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Deutschland . aktuelle News & Infos

„Das Parlament“ im Neuland, Leon Stusslock, Politiker als Kolumnisten

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Mi, 07/10/2019 - 08:54

1. Ins Neuland
(sueddeutsche.de, Julian Erbersdobler)
Die politische Wochenzeitung „Das Parlament“ gibt es bereits seit den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts. Bis zum Jahr 2000 wurde sie von der Bundeszentrale für Politische Bildung herausgegeben, danach vom Deutschen Bundestag. Julian Erbersdobler hat den Chefredakteur im Jakob-Kaiser-Haus besucht, dem größten Parlamentsgebäude in Berlin. Wie geht es weiter mit der Zeitung? Und wie will man ein junges Publikum erreichen?

2. Wir haben Leon-Lovelock-Videos mit einem Verschwörungstheorie-Experten geschaut
(vice.com, Johann Voigt)
Der Youtuber Leon Lovelock (378.000 Abonnenten) unterhält sich auf seinem Kanal gerne mit Rappern und rutscht dabei oft in Verschwörungstheorien ab. „Vice“ hat mit dem Philosophen und Experten für Verschwörungstheorien Jan Skudlarek über die aus seiner Sicht demokratiefeindlichen Filmchen gesprochen: „Es ist empirisch bewiesen, dass Menschen, die mit solchen Verschwörungstheorien konfrontiert werden, weniger bereit dazu sind, wählen zu gehen. Wenn du bei Leon Lovelock als Jugendlicher in vielen Videos erzählt bekommst, dass „die da oben“ eh machen, was sie wollen, ist das aus moralischer Sicht problematisch. Gerade weil Jungwähler beeinflusst werden. Diejenigen also, die man am meisten für die Demokratie begeistern sollte.“

3. Donald Trump hat kein Recht, Twitter-Nutzer zu blockieren
(spiegel.de)
Ein amerikanisches Berufungsgericht hat bestätigt, dass Regierungsbeamte auf Twitter niemanden wegen seiner politischen Ansichten blockieren dürfen. Auch nicht Regierungsbeamte wie der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

4. Alexa birgt laut Gutachten Risiken für Kinder
(zeit.de)
Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags warnt vor Amazons digitaler Sprachassistentin „Alexa“. Das Gerät sei für Kinder nicht geeignet, weil diese persönliche Informationen preisgeben oder für Minderjährige nicht geeignete Inhalte abrufen könnten. Auch der Umgang mit den erhobenen Daten sei problematisch.

5. Ungute Mischung
(taz.de, Anne Fromm)
Anne Fromm kritisiert Zeitungen dafür, dass sie Politikern wie Friedrich Merz (CDU) und Sigmar Gabriel (SPD) Kolumnen geben. Damit würden die Redaktionen ihre Glaubwürdigkeit verspielen: „In einer Zeit, in der sich „die da oben“ als Chiffre für das angebliche Geklüngel von Medien und Politik etabliert hat, ist das kurzsichtig.“

6. Boris Johnson: Der ehemalige Journalist als Meister der Medienmanipulation
(medienwoche.ch, Peter Stäuber)
Peter Stäuber erklärt das Medienphänomen Boris Johnson und beschreibt einige seiner Tricks: „Boris Johnson ist ein Meister der „toten Katze“. So nennt man im britischen Medienjargon ein plumpes Ablenkungsmanöver: Ein Politiker, dem die Berichterstattung über ein heikles oder schwieriges Thema zu schaffen macht, sagt etwas derart Kurioses oder Unverschämtes, dass die Medien über nichts anderes mehr sprechen können — wie eine tote Katze, die während des Abendessens mitten auf den Tisch geschmissen wird.“

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Falsche Richtung

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Di, 07/09/2019 - 20:40

Erst klaut der Mann reichlich Tulpen aus einem öffentlichen Beet, dann prügelt er auf einen Passanten ein, der ihn dabei filmt, und dann, bei der Gerichtsverhandlung, laut „Bild“ und Bild.de auch noch das:


(Unkenntlichmachungen durch uns.)

Gestern zeigte der polnische Räuber, was er von dem Prozess gegen ihn hält — zeigte im Gerichtssaal den Stinkefinger.

Wir haben allerdings starke Zweifel, dass der „Tulpendieb“ mit dem Mittelfinger tatsächlich das Gericht verhöhnen wollte: Erstens muss das Foto vor der Gerichtsverhandlung entstanden sein, denn während eines Prozesses darf nicht fotografiert werden. Und zweitens saß in der Richtung, in die der Mann seinen Mittelfinger streckte, nicht der Richter. Der befand sich aus Sicht des Angeklagten auf der linken Seite, wie man in einem Bericht des MDR sehen kann. Den Mittelfinger hielt er aber nacht rechts. Und da stand wer? Genau: der „Bild“-Fotograf.

Mit Dank an Frank für den Hinweis!

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„… ist von Bild frei erfunden“

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Di, 07/09/2019 - 11:44

Endlich!

Das Rätsel um den geheimnisvollen Inhalt des Tresors aus dem Hotel Astoria ist gelöst, der vergessene Panzerschrank nach Jahrzehnten endlich geöffnet worden — von einem Baggerfahrer!

