von „Bild“. Dann kann der Chef der „Bild“-Zeitung jederzeit zum Chef der CDU sagen: „Ohne uns wärst du nicht da, wo du bist. Wir haben was gut bei dir.“ Kein besonders beruhigender Gedanke.

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Strunzdummes Frühstücksfernsehen, Plattmacher, Tils Wurzelbehandlung

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Do, 12/06/2018 - 08:54

1. Zöpfe, Lederhosen, Stasi-Ossis: Bei Sat.1 wird im Duett desinformiert
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Beim vom berühmt-berüchtigten Claus Strunz geleiteten Sat.1-„Frühstücksfernsehen“ ging es um die zum Skandal hochgejazzte Kita-Broschüre der Amadeu Antonio Stiftung. Stefan Niggemeier hat die „sechseinhalb Minuten Idiotie und Desinformation“ fachgerecht seziert und kommt zum Schluss: „Sat.1 kämpft mit Verleumdungen gegen Pädagogen, die sich Gedanken machen, wie sie Kinder vor Menschenfeindlichkeit und rechtsextremer Ideologie schützen können. Und ist auch noch stolz darauf.“

2. Tagesspiegel gewinnt gegen BfV
(taz.de)
Ein „Tagesspiegel“-Redakteur verlangte vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) Auskünfte zu den Treffen des ehemaligen Verfassungsschutz-Chefs Maaßen mit AfD-Politikern. Nachdem das Amt ihm diese Auskünfte verweigerte, wandte sich der Journalist an das Verwaltungsgericht Köln und — bekam Recht. Das Bundesamt müsse seine Fragen beantworten.

3. Die Portfolio-Bereinigung
(kontextwochenzeitung.de, Josef-Otto Freudenreich)
Die Zeitungskrise ist eine Zeit für Schnäppchenjäger und Krisengewinnler. Josef-Otto Freudenreich berichtet über den Stuttgarter Medienkonzern SWMH, der systematisch kleinere Verlage aufkaufe und sie Stück für Stück „plattmache“. Verlierer seien die Medienvielfalt und die Beschäftigten.

4. Faktencheck: Die Macht der Lüge
(ndr.de, Sabine Schaper, Video, 5:10 Minuten)
„Zapp“ hat zwei prominente Faktenchecker besucht: Den „Faktenfinder“ der ARD, Patrick Gensing, und „Buzzfeed News“-Redakteur Karsten Schmehl. Beide bekommen viel Zuspruch, werden aber auch stark angefeindet.

5. Der üblichste Verdächtige
(zeit.de, Frida Thurm)
„Zeit“-Kolumnistin Frida Thurm denkt über die Berichterstattung im Fall der getöteten 17-Jährigen in Sankt Augustin nach. Es sei grundsätzlich richtig, über Flüchtlingskriminalität zu berichten, es gebe jedoch ein Problem: „Wenn wir Medien über Kriminalität durch Flüchtlinge berichten, weil die gesellschaftlich diskutiert wird, trägt das dazu bei, dass sie noch stärker wahrgenommen und diskutiert wird, was wiederum ihre Relevanz erhöht und damit die Wahrscheinlichkeit, dass wir mehr darüber berichten werden. Ein Effekt, der sich selbst verstärkt. Wir erzeugen den Wind, von dem wir uns dann getrieben fühlen.“ Der mutmaßliche Täter ist übrigens gar kein Flüchtling.

6. „So lustig wie eine Wurzelbehandlung ohne Betäubung“
(sueddeutsche.de)
Til Schweiger hat ein englischsprachiges Remake seines Erfolgsfilms „Honig im Kopf“ in die US-Kinos gebracht und die dortigen Medien überschlagen sich vor … nun ja … Reaktionen. Beispiel gefällig? Hier ein „Observer“-Zitat: „Es gibt keinen überzeugenden Moment in diesem Fiasko. Am Ende hat die Hauptfigur ihren Verstand völlig verloren. Gut möglich, dass die Zuschauer sich genauso fühlen.“

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Woher kam der Mega-Hype um Sturm-Juwel Super-Fiete?

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Mi, 12/05/2018 - 17:49


(„Bild“, gestern)

Ja, Mensch, wer macht denn sowas?


(„Bild“, 05.11.2017)

Der Junge ist rich­tig gut. Zu gut für den HSV? Ham­burgs Sturm-Ju­wel Fiete Arp (17) dreht bei der U17-WM in In­di­en auf.

(„Bild“, 17.10.2017)

Jann-Fiete Arp heißt der Stürmer, mit dessen Talent Hamburg seit vielen Jahren niemand Vergleichbaren mehr gesehen hat. Experten sagen ihm eine ganz große Karriere voraus.

(„Bild“, 06.11.2017)

HSV-Idol über Sturm-Juwel – Hrubesch adelt Arp: „Fiete wird ganz oben ankommen

(„Sport Bild“, 02.01.2018)

Ein Bubi als Hoffnungstäger – Nur Trainer Gisdol lässt sich nicht vom Arp-Hype anstecken

(„Sport Bild“, 18.11.2017)


(„Bild“, 17.05.2017)

Noch in dieser Woche soll geklärt werden, ob HSV-Sturmjuwel Fiete Arp (18) zu den Bayern wechselt.

(„Bild“, 18.7.2018)

Nach seinem spektakulären Einstand im Herbst 2017 mit zwei Toren in den ersten drei Spielen entwickelte sich ein Mega-Hype um das HSV-Eigengewächs

(„Bild“, 27.2.2018)


(„Sport Bild“, 19.10.2017)

Wende beim größten HSV-Juwel!

(„Bild“, 20.7.2018)

18-jähriges Supertalent – Für den HSV: Arp verzichtete auf 8,5 Mio.

(„Sport Bild“, 23.8.2018)


(„Sport Bild“, 12.05.2017)

Für das HSV-Sturmjuwel ist die Partie eine ganz besondere.

(„Bild“, 13.8.2018)

Verliert der HSV nach dem Abstieg sein größtes Juwel an Bayern München?

(„Bild“, 8.3.2018)


(„Bild“, 4.11.2017)

Warum das HSV-Juwel Chelsea absagt

(„Bild“, 2.8.2017)

Hamburgs Sturm-Juwel wird seinen bis 2019 laufenden Kontrakt beim HSV nicht verlängern.

(„Bild“, 17.5.2018)


(„Bild“, 2.5.2018)

Mit Dank an @WarnenUndMahnen für den Hinweis!

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„Mit ‚Bild am Sonntag‘ habe ich nie gesprochen“

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Mi, 12/05/2018 - 15:07

Matthias Hauer hatte da noch eine Frage:

Hauer ist einer der 1001 Delegierten, die beim CDU-Bundesparteitag am kommenden Freitag in Hamburg über die Nachfolge von Angela Merkel an der Parteispitze entscheiden dürfen. In einer langen Auflistung auf 16 Seiten hat „Bild am Sonntag“ diese vielen Delegierten abgebildet, mit Namen, Alter, Funktion/Position, Kreisverband und dem Namen des Kandidaten/der Kandidatin, der/die die jeweilige Stimme beim Parteitag bekommen soll: Jens Spahn, Friedrich Merz oder Annegret Kramp-Karrenbauer.

Bei Matthias Hauer sah das so aus:

Nur: Hauer will gar nicht für Merz stimmen — der frühere CDU/CSU-Fraktionschef stehe bei ihm „klar auf Platz 3.“ Im Interview mit „Vice“ sagt Hauer:

Ich hatte im Vorfeld diverse Anrufe und E-Mails von Mitarbeitern der Bild am Sonntag bekommen, die mein Votum beim Parteitag abfragen wollten. Ich wollte mich dazu nicht äußern und habe es auch nicht getan.

Trotzdem hat „Bild am Sonntag“ einfach „Merz“ unter Hauers Foto geschrieben (wofür „BamS“-Chefredakteurin Marion Horn um Entschuldigung bat).

Und Hauer ist bei weitem nicht der einzige Delegierte, bei dem das in „BamS“ angegebene angebliche Votum falsch ist. Allein im Kreisverband von Matthias Hauer soll die Redaktion zwei weitere Fehler gemacht haben. Ebenfalls im „Vice“-Interview sagt der Bundestagsabgeordnete:

Ich kann natürlich nicht für 1.001 Delegierte sprechen, aber zumindest für mein Umfeld. Und bei drei von vier Delegierten der CDU Essen ist die Angabe des beabsichtigten Wahlverhaltens falsch.

Und es geht noch weiter. Die Delegierte Susanne Wetterich soll laut „Bild am Sonntag“ zwischen Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz schwanken:

Bei Twitter sagt Susanne Wetterich:

Arnd Hilwig wolle für Kramp-Karrenbauer stimmen, so „Bild am Sonntag“:

Bei Twitter schreibt er, dass er a) Kreisvorsitzender sei (und nicht „Kreisvorsitzende“) und b) gar nicht geantwortet habe:

Thomas Jarzombek sei laut „BamS“ noch „unentschlossen“:

Tatsächlich habe er der Redaktion aber gesagt, dass er nicht mitmachen wolle bei der Umfrage:

Bernd Schulte wolle für Friedrich Merz stimmen, heißt es in „Bild am Sonntag“:

Das sei nicht falsch, so Schulte bei Twitter. Allerdings sei er nie in der Sache kontaktiert worden:

Anna Stelten sei „unentschlossen“, wen sie wählen wolle, so „Bild am Sonntag“:

In der „Rheinischen Post“ stand allerdings bereits am Samstag, Stelten wolle für Annegret Kramp-Karrenbauer stimmen. Auf unsere Anfrage sagte Anna Stelten: „Mit ‚Bild am Sonntag‘ habe ich nie gesprochen.“

Olaf Lehne wolle seine Stimme Jens Spahn geben, steht in „BamS“:

Ebenfalls in der „Rheinischen Post“ stand bereits am Samstag, Lehne werde für Freidrich Merz stimmen. Das Büro von Olaf Lehne antwortete uns auf Nachfrage, dass der Landtagsabgeordnete nie mit „Bild am Sonntag“ gesprochen habe. Das, was in der „Rheinischen Post“ steht, stimme.

Matthias Grahl werde für Friedrich Merz stimmen, behauptet „BamS“:

In der „Leipziger Volkszeitung“ steht hingegen, dass Grahl sich noch nicht festgelegt habe. Das sei auch richtig so, sagt uns Grahl auf Nachfrage. Mit „Bild am Sonntag“ habe er nie geredet.

Thomas Feist werde laut „Bild am Sonntag“ ebenfalls für Friedrich Merz stimmen:

Der „Leipziger Volkszeitung“ sagte Feist allerdings: „Bis Mittwoch Nachmittag läuft noch unsere Mitgliederbefragung, dann sehen wir weiter.“ Daher sei er bisher „unentschlossen“.

Das sind allein die Delegierten, die sich selbst öffentlich zur „BamS“-Sammelwut geäußert haben, oder bei denen wir bei Stichproben Differenzen zu Aussagen in anderen Medien entdecken konnten. Es dürfte noch einige weitere solcher Fälle geben.

Wie schlampig „Bild am Sonntag“ gearbeitet hat, kann man auch bei den kleineren Fehlern sehen: Es wurden Kreisverbände genannt, die es gar nicht gibt, ein Stadtrat wurde zum „Stadtrad“, beim Delegierten Ulrich Lange aus Paderborn verwendete die Redaktion ein Foto des CSU-Politikers Ulrich Lange und so weiter.

(Davon abgesehen kann man die Aktion der „BamS“ auch aus anderen Gründen kritisieren: Es handelt sich um einen extrem hohen Aufwand mit überschaubarem Ergebnis — gerade mal 272 der 1001 Delegierten haben überhaupt eine Präferenz für Spahn, Merz oder Kramp-Karrenbauer genannt (dazu zählen auch jene, die sagen, dass sie nie mit „Bild am Sonntag“ geredet haben, siehe oben). Unter dem Großteil der Fotos steht also „keine Antwort“ oder „keine Angabe“. Samira El Ouassil schreibt drüben bei „Übermedien“ (derzeit nur mit Abo lesbar) ausführlicher über den Aspekt. Bezeichnend auch, wie die „BamS“-Leute sich als Kämpfer gegen böse Widerstände gerieren: „DIE GEHEIME LISTE DER CDU-DELEGIERTEN – Sie entscheiden, wer auf Merkel folgt! Aber die Bundes-CDU will nicht, dass SIE wissen, wer diese Menschen sind. BamS hat sie gesucht und angerufen“. Dass die CDU die Liste mit den 1001 Delegierten nicht einfach an die Redaktion rausgegeben hat, hat vor allem mit dem Datenschutz und Gesetzten zu tun und nichts mit Geheimhaltung oder Verschleierung.)

Für den stellvertretenden „BamS“-Chefredakteur Christian Lindner ist dieses ganze Durcheinander jedenfalls nichts Geringeres als

Ja, „ein Bekenntnis“ ist das allemal — eines zu unsauberen Methoden und schlechter Recherche.