Bei den Vorbereitungsarbeiten zum Wiederaufbau des 1996 geschlossenen Hotels Astoria in Leipzig wurde ein alter Safe hinter der Rezeption entdeckt. Manche Schließfächer standen offen, andere waren geschlossen. Und niemand, so die „Bild“-Medien:

Niemand hatte eine Idee, wie der tonnenschwere Tresor aus der Wand zu bekommen ist, ohne die Grundmauern einzureißen.

Doch nun …

Nun haben sie Lars Homilius (46). Der ist freiberuflicher Baggerfahrer und genießt im Abriss-Business einen Ruf als Experte für die besonders kniffligen Fälle.

Und dieser Lars Homilius hat es nicht nur geschafft, den „tonnenschweren Tresor aus der Wand zu bekommen“, ihn hochzuheben, zwei Meter über dem Boden vom Haken und auf den Boden des Innenhofes krachen zu lassen, wodurch die bisher verschlossenen Fächer aufsprangen:

Nein, Homilius verrät laut „Bild“ auch, was sich noch in dem Tresor befand:

Und? Was war nun drin? „Gar nix. Leider …“

Allerdings sagt der „Experte für die besonders kniffligen Fälle“, dass er das gar nicht gesagt habe. Das Zitat sei von „Bild“ frei erfunden, so Homilius:

Die Leipziger „Bild“-Redaktion scheint dieser Widerspruch in den Kommentaren unter ihrem Facebook-Post aber nicht sonderlich zu interessieren — der Artikel ist unverändert online.

Mit Dank an Daniel H. für den Hinweis!

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Funkes Thüringen-Rückzug, Chinas Mediensperre, Globuli-Abmahner

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Di, 07/09/2019 - 08:54

1. Print first
(taz.de, Anne Fromm)
Die Funke Mediengruppe ist einer der marktbeherrschenden Verlage für Regionalzeitungen. Besonders deutlich wird dies in Thüringen. Dort besitzt der Konzern die drei größten Zeitungen „Thüringer Allgemeine“, „Thüringische Landeszeitung“ und „Ostthüringer Zeitung“. Das Quasi-Monopol hat seine Tücken, denn Funke will nun massiv sparen und reduzieren. „taz“-Medienredakteurin Anne Fromm ist besorgt: „Wenn die Funke-Zeitungen wegfallen oder zumindest viel weniger gelesen werden, weil sie nur noch digital zu haben sind, dann entsteht in weiten Teilen des Bundeslandes das, was sie in den USA „Nachrichtenwüste“ nennen. Und das in dem Bundesland, wo der NSU seine Wurzeln hat. Wo die Höcke-AfD drei Monate vor der Landtagswahl in Umfragen mit gut 20 Prozent drittstärkste Partei ist. Wo Sozialforscher seit Jahren ein Verfestigen rassistischer Tendenzen bei rund der Hälfte der Bevölkerung beobachten.“

2. Heather Mills bekommt wegen Abhörskandal Entschädigung zugesprochen
(spiegel.de)
In Großbritannien haben Journalisten jahrelang Promis abgehört, darunter Heather Mills, früheres Model und Ex-Frau von Paul McCartney. Nun hat Mills nach eigener Aussage gemeinsam mit anderen Opfern „die höchste Entschädigungssumme in einem Fall von Verleumdung durch Medien erreicht, die jemals in der britischen Rechtsgeschichte verhängt wurde“.

3. China blockiert deutsche Medien
(deutschlandfunk.de, Isabelle Klein, Audio: 5:49 Minuten)
China sperre im Internet immer mehr deutschsprachige Inhalte, darunter „Spiegel Online“, „Tagesschau“, „FAZ“, „SZ“ und ZDF (ZDF.de und auch heute.de scheinen allerdings doch in China abrufbar zu sein). Markus Pfalzgraf, China-Korrespondent der ARD, vermutet dahinter den Versuch der chinesischen Regierung, die Proteste in Hongkong kleinzuhalten.

4. Ein Text zieht falsche Schlussfolgerungen aus von Menschen produzierter CO2-Menge
(correctiv.org, Nina Breher)
In den Sozialen Medien zirkuliert ein Text, der belegen soll, dass es keinen menschengemachten Klimawandel gibt. Das Problem: Die im Text genannte Quelle gibt es nicht, und auch der Rest der Anekdote — einschließlich der Schlussfolgerungen — stimmt nicht, wie „Correctiv“ im Faktencheck feststellt.

5. Arzneimittelhersteller schickt Anwaltsschreiben zum konstruktiven Austausch
(journalist-magazin.de, René Martens)
Wie könnte man als Homöopathie-Hersteller reagieren, wenn jemand behaupten würde, die Homöopathie habe über den Placebo-Effekt hinaus keine Wirkung? Ein kleiner Tipp: Typische Reaktionen wären ignorieren oder diskutieren. Ein mächtiger Globuli-Fabrikant hat sich für die dritte Variante entschieden und schüchtert Homöopathie-Kritiker per Anwaltsschreiben ein.

6. Böses Internet? Vom Verschwinden von Humor-Institutionen
(dwdl.de, Miguel Robitzky)
„DWDL“-Zeichner Miguel Robitzky reagiert auf den Aus des „MAD“-Magazins und dem Karikaturen-Ausstieg der „New York Times“: „Es müssen von Verlagen und Redaktionen Geschäftsmodelle für professionelle komische Kunst gefunden werden, die ausschließlich online stattfinden oder zumindest analoge wie digitale Medien gleichzeitig bedienen. Formate, die an das Tempo der heutigen Zeit angepasst sind, die das Internet nicht als Konkurrenz und Miesmacher, sondern als Chance und Teil von sich verstehen und nicht bloß geklaute Tweets auf Tafeln abschreiben, um sie dann auf Instagram zu posten. Sonst enden wir noch wie die CDU und das kann nun wirklich keiner wollen!“

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„Bild“ lässt mutmaßliche Vergewaltiger „triumphieren“

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Mo, 07/08/2019 - 21:57

Sie seien „triumphierend“ aus der Polizeiwache gekommen, titelt „Bild“ heute über die „Kinder des Schreckens“, denen vorgeworfen wird, eine junge Frau vergewaltigt zu haben:

Nun hat Bild.de im Laufe des Tages ein Video hinter der „Bild plus“-Schranke veröffentlicht, auf dem zu sehen ist, wie die Jungen die Wache verlassen. „Triumphieren“ sieht man dabei jedoch keinen von ihnen. Einer hebt lediglich kurz den Arm, offenbar um den Angehörigen, die sie abholen, ein Handzeichen zu geben. Es scheint sogar so, als würden sie sofort von ihren Verwandten zusammengestaucht.

Aber „triumphieren“ passt natürlich viel besser ins Bild.

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Seelische Hornhaut der „Kronen Zeitung“, Jürgs-Nachruf, Velerkultur

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Mo, 07/08/2019 - 08:54

1. Presserat rügt „Krone“ wegen erfundenen Interviews mit Witwe
(derstandard.at)
Sie muss zentimeterdick sein, die seelische Hornhaut bei der österreichischen „Kronen Zeitung“. Dort hat man in Zusammenhang mit dem Todesfall eines Kärntner Gastronomen nicht nur ein unverpixeltes Familienfoto samt minderjähriger Tochter veröffentlicht. Nein, man hat auch noch ein erfundenes Interview mit der Witwe zusammenfantasiert. Nachdem es eine Rüge vom Presserat gab, versicherte der „Kronen“-Chef, man werde in Zukunft „noch behutsamer und vorsichtiger vorgehen“. „Noch“ …

2. Pierre M. Krause: „Auch ein Auslacher ist ein Lacher“
(dwdl.de, Kevin Hennings)
„DWDL“ hat sich mit dem TV-Moderator Pierre M. Krause über dessen Late-Night-Format („Pierre M. Krause Show“), einen potenziellen Senderwechsel und die Notwendigkeit einer täglichen Late-Night unterhalten.
Tipp: Wem Krauses sehenswerte SWR3-Latenight bislang entgangen ist: In der ARD-Mediathek gibt es einige der vergangenen Sendungen.

3. 7500 Zeichen am Tag
(sueddeutsche.de, Hans Leyendecker)
Ende vergangener Woche ist der Journalist Michael Jürgs nach einer schweren Krebserkrankung im Alter von 74 Jahren verstorben. Jürgs war ein journalistischer Frühstarter und schon mit 23 Feuilleton-Chef bei der Münchner „Abendzeitung“. Stationen bei „Tempo“ und „Stern“ folgten. Daneben schrieb Jürgs einige Sachbücher und Biografien (unter anderem den Bestseller „Der Fall Romy Schneider“) und moderierte die NDR-Talkshow. Hans Leyendecker erinnert an einen bemerkenswerten Journalisten und Publizisten.
Weiterer Tipp: Jürgs gab „Zapp“ 2013 ein Interview über die „Zukunft des Journalismus“. Hintergrund war der Verkauf verschiedener Springer-Regionalzeitungen an die Funke Mediengruppe.

4. „Der Satiriker darf erst mal alles“
(spiegel.de, Elisa von Hof)
Dominik Bauer ist Teil des Karikaturisten-Duos „Hauck und Bauer“ und dort für den nicht-zeichnerischen Part zuständig. Im Gespräch mit „Spiegel Online“ geht es um den Karikaturen-Ausstieg der „New York Times“, die Bedeutung der Sozialen Medien, Shitstorms und Beifall von der falschen Seite.

5. Hinterzimmer-Politik
(uebermedien.de, Andreas Püttmann)
„Übermedien“ fragt regelmäßig nach dem persönlichen „Hasswort“. Für den Politikwissenschaftler und freien Publizisten Andreas Püttmann ist es der Begriff von der „Hinterzimmer-Politik“.

6. Wir sind das Medienmagazin „journalist“ und haben auf unserem Juli-Cover das Wort „Journalismus“ falsch geschrieben. Argh.
(twitter.com/journ_online)
Kein Medium ist vor Rechtschreibfehlern oder unglücklichen Formulierungen gefeit. Das Medienmagazin „journalist“ atmet den Schmerz über einen Lapsus weg, indem es auf Twitter die Kolleginnen und Kollegen nach ähnlichen Schnitzern fragt. Die Ergebnisse sind teilweise ganz lustig und zugleich beruhigend. Schließlich machen wir alle mal einen Veler.