Dazu auch:

Mit Dank an @dramhappert, @DerFalkeBlog und Daniel P. für die Hinweise!

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Bedingungsloser Grundirrtum, Klima, Brüste nur noch mit Baby dran

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Mi, 12/05/2018 - 08:54

1. Rheinau? Rheingau? Schnurzegau!
(tagesanzeiger.ch, Marius Huber)
Als der „Spiegel“ über eine missglückte Initiative zum bedingungslosen Grundeinkommen in einem Schweizer Dorf berichtet, greift er gleich zweimal daneben: Die Redaktion bebildert nicht nur falsch, sondern benennt auch falsch. Dies sorgt nun für allerlei Spott aus der Schweiz.

2. Presserat sieht in Verwendung von Civey-Umfragen keinen Verstoß gegen den Pressekodex
(stefan-fries.com)
Im Netz gibt es ein Überangebot an Umfragen, auch befeuert durch die inflationär eingesetzten und oft sehr flach ansetzenden Fragen von Civey, die unter vielen Beiträgen von Nachrichtenseiten erscheinen. Klassische Meinungsforscher halten die Methoden der Online-Umfrageinstitute für unseriös und gefährlich (siehe dazu auch: Methodenstreit der Meinungsforschung: Was ist repräsentativ? (deutschlandfunk.de, Stefan Fries)).
Nun haben Forsa, Infas und die Forschungsgruppe Wahlen eine Beschwerde beim Presserat angestrengt, sich aber eine Abfuhr eingehandelt.

3. Floskel des Monats: freiwillige Ausreise
(journalist-magazin.de)
Floskel des Monats beim Medienmagazin „journalist“ ist die von der „freiwilligen Ausreise“. Aus der Begründung: „Kaum einer hinterfragt, was an der freiwilligen Ausreise denn freiwillig sein soll, wenn abgelehnte Asylbewerber ihrer Abschiebung zuvorkommen und Deutschland verlassen.“

4. 10 Fakten zum Klimawandel, die wirklich stimmen
(zeit.de, Michael Lindner & Antonia Schuster)
Aufklärung zum Thema Klimawandel hat seine Tücken: Je öfter Klimaforscher auf Klima-Mythen eingehen, desto mehr verfestigen sie sich in den Köpfen und desto mehr merken sich Leute Falschinformationen. In einem Gastbeitrag zweier Klimawandel-Experten gibt es deshalb „10 Fakten zum Klimawandel, die wirklich stimmen“.

5. Brüste nur noch mit Baby dran
(faz.net, Andrea Diener)
Ab dem 17. Dezember soll auf der Mikroblogging-Plattform tumblr keine Pornographie mehr zu sehen sein. Der Hintergrund: Apple hatte die tumblr-App aus dem App-Store geschmissen, da kinderpornografische Darstellungen durch den Filter gerutscht seien. Dies sorgt nun für einen Umbau der Plattform in Richtung „familienfreundlich“. Sexuell explizite Inhalte soll es nur noch in Textform geben dürfen.

6. Ein Siebenjähriger ist der am besten verdienende Youtube-Star
(haz.de)
Die Top Ten der Youtube-Großverdiener wird von einem Siebenjährigen angeführt, der dort Spielzeug testet. Der Kanal „Ryan ToysReview“ soll aufgrund seiner Youtube-Werbeeinnahmen und anderer Einkünfte auf Einnahmen von jährlich 22 Millionen US-Dollar kommen.

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Merz-lich Willkommen, das ist der pure Spahn-Sinn

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Di, 12/04/2018 - 17:39

Wenn Friedrich Merz etwas loswerden will, wenn er die Öffentlichkeit sucht, eine Plattform braucht, dann weiß er, an wen er sich wenden muss.

Sein erstes TV-Interview gibt er im Livestream von Bild-TV. Als er auf öffentlichen Druck hin schließlich offenlegen muss, wie viel Geld er verdient, tut er es in der Bild am Sonntag, dem Schwesterblatt der Bild.

Und „Bild“ kuschelt zurück:

Mehrere Autoren der Zeitung verteidigen [Merz] und seine Verflechtungen in die Wirtschaft, seine Millionen, warnen vor einer „Neid-Debatte“. Der Leiter des Bild-Parlamentsbüros, der für die CDU zuständige Redakteur Ralf Schuler, meint via Twitter, die Merz-Kritiker wollten einen „Normenkontrollrat für korrektes Leben“ einführen. Kommentare, die sich kritisch mit Merz’ Aufsichtsratsmandaten und seiner Tätigkeit für den weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock auseinandersetzen, findet man kaum, sieht man von ein paar Beiträgen in einer Leser­umfrage ab. Und das, obwohl es in der Bild-Redaktion durchaus Leute gibt, die Merz und seine Beziehungen in die Finanzbranche kritisch sehen.

Die „taz“-Autoren Anne Fromm und Martin Kaul, von denen diese Sätze stammen, haben in den vergangenen Wochen viele Gespräche geführt, „innerhalb und außerhalb der Axel-Springer-Zentrale“, mit „Redakteurinnen und Redakteuren von Bild, BamS und Welt, Politikern, Beratern, Chefredakteuren und Verlagschef Mathias Döpfner“ — um das Verhältnis von „Bild“ und Merz zu beleuchten, aber auch das grundsätzliche Verhältnis von „Bild“ und Politik, die Beziehungen zwischen „Bild“-Redakteuren zu Politikern und deren Sprechern (die nicht selten selbst mal bei „Bild“ waren). Was sie dabei erlebt haben, kann man jetzt nachlesen:

Soko Chemnitz, Schal mit schalem Beigeschmack, Non Paper

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Di, 12/04/2018 - 08:54

1. Provokation gelungen: #SokoChemnitz nimmt Ermittlungen auf
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Markus Reuter beschäftigt sich mit der neuesten Aktion des Künstler- und Politkollektivs „Zentrum für politische Schönheit“, dem Online-Pranger auf soko-chemnitz.de. Reuter kommentiert: „Wer sich heute das laue mediale Lüftchen anschaut, das die Hannibal-Enthüllungen auslösten — und den Sturm der Entrüstung, der auf diese grenzwertige und umstrittene Kunstaktion folgt, der sieht eben auch gesellschaftliche Konfliktlinien und Defizite. Diese sichtbar zu machen, ist dann wieder Kunst, auch wenn es wehtut und möglicherweise justiziabel ist.“

2. Alles für den guten Zweck?
(taz.de, Anne Fromm)
Käuferinnen und Käufer des „Spendenschals“ der „Brigitte“, glauben, dass sie damit in allererster Linie syrische Kinder unterstützen. Die größten Profiteure des Charityverkaufs könnten jedoch die „Brigitte“ selbst und ein an der Aktion beteiligtes Unternehmen sein. Anne Fromm hat für die „taz“ den Taschenrechner angeworfen, die Materialpreise addiert und ist auf merkwürdige Kalkulationsdifferenzen gestoßen. Auffällig sei zudem, dass seit einiger Zeit nur noch die Rede davon ist, dass alle Beteiligten die Aktion unterstützten. Das bei früheren Schalverkäufen verwendete Wort „unentgeltlich“ sei unauffällig eliminiert worden.

3. Wie ein virtueller Mitarbeiter die t-online.de-Redaktion unterstützt
(t-online.de, Björn Schumacher)
t-online.de hat sich einen Bot programmieren lassen, der die Redaktion bei ihrer täglichen Arbeit unterstützt. „Buddy“, so der Name des virtuellen Kollegen, klinkt sich in die Chat-Software Slack ein und informiert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dort über Seitenaufrufe, meldet Rechtschreibfehler und Floskeln und schlägt Alarm, wenn besonders viele Leser aus einem Artikel abspringen.

4. Non Paper: Dokumente, die offiziell nicht existieren
(investigativ.welt.de, Manuel Bewarder)
In der Politik existieren Geisterpapiere, die zwar von Beamten in Ministerien geschrieben werden, aber offiziell nicht existieren. Derartige „Non Papers“ kommen ohne Stempel, Unterschrift oder Aktenzeichen aus, was bedeutet, dass sie nicht zugeordnet werden können, und sich niemand für sie rechtfertigen muss. Manuel Bewarder vom Investigativressort der „Welt“ erklärt, was es damit auf sich hat.

5. Für Leugner ist kein Platz mehr
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz & Michael Borgers, Audio, 5:15 Minuten)
Muss man für eine ausgewogene Berichterstattung über den Klimawandel auch Klimawandelleugner einbeziehen? Bei der BBC gibt es dazu eine interne Richtlinie, die vor einem „falschen Gleichgewicht“ warnt. Doch wie verfahren die deutschen Medien? Der „Deutschlandfunk“ hat mit dem Wissenschaftsjournalisten Christopher Schrader über das Thema gesprochen.
Weiterer Lesehinweis: Neutralität mit Nebenwirkungen (riffreporter.de, Christopher Schrader): „Wer in der Debatte über die Klimakrise partout keinem Lager angehören will, gerät womöglich gerade damit auf eine Seite.“

6. Warum der Influencer-Hype bald vorbei sein könnte
(spiegel.de, Florian Gontek)
Ist der Hype um die Influencer bald vorbei? Nun, es könnte zumindest schwerer für sie werden, wie eine Studie der Werbeagentur Werbeagentur Jung von Matt/Sports besagt. Der Markt stoße an seine Grenzen, ein Verdrängungswettbewerb setze ein. Facebook spiele für Personen- und Influencer-Marketing kaum noch eine Rolle. Außerdem gebe es ein Glaubwürdigkeitsproblem. „Die Follower und vor allem die Unternehmen lassen sich immer seltener für dumm verkaufen“, so der Jung-von-Matt-Werber Toan Nguyen.

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Bei Schumi nichts Neues

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Mo, 12/03/2018 - 19:17

„Wissen Sie, gerade wenn man krank ist, braucht man die Geborgenheit der Familie und Schutz vor Öffentlichem“, sagt Erzbischof Georg Gänswein. Darum würde er „niemals etwas Privates, Vertrauliches“ von seinem Besuch bei Michael Schumacher erzählen.

Außer natürlich, die „Bunte“ ruft an.

Oder die „Bild“-Zeitung.

Nun ist es eine Sache, solche Details — von denen die Redaktionen genau wissen, dass Schumachers Familie nicht möchte, dass sie an die Öffentlichkeit gelangen — sofort auf der Titelseite zu drucken. Oft rechtfertigen Medien solche Veröffentlichungen damit, dass Schumacher ja eine öffentliche Person sei, und die Öffentlichkeit somit ein Recht habe zu erfahren, wie es ihm geht.

Bloß liefern die Details in diesem Fall gar keine Antwort auf diese Frage. Denn Gänsweins Besuch fand, wie man sowohl bei der „Bunten“ als auch bei „Bild“ erst beim Blick in den Innenteil erfährt, nicht vor ein paar Tagen statt oder vor ein paar Wochen, sondern vor zweieinhalb Jahren.

Die Details, die der Erzbischof verrät, sind also nicht nur nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, sie sind nicht mal aktuell.

Und trotzdem springen alle auf:

Viele Medien deuten die Aussagen Gänsweins nun als Zeichen der „Hoffnung“. „Jetzt gibt es Worte, die Hoffnung machen“, schreibt etwa „DerWesten“. Die „Bunte“ selbst schreibt:

Nach dem, was er BUNTE erzählt hat, geht es Michael Schumacher aber deutlich besser, als viele glauben.

Wenn man einem Journalisten, der fragt, wie das Wetter in München ist, antwortet: „Also vor zweieinhalb Jahren schien die Sonne“, wird er einen nur blöd angucken. Wenn es um Michael Schumacher geht, gelten andere Regeln.

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Radfahren in Berlin, Bedrohte Stiftung, Erfundene Guillotine

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Mo, 12/03/2018 - 08:54

1. So gefährlich werden Radfahrer in Berlin überholt
(tagesspiegel.de)
Der Berliner „Tagesspiegel“ hat ein spektakuläres und in vielfacher Hinsicht äußerst bemerkenswertes Stück Datenjournalismus abgeliefert: Mittels ausgegebener Abstandssensoren hat die Redaktion erfasst, wie nah sich Rad- und Autofahrer auf Berlins Straßen wirklich kommen. Die Ergebnisse sind besorgniserregend und erklären, warum es auf Berlins Straßen teilweise so aggressiv zugeht. Alle Ergebnisse des Versuchs samt interaktiver Grafiken, Umfragen und Interviews gibt es auf der besuchenswerten und preisverdächtig gut aufbereiteten Seite radmesser.de.
Weiterer Lesehinweis: Auf Facebook erzählt „Tagesspiegel“-Redakteur Hendrik Lehmann vom Zustandekommen des Projekts, an dem so viele Menschen über einen langen Zeitraum mitgewirkt haben.