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AfD-Talkshows, „Mad“-Aus, Harald Schmidts Dieter-Nuhrisierung

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Fr, 07/05/2019 - 08:54

1. „Öffentlich-rechtliche Talkshows sind Werbeträger für die AfD“
(deutschlandfunk.de, Sebastian Wellendorf, Audio: 8:30 Minuten)
Der Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister spricht im Deutschlandfunk über die Rolle von Talkshows in Bezug auf politische Berichterstattung. Hachmeister nennt das Format ein „Ritual der Politiksimulation“, das durch Taktung und Inszenierung der AfD in die Hände spiele: „Man muss eigentlich dieses System austrocknen, man müsste diesen Talkshow-Sumpf, um es mal so hart zu sagen, trockenlegen. Und das gelingt nur, indem man ihm insgesamt weniger Beachtung schenkt, auch über die sozialen Medien, über Twitter. Es kommt ja noch dazu, dass diese Talkshows in den Tageszeitungen zum Teil rezensiert werden wie Theateraufführungen, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zum Beispiel, die macht das regelmäßig, auch online. Und damit bekommt das Ganze ja noch mehr Gewicht, und das ist insgesamt für die Temperatur der gesellschaftlichen Debatte kein guter Zustand.“

2. Die Dieter-Nuhrisierung von Harald Schmidt
(blogs.faz.net, Martin Benninghoff)
Der „FAZ“-Autor Martin Benninghoff ist über einige Äußerungen von Harald Schmidt im Interview mit dem ORF verwundert und fragt: „Kann es sein, dass Schmidt eine Dieter-Nuhrisierung durchmacht? Indem er aus einer Position der Selbstgefälligkeit heraus den bräsigen Mainstream bedient?“

3. Hans-Ulrich Jörges zittert um Angela Merkel
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier wundert sich, wie „Stern“-Kolumnist Hans-Ulrich Jörges es schafft, eine ganze Seite mit Geraune und Spekulationen über Angela Merkels Gesundheitszustand zu füllen: „Er weiß, um es vorwegzunehmen, nichts über den Gesundheitszustand von Angela Merkel. Er sieht die Bilder, die wir alle gesehen haben, und dann geht er zum Recherchieren in seinen Kopf und lässt uns staunend teilhaben an den Abgründen, die sich dort auftun.“

4. Kriminalisierung von Tor-Servern stoppen
(reporter-ohne-grenzen.de)
Reporter ohne Grenzen kritisiert die Bestrebungen des Bundesinnenministeriums, Tor-Server und Anonymisierungsdienste zu kriminalisieren. Die Organisation wäre davon selbst betroffen: „Wir wehren uns gegen die Kriminalisierung unseres Einsatzes für Anonymität im Internet. Nur weil wir Tor-Knoten betreiben, sind wir nicht kriminell. In unseren Trainings zur digitalen Sicherheit erleben wir täglich, wie wichtig ein VPN oder der Tor-Browser für die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten geworden ist. Solche Angebote gilt es im Zeitalter zunehmender Überwachung zu stärken, anstatt zu kriminalisieren.“

5. LKA ermittelt nach tausenden Hass-Kommentaren zu Lübcke
(hessenschau.de, Heike Borufka & Tobias Lübben)
Im Zusammenhang mit dem Mord am früheren Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke tut sich ein Abgrund von Hass und Häme im Internet auf. Das Landeskriminalamt Hessen will der geballten Hasskriminalität nun mit einer eigens dafür eingerichteten Arbeitsgruppe begegnen. Man rechne mit mehreren tausend Strafverfahren.
Weitere Lesetipps: t-online.de berichtet über die Initiative HateAid: Opfer erzählt: So half mir die neue Shitstorm-Feuerwehr. Siehe dazu auch den Facebook-Eintrag von HateAid-Mitgründer Gerald Hensel.
Außerdem einen Blick wert: der Bericht zur neuen Hate-Speech-Studie: Eine massive Einschränkung der Meinungsvielfalt (belltower.news, Oliver Saal & civic.net).

6. Regular Issue Mad Covers
(madcoversite.com, Dough Gilford)
Das amerikanische „Mad“-Magazin steht nach 67 Jahren kurz vor dem Aus und füllt die nächsten Ausgaben nur noch mit Alt-Material. Vielleicht ein Anlass, einen wehmütigen Blick auf Dough Gilfords Website zu werfen, auf der alle „Mad“-Cover seit 1952 abgebildet sind.

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„Bild“ verfälscht Martin Schulz zum „selbstsüchtigen Clown“

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Do, 07/04/2019 - 20:00

Natürlich könnte man jetzt sagen: Selbst schuld, der Martin Schulz, dass er „Bild“ ein Interview gibt, und die Redaktion seine Aussage in der Überschrift dann so verfälscht, dass er aussieht wie eine Mischung aus einem bockigen Kind und einem „selbstsüchtigen Clown“, wie Juso-Chef Kevin Kühnert es treffend formuliert. Schulz hatte im Gespräch mit „Bild“ zur Nominierung von Ursula von der Leyen für das Amt der EU-Kommissionspräsidentin und zu dem Prozess dahinter gesagt:

„Eindeutig habe ich das Gefühl: Gewisse Leute machen meine Vorstellung eines demokratischen Europas kaputt.“

Und die „Bild“-Redaktion machte daraus:

… als meinte der SPD-Politiker, ihm gehöre Europa (was er ja so gar nicht behauptet hat).