2. „In Österreich geht es verrohter zu“
(sueddeutsche.de, Oliver Das Gupta)
Die Wiener Grünen-Politikerin Sigi Maurer hat sich öffentlich gegen obszöne und beleidigende Verbalattacken gewehrt und ist dafür vom Gericht verurteilt worden (noch nicht rechtskräftig). Im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ erklärt Maurer, wieso sie im Internet belästigten Frauen davon abrät, Täter offen anzuprangern, warum eine Klarnamenpflicht nicht die Lösung sei und was man als Opfer dennoch tun könne.

3. Massive Drohungen gegen Stiftung
(faktenfinder.tagesschau.de, Wolfgang Wichmann)
Verschiedene Boulevardmedien wie „Bild“ und „B.Z.“ prangerten eine Kita-Informationsbroschüre der Amadeu Antonio Stiftung als „Schnüffel-Fibel“ an („Übermedien“ berichtete). Nun sieht sich die Stiftung massiven Drohungen und Hassbotschaften ausgesetzt und musste die Polizei einschalten.

4. Pressedistribution: Deutsche Post plant starke Preiserhöhung für niedrige Gewichtsklassen
(dnv-online.net, Wolfgang Rakel)
Die Deutsche Post plant deutliche Preiserhöhungen für den Versand wenig wiegender Postvertriebsstücke. Davon stark betroffen sind Zeitungen wie die „junge Welt“, die aufgrund der erhöhten Portokosten ihre Existenz bedroht sieht.

5. Die erfundene Guillotine der „Gelbwesten“
(faz.net, Michaela Wiegel)
In der Auseinandersetzung zwischen „Gelbwesten“ und französischer Regierung bleibt auch die Wahrheit auf der Strecke. Das liegt daran, dass der Streit nicht nur auf der Straße, sondern auch in den sozialen Medien ausgetragen wird. Nicht immer mit fairen Mitteln, wie ein als Fotomontage entlarvtes Bild einer Guillotine beweist. Journalisten, die über die Demonstrationen berichten wollen, werden teilweise beschimpft und angegriffen, was auf unangenehme Art an die deutschen „Pegida“-Umzüge erinnert. Aber auch die französische Regierung nimmt es nicht so genau mit der Wahrheit.

6. Zusammenarbeit von Familienministerium und Inlandsgeheimdienst: Wir klagen für Transparenz
(fragdenstaat.de, Arne Semsrott)
Das Familienministerium lässt Demokratieprojekte vom Inlandsgeheimdienst auf ihre Demokratietauglichkeit überprüfen, ohne dass diese davon erfahren. Ein juristisches Gutachten habe ergeben, dass diese Überprüfung rechtswidrig sei, das Familienministerium habe seine Praxis jedoch fortgesetzt. Nun wehren sich die Informationsfreiheits-Kämpfer von „Frag den Staat“ mit einer Klage vor dem Verwaltungsgericht.

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Falsche Vergewaltigungsvorwürfe? Für „Bild“ kein Grund zur Korrektur

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Fr, 11/30/2018 - 16:29

So sieht es aus, wenn die „Bild“-Zeitung über eine angebliche Vergewaltigung eines Afghanen in der Hamburger Innenstadt berichtet:

So sieht es aus, wenn die „Bild“-Zeitung berichtet, dass die Hamburger Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen den Afghanen eingestellt hat:

Wir haben jetzt eine Woche gewartet und uns die „Bild“-Ausgaben in dieser Zeit besonders genau angeschaut. Weder in der Bundesausgabe noch in der Hamburg-Ausgabe konnten wir einen Artikel zum Ende der Ermittlungen, zum unglaubwürdigen vermeintlichen Opfer, zu den Widersprüchen, in die sich die 14-Jährige verstrickte, finden. Nicht mal eine kleine, versteckte Meldung. Nichts.

Wir hatten bei „Bild“-Chef Julian Reichelt nachgefragt, ob man mit einer Richtigstellung rechnen könne. Er hat nicht geantwortet. Wir hatten auch bei „Bild“-Pressesprecher Christian Senft nachgefragt, ob die Redaktion noch eine Richtigstellung veröffentlichen werde. Auch er hat nicht geantwortet.

In und von „Bild“ bisher also nichts. Bei Bild.de erschien am vergangenen Freitag ein neuer Beitrag zum Fall:

Gerade mal vier Sätze ist der Artikel lang. Natürlich haben die Mitarbeiter von Bild.de ihn nicht so wirksam auf ihrer Startseite platziert wie die ursprüngliche Berichterstattung zu der vermeintlichen Vergewaltigung. Und mit keinem Wort erwähnen sie, dass sie selbst auf die Unschuldsvermutung gepfiffen und Mansor S. im August als „TÄTER“ schuldig gesprochen hatte:

Der Schuldspruch der Redaktion ist nach wie vor unverändert online:

Als sich die 14-Jährige entfernte, folgte er ihr, verwickelte sie immer wieder in Gespräche — und zog sie dann im Bereich von „Saturn“ an der Mönckebergstraße in einen Hauseingang.

Obwohl sich das Mädchen heftig wehrte, vergewaltigte der Mann es!

Es interessiert die Bild.de-Redaktion offenbar nicht besonders, was für ein falscher Mist auf ihrer Seite steht.

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Leiter-Lüge, Schnüffel-Fibel-Lüge, Palmer-Bashing-Lüge

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Fr, 11/30/2018 - 08:54

1. „Es gibt keine Leiter“
(taz.de, Irina Angerer)
Anlässlich der Online-Kampagne „#unten“ hinterfragt Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch die Denkweise, die hinter den Begriffen „oben“ und „unten“ steht: „Es ist eine komplexe Situation in einer gesellschaftlichen Struktur. Und es schwingt natürlich mit, dass die Leute die „oben“ sind, schon etwas dafür getan haben, um oben zu sein. So als ob sie einen Berg erklommen hätten und eine Leistung erbracht hätten. Und diese Metaphorik sollte man immer bedenken.“

2. Die Lüge von der „Schnüffel-Fibel“
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Gibt es tatsächlich eine staatlich geförderte „Schnüffel-Fibel“, die erklärt, dass man an Zopf und Kleid beim Mädchen ein völkisches Elternhaus erkennt? „Bild“ und „B.Z.“ behaupten das jedenfalls und AfD-Seiten, ein Redakteur der „Neuen Zürcher Zeitung“ und Leute wie die Rechts-Influencerin Erika Steinbach springen sofort mit auf den Zug. Stefan Niggemeier räumt mit dem Unsinn auf.


3. Florian Klenk: Fake? Fakt? Was darf man glauben?
(youtube.com, Video, 1:08 Stunden)
Wie hat sich der Journalismus und die politische Kommunikation in den letzten 25 Jahren verändert? Wer manipuliert uns? Wer informiert uns? Und wieso sind die Rechten so erfolgreich im Netz? Florian Klenk ist nicht nur Chefredakteur des österreichischen Wochenblatts „Falter“, sondern auch ein unterhaltsamer Erzähler wie er bei der Generalversammlung des Sozialdemokratischen Lehrervereins Oberösterreich (SLÖ) beweist. In seinem Vortrag vor den versammelten Pädagogen Oberösterreichs geht es um „Fake News, Freunderlwirtschaft und Demokratie“.

4. „Tagblatt“-Chefredakteur Gernot Stegert über die Vorwürfe des Palmer-Bashings
(tagblatt.de, Gernot Stegert)
Das „Schwäbische Tagblatt“ hat sich in den letzten Tagen mit dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer und dessen öffentlich ausgetragenem Streit mit einem Studenten beschäftigt und sieht sich nun vereinzelten Vorwürfen des „Palmer-Bashings“ ausgesetzt. Chefredakteur Gernot Stegert bezieht dazu Stellung und bietet den Leserinnen und Lesern Austausch und Diskussion an. (Höflicherweise erwähnt er nicht, dass das wirksamste Palmer-Bashing immer noch von Palmer selbst vollzogen wird.)

5. Wie berichtet man vom Krieg, Frau Ramsauer?
(derstandard.de, Olivera Stajic)
Petra Ramsauer arbeitet seit fast zwanzig Jahren als Krisenberichterstatterin. In den vergangenen Jahren war sie unter anderem in Afghanistan, im Irak, in Tschad, Mauretanien und der Elfenbeinküste. Im Gespräch mit dem „Standard“ geht es um ihre Antrieb, Haltung und Objektivität. Letztere hält sie übrigens für „Blödsinn“. Ihr Job sei es nicht zu schreiben, „der sagt, es ist blau, und der sagt, das ist grün. Mein Job ist es hinzufahren und zu schauen, ist es jetzt blau oder grün.“

6. Die beschränkte Weltsicht von Journalisten
(deutschlandfunk.de, Matthias Dell, Audio, 4 Minuten)
Im preisgekrönten Dokumentarfilm „Aggregat“ von Regisseurin von Marie Wilke werden Aufnahmen der letzten Jahre zusammenmontiert, in denen es unter anderem um die Themen Migration und Rechtspopulismus geht. (Lesenswert dazu die Rezension von Severin Weiland auf spiegel.de) Matthias Dell erzählt in seiner Deutschlandfunk-Kolumne: „Meine liebste Stelle in dem Film ist die über ein Kamerateam vom ZDF, das den SPD-Bundestagsabgeordneten Karamba Diaby portraitieren will – weil man daran sehen kann, wie beschränkt Journalisten mitunter auf die Welt schauen, ohne es zu merken.“

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„Seid ihr einfach nur bescheuert oder habt keinen Anstand?“

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Do, 11/29/2018 - 21:59

Skirennläufer Thomas Dreßen gewann im Januar die prestigereiche Hahnenkammabfahrt auf der Streif in Kitzbühel, und plötzlich interessierten sich Redaktionen für ihn, die seinen Namen bis dahin gar nicht kannten.

In der „Stuttgarter Zeitung“ erzählt Dreßen von einer Erfahrung, die er in dieser Zeit mit dem Boulevard gemacht hat:

Nach Kitzbühel nahm ein deutsches Boulevardblatt seinen Sieg zum Anlass, die Seilbahntragödie, bei der sein Vater 2005 in Sölden ums Leben kam, noch einmal haarklein darzustellen — mit sehr viel Text und noch mehr Bildern. „Die haben wieder alles ausgegraben. Da habe ich mich gefragt: ‚Seid ihr einfach nur bescheuert oder habt keinen Anstand?'“

„Ein deutsches Boulevardblatt“. Welches das sein könnte? Am 20. Januar dieses Jahres, also an dem Tag, als Dreßen auf der Streif siegte, erschien bei Bild.de ein Beitrag mit dieser Überschrift:

Auf einen Link verzichten wir. Denn in dem Artikel erzählt die „Bild“-Redaktion von der Seilbahntragödie in Sölden, bei der auch Dreßens Vater starb, „mit sehr viel Text und noch mehr Bildern“.

Der „Stuttgarter Zeitung“ sagte Thomas Dreßen mit Blick auf das „deutsche Boulevardblatt“ noch:

„Die können zahlen, was sie wollen, die bekommen mein Lebtag kein Interview von mir.“

Mit Dank an Thomas für den Hinweis!

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Mafia-Berichterstattung, Sprache der Politik, Hass-„Partnerprogramm“

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Do, 11/29/2018 - 08:54

1. Unter Verdacht – Gericht verbietet MDR-Ausstrahlung
(ndr.de, Timo Robben)
Wer zum Thema organisierte Kriminalität und Mafia recherchiert, hat zu den normalen Schwierigkeiten noch eine weitere, juristische: Die Beweislage muss für eine Verdachtsberichterstattung ausreichen, und das ist oft Auslegungssache. Das mussten gerade zwei MDR-Journalisten auf schmerzliche Weise erfahren, deren Film „Paten in Deutschland — die armenische Mafia und Diebe im Gesetz“ aus eben diesen juristischen Gründen nicht ausgestrahlt werden konnte.

Siehe dazu auch den „Zapp“-Beitrag: „Recherche über Mafia schwierig“, in dem der MDR-Journalist Ludwig Kendzia die Schwierigkeiten bei der Mafia-Berichterstattung erklärt. (ndr.de, Video, 14:02 Minuten).

2. Russlands linke Offensive
(faktenfinder.tagesschau.de, Patrick Gensing & Silvia Stöber)
Von Berlin aus operieren Onlinemedien mit politischen Inhalten, berichten über „das ausbeuterische globale System“, das die Menschheit „versklavt und unseren Planeten zerstört“, und rufen die Menschen dazu auf, „ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen“. Finanziert werden die durchaus erfolgreichen Seiten aus Russland. Der ARD-„Faktenfinder“ hat sich auf Spurensuche begeben.