Natürlich könnte man jetzt also sagen: selbst schuld. Und dennoch ist das ständige Verfehlen minimaler journalistischer Standards durch die „Bild“-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter kein Persilschein für diese, Leuten das Wort im Mund umzudrehen.

Der bereits erwähnte Kevin Kühnert sagt übrigens, dass er „persönlich andere Konsequenzen als Martin Schulz“ ziehe und den „Bild“-Medien „keine Interviews und Statements“ gebe. Das halten wir nicht für die schlechteste Idee.

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Noch Leser da?, Unlesbare E-Books, Presserat-„Hinweis“ für „Bild“

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Do, 07/04/2019 - 08:54

1. Hallo Leser, noch da?
(kontextwochenzeitung.de, Rainer Stephan)
Rainer Stephan hat sich Gedanken zum Medienwandel gemacht und zieht einen interessanten historischen Vergleich: „An wen erinnern wir uns, wenn wir an große deutsche Publizisten denken? An Maximilian Harden, der sich im Untertanenklima des deutschen Kaiserreichs nicht scheute, den Monarchen persönlich in die Schranken zu fordern. An Karl Kraus — als die tonangebenden Geistesgrößen 1914 unisono den Krieg begrüßten, überzog er sie unnachgiebig mit seinen Wut- und Intelligenztiraden. Weil die großen Zeitungen das nicht ertrugen, gründeten Harden wie Kraus kurzerhand eigene Blätter, „Die Zukunft“ und „Die Fackel“, die sie praktisch im Einmannbetrieb gestalteten. Sie, und nicht die heutigen Leitmedien, sind die Vorgänger der kritischen Blogger und Youtuber.“

2. „Die nächsten Monate werden supergefährlich“
(sueddeutsche.de, Martin Bernstein)
Der Journalist Robert Andreasch ist für seine jahrelange Dokumentation der rechtsextremen Szene mit dem Publizistikpreis der Stadt München ausgezeichnet worden. Andreasch geht seiner Tätigkeit bereits seit mehr als 25 Jahren nach und ist dabei sowohl ins Visier von Neonazis als auch Verfassungsschutz geraten.
Weiterer Lesetipp: Drohbriefe an Journalisten: ABC-Alarm beim WDR Studio Dortmund (wdr.de).

3. Der Nutzer wünscht sich einen Kiosk im Netz
(faz.net, Nora Sefa)
Die Landesanstalt für Medien NRW hat Menschen zur „Zahlungsbereitschaft für digitaljournalistische Inhalte“ befragt. Von vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Befragung wurde die Idee einer allumfassenden Kiosk-Lösung geäußert, die Inhalte verschiedener Medienhäuser zum Einzelabruf anbietet. Kommentar des „6 vor 9“-Kurators: Die Befragten mögen sich ein derartiges Angebot wünschen, ob sie es nutzen, ist eine andere Frage. Bemühungen in dieser Richtung blieben in der Vergangenheit erfolglos („Blendle“). Und auch „Readly“ mit seiner Magazin-Flatrate tut sich noch schwer in Deutschland.

4. Wenn der Mensch mit der Maschine: die Zukunft des Journalismus ist hybrid
(medienwoche.ch, Adrian Lobe)
Der US-Journalist Nicholas Diakopoulos hat ein Buch zur Automatisierung des Journalismus geschrieben („Automating the News“). Adrian Lobe hat sich das Buch angeschaut und fasst die wichtigsten Erkenntnisse daraus zusammen.

5. Lizenz zum Lesen, oder auch nicht
(taz.de, Helena Werhahn)
Stell dir vor, dein Buchhändler bricht nachts in dein Haus ein, entwendet einige deiner Bücher und schleicht sich wieder aus dem Haus. Was in der Realwelt schwer vorstellbar ist, praktiziert derzeit Microsoft mit dem Einstellen seiner E-Book-Sparte. Microsofts E-Book-Kunden können nicht nur keine weiteren Bücher erwerben, es gehen auch alle in der Vergangenheit erworbenen Bücher verloren. Der deutsche Buchhandel hätte sich kein besseres Szenario zur Bewerbung des klassischen Buchs ausdenken können.

6. Presserat: „Bild“-Artikel über Ausgewogenheit von „Bild“ zu einseitig
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Der Deutsche Presserat stellt nach einer Beschwerde von „Übermedien“ fest, dass der „Bild“-Artikel über die Ausgewogenheit von „Bild“ zu unausgewogen war, und spricht einen „Hinweis“ (PDF) aus. „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt gibt sich wie gewohnt uneinsichtig. Stefan Niggemeier dröselt den Vorgang auf.

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Kurz korrigiert (530)

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Mi, 07/03/2019 - 17:54

Der Astronaut Ulrich Walter hat schon einiges erlebt und kann davon wunderbar erzählen, wie etwa gestern Abend bei „Markus Lanz“. Auf dem Mond war Walter allerdings noch nie, auch wenn Bild.de das heute behauptet:

Es war bisher übrigens noch überhaupt kein Deutscher und auch kein Europäer auf dem Mond.

Mit Dank an Michael René S. und Micha für die Hinweise!