3. Rechte Verlage zahlten wohl Geld an Betreiber von Hetzseiten
(sueddeutsche.de, Katja Riedel & Sebastian Pittelkow)
Mario R. betrieb Hassportale im Netz und steht wegen unerlaubten Waffenhandels vor Gericht. Nun hat sich herausgestellt, dass Hintermänner des Kopp Verlags und des rechten Magazins „Compact“ ihm offenbar mehr als 100.000 Euro überwiesen haben und zwar im Rahmen eines „Partnerprogramms“.

4. Die Sprache der Politik
(wdr.de, Achim Schmitz-Forte, Audio, 27:44 Minuten)
Der Grünen-Politiker Robert Habeck war bei der WDR-„Redezeit“ zu Besuch und hat dort erzählt, dass gute Politik vor allem eine Frage der richtigen Sprache sei: „Wie in der Politik etwas gesagt wird, entscheidet, was in der Politik gedacht und was gemacht wird“.
Weiterer Lesehinweis zum Thema Sprache: Welche Strategien verwenden die Rechten mit ihrer Sprache? Zur Rhetorik der AfD: Der rechte Redner befiehlt, die Zuhörer folgen (fr.de, Heinrich Detering).

5. „Zehn Morde. Sind ihnen völlig egal“
(spiegel.de, Arno Frank)
Die Journalistin Annette Ramelsberger hat volle fünf Jahre den NSU-Prozess begleitet. In einem Gemeinschaftsprojekt mit drei weiteren Journalistinnen und Journalisten entstand das 2000-seitige Werk „Der NSU-Prozess. Das Protokoll“. Im Interview erzählt Rammelsberger von den Merkwürdigkeiten des Prozesses, ihren schwersten Momenten aber auch über den bewegenden Moment, als es stehenden Applaus für die Aussage einer Frau mit iranischen Eltern gab. Diese habe sich trotz eines Bombenanschlags nicht unterkriegen lassen und arbeite mittlerweile als Chirurgin an einer Kölner Klinik.

6. Regulierung von Social Media und Suchmaschinen
(reporter-ohne-grenzen.de)
Reporter ohne Grenzen (ROG) hat einen Bericht mit Empfehlungen für die öffentliche Kontrolle von Diensten wie Facebook, Google und Twitter veröffentlicht. Der Bericht geht davon aus, dass diese Dienste heute keine rein privaten Unternehmen mehr seien, sondern essenzieller Bestandteil moderner Öffentlichkeit, und daher in besonderer Weise kontrolliert werden müssten. Er richte sich an die Bundesregierung und Vertreter des Bundestages und sei diesen bereits zugestellt worden. Wer sich dazu weiter einlesen will: Es gibt eine Kurzfassung (PDF) wie auch den vollständigen Bericht (PDF).
Weiterer Lesehinweis: Der große Facebook-Medien-Report: So extrem schaden die Algorithmus-Änderungen deutschen Medien-Seiten (meedia.de, Jens Schröder).

„Also ich würde euch anzünden“

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Mi, 11/28/2018 - 15:05

Es ist noch gar nicht so lange her, da hat „Bild“-Feigenblatt „Bild“-Ombudsmann Ernst Elitz uns alle beruhigt:

Werden Migranten einer Gewalttat verdächtigt, reagieren Leser auf die Facebook-Beiträge von BILD im Sekundentakt. Viele testen dabei die Grenzen des Rechts auf freie Meinungsäußerung aus. Mich erreichen Mails mit der Frage: Was tut BILD, um dabei den Hass „einzudämmen“ und nicht noch zu „schüren“? (…)

Die Redaktion greift bei unangemessenen Äußerungen ein, stellt Fake News richtig und sperrt Hetzer, die andere „an den Eiern aufhängen“ oder Flüchtlinge „wieder im Mittelmeer aussetzen“ wollen, mit einem Klick auf die Löschtaste aus.

So, so.

Heute hat die „Bild“-Redaktion diesen Beitrag auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht:

Bis jetzt über 1900 Likes, mehr als 2700 Mal geteilt, knapp 600 Kommentare. Darunter der von „Bild“-Leserin Doris, die meint, die „Kameltreiber“ sollten „alle erstmal kastriert werden“, „bevor sie die Grenze übertreten dürfen“:

Und auch „Bild“-Leserin Maria plädiert für die „Zwangskastration“:

„Bild“-Leserin Dorett ist für die Todesstrafe:

… genauso wie „Bild“-Leser Kai:

„Bild“-Leser Timo findet, dass man solche Fälle nicht dem Staat überlassen sollte, und würde lieber zur Selbstjustiz greifen:

„Bild“-Leser Max sieht das auch so:

Von „Bild“-Leserin Claudi gibt es die üblichen Beleidigungen:

„Bild“-Leser Joe wünscht sich einen „Österreicher“ herbei — wen er damit wohl meint?

Und „Bild“-Leser Alex wendet sich direkt an Adolf Hitler:

Die „Löschtaste“, mit der die „Bild“-Redaktion laut Ombudsmann Elitz den Hass eindämmt, scheint derzeit zu klemmen.

Mit Dank an @bild_fb_watch für den Hinweis!

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Brutale Spätfolgen, Berühmtes Hochhaus, Verbraucherjournalismus

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Mi, 11/28/2018 - 08:54

1. „Jede Minute, die Facebook verzögern kann, ist extrem viel Wert“
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz, Audio, 5:44)
Das britische Parlament hat interne Mails und andere Dokumente von Facebook beschlagnahmen lassen, die aus einem kalifornischen Gerichtsprozess stammen. Der „Deutschlandfunk“ hat sich mit dem Ökonomen und Publizisten Hannes Grassegger über den Fall unterhalten. Grassegger kritisiert Facebooks Umgang mit Skandalen und Kritikern: „Da hat sich Facebook Taktiken angeeignet, die wir eigentlich nur aus dem total rechten Spektrum kennen“.

2. Schweizer Medien spüren die brutalen Spätfolgen der «goldenen Jahre»
(medienwoche.ch, Karl Lüönd)
Karl Lüönd blickt in einem längeren Lesestück auf die letzten Jahrzehnte der Schweizer Medien zurück, die in der Vergangenheit regelrecht im Geld geschwommen seien. Die schmerzhaften Restrukturierungen, wie sie nun bei den Unternehmen Tamedia oder CH Media stattfinden, seien auch die Spätfolgen des sorglosen Umgangs mit finanziellen und personellen Ressourcen der Vergangenheit. „An Wettbewerb war der typische Schweizer Verleger nicht gewöhnt. Die meisten verwalteten ihre Fürstentümer und passten auf, dass kein Fremder eindrang.“ Einige seiner Feststellungen weisen Parallelen zur Entwicklung der deutschen Medienlandschaft auf.