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Julian Reichelt sieht keine toten Menschen

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Mi, 07/03/2019 - 16:29

Nach einem schweren Busunfall auf Madeira im April dieses Jahres, bei dem 29 Menschen starben, zeigte Bild.de viele Fotos, auf denen die Opfer des Unglücks zu sehen waren. Über diese Veröffentlichung beschwerten sich mehrere Personen beim Deutschen Presserat.

Zum Prozedere gehört es dann, dass auch die Redaktion, gegen die sich eine Beschwerde richtet, Stellung nehmen kann. Das hat in diesem Fall Julian Reichelt übernommen. Und der „Bild“-Chef entgegnete den Vorwürfen mit einer sehr eigenen Version der Vorgänge. Im Bericht des Presserats steht:

Der Vorsitzende der Chefredaktionen trägt vor, die Beschwerde sei erkennbar unbegründet, weshalb er sich kurzfassen wolle: An dem tragischen Busunglück in Madeira, von dem auch viele deutsche Urlauber betroffen waren, habe ein besonders großes öffentliches Informationsinteresse bestanden. Diesem Interesse habe man entsprochen, nicht mehr und nicht weniger — wie alle anderen Medien auch. Und unter Einhaltung sämtlicher presseethischer Grundsätze über ein Aufsehen erregendes zeitgeschichtliches Ereignis berichtet. Anders als die Beschwerdeführer behaupten, habe man insbesondere keine Fotos der getöteten oder lebensgefährlich verletzten Opfer gezeigt. Man habe aber — natürlich, weil man als Presse dazu verpflichtet sei — die Fotos der Unfallstelle gezeigt, an der eine Vielzahl von Helfern darum bemüht war, den Opfern zu helfen. Teilweise — mit „viel gutem Willem“ — identifizierbar seien lediglich einige wenige leicht verletzte Opfer des Busunglücks. Dies jedoch sei im Rahmen des unstreitig gegebenen öffentlichen Interesses i.S.v. Ziffer 8 Pressekodex im Hinblick auf eine vollständige und umfassende Berichterstattung unvermeidbar und verletze weder Recht noch Presseethik.

Kurzum: Ihre Bild- und Textberichterstattung über den tragischen Unglücksfall auf Madeira sei absolut medienubiquitär und in keiner Weise zu beanstanden. Die Beschwerden seien allesamt zurückzuweisen.

Erstmal zur Frage der Identifizierbarkeit der von Bild.de gezeigten Personen. Zu dem Thema schreibt der Medienrechtler Udo Branahl in seinem Lehrbuch:

An die Erkennbarkeit des Betroffenen stellt die Rechtssprechung (…) nicht sehr hohe Anforderungen. Sie verlangt nicht etwa, dass ein erheblicher Teil des Publikums die gemeinte Person erkennen kann, sondern lässt es ausreichen, dass sie von Kollegen, Freunden, Bekannten oder Verwandten erkannt werden kann.

Wenn Reichelts Redaktion Aufnahmen veröffentlicht, die Personen in einer Totalen unverpixelt zeigen, ist also nicht „viel guter Wille“ notwendig, um von einer identifizierenden Berichterstattung zu sprechen. Das dürfte auch für das Foto gelten, auf dem ein Verletzter deutlich größer, aber verpixelt zu sehen ist, da dieser für „Kollegen, Freunde, Bekannte oder Verwandte“ etwa anhand seiner Kleidung immer noch zu erkennen sein dürfte.

Reichelts Argument, dass man insbesondere keine Fotos der getöteten oder lebensgefährlich verletzten Opfer gezeigt habe, ist schlicht falsch. Entweder weiß er nicht, was seine Redaktion so alles veröffentlicht hat, oder er lügt. Bild.de zeigte noch am Tag des Unfalls ein Foto, auf dem Leichen vor dem verunglückten Bus unvepixelt zu sehen waren:


(Alle Unkenntlichmachungen in diesem Beitrag stammen von uns.)

Und als Bild.de die Aufnahme bereits nach und nach verpixelt hatte, druckte die „Bild“-Zeitung ein ähnliches Foto noch einmal komplett ohne Unkenntlichmachung:

Der Presserat sah es dann auch anders als Julian Reichelt und sprach eine Missbilligung aus:

Der Beschwerdeausschuss erkennt in der Berichterstattung unter der Überschrift „Reisebus mit 55 Menschen auf Madeira verunglückt“ einen Verstoß gegen den in Ziffer 8 des Pressekodex festgeschriebenen Schutz der Persönlichkeit und die in Ziffer 11 des Pressekodex festgehaltene Sensationsberichterstattung.

Das Gremium sieht in der Veröffentlichung von Fotos, die Opfer des Unglücks unverfremdet und identifizierbar zeigen, einen Verstoß gegen deren Persönlichkeitsschutz gemäß Richtlinie 8.2 des Pressekodex. Der Umstand, dass jemand Opfer eines Busunglücks wird, macht denjenigen grundsätzlich nicht zu einem legitimen Objekt des öffentlichen Interesses. Das Wissen um die Identität der Betroffenen trägt vorliegend in keiner Weise zum besseren Verständnis vom Unfallhergang bei. Bloße Neugier der Leser rechtfertigt hingegen keine identifizierende Berichterstattung. Daher überwiegen die schutzwürdigen Interessen der Betroffenen. Die Veröffentlichung von unverfremdeten Fotos der Opfer im Moment ihres Leids lässt diese in der Öffentlichkeit erneut zu Opfern werden und verstößt insofern auch gegen Richtlinie 11.3 des Pressekodex.

Mit Dank an André W. für den Hinweis!

Nachtrag, 17:12 Uhr: Drüben bei „Übermedien“ berichtet Stefan Niggemeier über eine weitere Entscheidung des Presserats gegen „Bild“.

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Facebooks 2 Mio-Bußgeld, Straches Bester, Klöckners Nestlé-Video

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Mi, 07/03/2019 - 08:54

1. Wegen Intransparenz bei rechtswidrigen Inhalten: Facebook soll zwei Millionen Euro Bußgeld zahlen
(netzpolitik.org, Alexander Fanta & Markus Beckedahl)
Das Justizministerium hat Facebook ein Bußgeld von zwei Millionen Euro auferlegt. Der Grund: Verstöße gegen das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG). Laut Pressemitteilung des Bundesamts für Justiz rüge man insbesondere, dass Facebooks Angaben zur Anzahl der eingegangenen Beschwerden über rechts­widrige Inhalte unvollständig seien. „Dadurch entsteht in der Öffentlichkeit über das Ausmaß rechtswidriger Inhalte und die Art und Weise, wie das soziale Netzwerk mit ihnen umgeht, ein verzerrtes Bild.“

2. Straches Bester muss gehen
(sueddeutsche.de, Oliver Das Gupta)
Bei der österreichischen „Kronen Zeitung“ gibt es personelle Veränderungen, die wahrscheinlich auf das Ibiza-Video mit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache zurückgehen. In der Aufzeichnung hatte Strache alle Journalisten pauschal als „Huren“ beschimpft, nur den ihm gewogenen „Kronen“-Online-Chef Richard Schmitt ausgenommen und ihn als „einer der besten Leute“ gepriesen. Oliver Das Gupta kommentiert: „Diese Zuneigungsbekundung des Rechtspopulisten ist durchaus nachvollziehbar: Denn unter Schmitts Führung berichtete Krone.at verlässlich meinungsstark und bisweilen hetzerisch Themen über Ausländer, Flüchtlinge und den Islam — meist versehen mit einem Dreh, der FPÖ-Leuten genehm gewesen sein dürfte.“

3. ARD-Moderator ließ AfD-Mann mit Abstand meiste Redezeit – nun äußert sich „Hart aber fair“
(watson.de, Philip Buchen)
„Watson“ hat die Redeanteile an der umstrittenen „Hart aber fair“-Sendung mit dem rechtspopulistischen AfD-Politiker Uwe Junge ausgewertet. Mit mehr als 15 Minuten Redezeit dominierte Junge den Talk. Die „Hart aber fair“-Redaktion erklärt dies mit einer „inhaltlich klaren 1:4-Konstellation“.

4. Wie Lokaljournalisten sich von Facebook coachen lassen
(deutschlandfunk.de, Jörg Wagner)
Lokalzeitungen haben es zu Zeiten des Medienwandels besonders schwer. Neuerdings finanziert Facebook lokaljournalistische Projekte mit Millionenbeiträgen. Medienjournalist Jörg Wagner war zu Besuch bei einem Seminar des „Facebook-Local-Accelerator-Programms“ für 60 Teilnehmende aus 14 Verlagen, bei dem die Chatham House Rule galt.

5. Das Video geht klar
(taz.de, Peter Weissenburger)
Bei dem gemeinsamen Video der Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner und dem Nestlé-Chef habe es sich nicht um Schleichwerbung gehandelt, so die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB). Dass die Sache dennoch nicht ganz klar ist, erkennt man daran, dass die MABB mit den anderen Anstalten Leitlinien für ähnliche Fälle erarbeiten will.

6. n-tv entschuldigt sich für Neonazi im Programm
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Beim Nachrichtensender n-tv werden in der Sendung „Netzreporter“ regelmäßig Tweets zu aktuellen Themen verlesen. In einem Beitrag über Seenotrettung wurde unkommentiert ein Tweet eines bekennenden und bekannten Neonazis eingeblendet und vorgelesen. „Übermedien“ hat beim Sender nachgefragt, welches journalistische Grundverständnis dem zugrunde liegt.

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„Bild“ weiß kaum etwas und schreit: Alarm in „unserem Freibad“

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Di, 07/02/2019 - 21:41

Auf der „Bild“-Titelseite ist heute wieder Alarm:

… was bei uns gleich mehrere Fragen aufwirft: Wer bildet das „Wir“ in dieser Schlagzeile — wessen Freibad soll nicht mehr so sein, wie es mal war? Und wer ist das „Die“ — wer soll es so zugerichtet haben, wie es laut „Bild“ jetzt sein soll, mit „+++ Schlägereien +++ Pöbeleien +++ Messer +++ Tränengas +++ Polizei +++“? Es gibt aus unserer Sicht nicht viele Möglichkeiten, wie man die „Bild“-Schlagzeile von heute verstehen kann, und die erste, auf die wir kommen, ist: „Die Ausländer haben uns Deutschen unser Freibad kaputtgemacht!“

Auf der kompletten Seite, die die „Bild“-Redaktion zu dem Thema veröffentlicht hat, bietet sie erstaunlich wenig, was die These des veränderten Freibads belegen könnte.