3. Das Springer-Hochhaus
(mediathek.rbb-online.de, Video, 43 Minuten)
In den frühen 60er-Jahren entstand im Berliner Stadtteil Kreuzberg das 19-geschossige und 78 Meter hohe Axel-Springer-Hochhaus. In einer rbb-Doku wird die Geschichte des berühmten Hauses mit Hilfe von historischen Aufnahmen und Zeitzeugenberichten nachgezeichnet.

4. 80 Journalistinnen haben BuzzFeed News in einer Umfrage von Belästigungen bei der Arbeit berichtet
(buzzfeed.com, Pascale Mueller)
In einer nicht-repräsentativen Umfrage von „BuzzFeed News Deutschland“ haben über 80 deutsche Journalistinnen und Medienmacherinnen angegeben, während ihrer Arbeit schon einmal sexuell belästigt worden zu sein. Pascale Mueller fasst die Ergebnisse der Umfrage zusammen und lässt einige der Betroffenen zu Wort kommen.

5. Verbraucherjournalismus: Basis für mündige Entscheidungen
(netzwerkrecherche.org, Renate Daum & Lena Sington & Christine Throl & Franziska Senkel)
Auf der Fachtagung „Wissen ist Macht“ bei der Stiftung Warentest haben sich rund 100 Journalisten und Wissenschaftler zusammengefunden, um über Verbraucherjournalismus zu reden. Die Erkenntnisse aus dieser Veranstaltung sind in einem Bericht nachlesbar. Schon der Untertitel weist auf mögliche Schwierigkeiten dieser Form des Journalismus hin: „Verbraucherjournalismus zwischen Lebenshilfe und PR-Geflüster“.

6. „1 Thema, 2 Farben“
(twitter.com/BR_quer)
Der FDP-Politiker Christian Lindner bewirbt sich und seinen Podcast mit den Worten: „der erste Politiker mit eigenem Podcast“. Die Redaktion von „quer“ (BR) hat dazu eine Anmerkung.

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„Implant Files“-Recherche, BAMF-Nichtskandal, „Anti-Fa“-Duschgel

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Di, 11/27/2018 - 08:54

1. So lief die Recherche
(sueddeutsche.de, Katrin Langhans & Frederik Obermaier)
Hinter dem etwas sperrig wirkenden Begriff „Implant Files“ steckt ein internationales Rechercheprojekt, bei dem es um unzureichend geprüfte Implantate und fehlerhafte Medizinprodukte geht. Katrin Langhans und Frederik Obermaier erzählen, wie es zu dem Projekt kam, warum die Informationen daraus so wichtig sind, wie die Behörden auf die Vorwürfe reagiert haben, und was man als Betroffener machen kann.
Weiterer Lesehinweis: Georg Mascolo leitet den Rechercheverbund von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“. Im Gespräch mit dem „Deutschlandfunk“ erläutert er, warum internationale Kooperationen und gemeinsame Recherchen sinnvoll sind: „Wir haben festgestellt, dass es bestimmte globale Missstände gibt, wo es Sinn hat, eben auch einen globalen Journalismus entgegenzusetzen“.

2. Distanzierung von der Distanzierung
(djv.de, Hendrik Zörner)
Bei der „FAZ“ erschien am Wochenende online ein Beitrag über das Saudi-Arabien-Lobbying der Berliner PR-Agentur WMP EuroCom AG, der sich auf die vorhergehende Berichterstattung der „Bild am Sonntag“ berief. Wenige Zeit später löschte die „FAZ“ den Artikel und veröffentlichte einen aktualisierten Bericht. Ein Verwirrspiel, bei dem auch die „BamS“-Chefin und (indirekt) Friedrich Merz vorkommen und bei dem man sich, wie Hendrik Zörner vom Deutschen Journalisten-Verband ausführt, ein paar erläuternde Worte gewünscht hätte.

3. Der Skandal, der keiner war: Mit diesem Erlass nahm die BAMF-Affäre ihren Anfang
(fragdenstaat.de, Arne Semsrott)
Im Frühjahr erschütterte ein vermeintlicher Skandal die Republik: Die Bremer Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wurde von Medien und der eigenen Revisionsabteilung beschuldigt, ab 2015 tausendfach falsche Asylbescheide ausgestellt zu haben und dies auch noch in Verfahren, für die sie mehrheitlich nicht zuständig gewesen sei. Mit ihren Vorwürfen handelten die Medien wie auch die interne Revision äußerst fahrlässig, wie Arne Semsrott berichtet. Das schlecht ausgestattete Revisions-Referat des BAMF habe offenbar nicht den Erlass der eigenen Behörde gekannt, nach der die Bremer Außenstelle tatsächlich für die Fälle zuständig war.

4. „Stille Orbánisierung“
(taz.de, Markus Nowak)
Markus Nowak berichtet in der „taz“ über die zunehmend bedrohte Pressefreiheit in Litauen. Vor allem der öffentlich-rechtliche Sender LRT sehe sich durch das litauische Parlament in seiner Freiheit bedroht. Noch liegt Litauen in der Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 36 von 180 Ländern. Das kann sich jedoch 2019 ändern, wenn in dem baltischen Land neben EU-Parlament und Kommunalwahlen auch ein neues Staatsoberhaupt bestimmt wird.

5. Sorgenkind Fairness
(spiegelkritik.de)
Wenn einem Onlinemedium gerichtlich eine Gegendarstellung auferlegt wird, drängte es sich geradezu auf, den Originalbeitrag im Onlinearchiv um diese Gegendarstellung zu ergänzen. Doch damit tun sich manche Medien schwer, wie „Spiegelkritik“ am Beispiel von „Spiegel Online“ erklärt. Das Portal habe sich dazu nach neun Jahren erneut an den „Spiegel“ gewandt, aber keine Antwort bekommen und fragt nun: „Unfähigkeit oder Trotz?“

6. So geht es weiter mit dem „Anti-Fa“-Duschgel
(horizont.net, Ingo Rentz)
In einer frechen Werbekampagne preist der FC St. Pauli sein „Anti-Fa“-Duschgel („Die wilde Frische auf der Straße“) an. Das hat die Firma Henkel auf den Plan gerufen, die sich um ihre Marke Fa sorgt. Nun hat man sich friedlich geeinigt: Das Produkt werde in den Filialen der Drogeriekette Budni „nur sehr eingeschränkt vermarktet“, den Verkauf über die eigene Website darf der Fußballklub jedoch uneingeschränkt fortführen.

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