Der „Freibad-Report“ startet schon komplett vage:

Planschen, Pommes rot-weiß und Schlange stehen am Sprungturm — die Freibadsaison läuft bei Temperaturen von über 39 Grad auf Hochtouren.

Doch in diesem Jahr scheint die Stimmung in vielen Freibädern Deutschlands auffällig aggressiv zu sein.

„scheint“? Das ist ernsthaft die Grundlage, auf die sich die „Bild“-Redaktion beruft, wenn sie schreit: „In deutschen Freibädern wird es immer schlimmer!“? Sie hat offenbar null belastbaren Zahlen, die belegen könnten, dass es wirklich gefährlicher geworden ist in den Freibädern. Jedenfalls nennt sie keine. Stattdessen geht es schwammig weiter:

Zahlreiche Badegäste berichten von unangenehmen Erlebnissen, die Polizei von spektakulären Einsätzen!

„zahlreiche“ — sehr präzise!

Und auch Rainer Wendt, der Bundesvorsitzende einer Polizeigewerkschaft, der bei so einem Thema natürlich nicht fehlen darf, scheint keinerlei Ahnung zu haben, wie es genau aussieht, darf aber auch was sagen:

„Jeder versteht etwas anderes unter Spaß“, erklärt Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG).

„Der eine will mit seiner Familie in Ruhe baden, andere wollen Kräfte messen und laut Musik hören. Da ist Stress programmiert. Gefühlt gibt es immer mehr Polizeieinsätze in den Bädern.“

„Gefühlt“ reicht also inzwischen als Maßstab (was übrigens bestens zum Wochenmagazin „Bild Politik“ passt, bei dem laut „Bild“-Politikchef Nikolaus Blome der Grundsatz gelte: „Gefühle schaffen Fakten“).

„Bild“ liefert in dem Text dann noch ein paar Vorkommnisse („Pfefferspray“, „Belästigung“, „Messer-Attacke“, „Familien-Streit“, „Beißangriff“), die angeblich „zeigen: Das Miteinander im Freibad hat sich verändert.“ Aber auch hier: Exakt keine Details dazu, dass es mehr und/oder heftiger geworden ist.

Bei den meisten dieser Beispiele nennt die Redaktion nicht die Nationalitäten der Personen, die dort für Randale gesorgt haben sollen. Bei manchen aber schon: ein Mann aus dem Iran, ein Jugendlicher aus Syrien, ein Jugendlicher aus Deutschland — wobei der Deutsche das Opfer des beißenden Syrers sein soll. Das ist dann vermutlich die Antwort auf unsere Fragen, wer das „Wir“ und wer das „Die“ sein sollen.

Neben dem Haupttext präsentiert „Bild“ ein Gespräch mit „Deutschlands oberstem Bademeister“, dem Präsidenten des Bundesverbandes Deutscher Schwimmmeister Peter Harzheim. Allerdings klagt Harzheim gar nicht an, wie von „Bild“ auf der Titelseite behauptet, dass das „nicht mehr unser Freibad“ sei. Und er sagt auch nichts zu Schlägereien, Pöbeleien, Messern, Tränengas oder der Polizei. Stattdessen erzählt er, dass man immer häufiger geduzt werde, dass manche Freibadbesucher Mitarbeiterinnen des Bads nicht als Autoritätspersonen akzeptieren, und dass Leute immer wieder mit normaler langer Kleidung ins Wasser wollen (Burkinis oder UV-Kleidung seien für ihn hingegen völlig in Ordnung, so Harzheim, solange sie aus Schwimmtextilien bestehen). Also auch hier kein Hinweis darauf, dass an der „Bild“-Schlagzeile irgendetwas dran ist.

Der absurde Höhepunkt der „Bild“-Freibad-Seite ist aber sowieso der Besuch eines Reporters im Prinzenbad, Pardon, „im berüchtigten Prinzenbad“. Und wo, wenn nicht im berüchtigten Berlin-Kreuzberg, sollte „Bild“ auf die Abgründe des deutschen Freibads stoßen?

Das Prinzenbad in Berlin-Kreuzberg ist wohl das berühmteste Freibad Deutschlands. Auf jeden Fall ist es das berüchtigtste. Immer wieder wird es Schauplatz von Krawallen. (…)

BILD verbrachte einen Tag im Prinzenbad während der Hitzewelle

… und hat wirklich nichts gefunden. (Möglichst unspektakuläre Reportagen von angeblich gefährlichen Orten sind sowieso eine Spezialität der „Bild“-Medien.)

Die Schlimmsten Vorkommnisse:

7 Uhr: Bei Öffnung stehen rund 100 Menschen vor dem Tor. Darunter auch ein Security-Mann (25) und ein Siemens-Ingenieur (23), die vor ihrer Schicht ins Wasser wollen. Wenig später stehen sie im Wasser am Beckenrand und rauchen Zigaretten. Hinter ihnen ein Schild: „Rauchen verboten“.

7.30 Uhr: Die ersten Jugendlichen fangen an, am Ende des Beckens Arschbomben zu üben.

Und das heftigste Ereignis um 15:03 Uhr:

15.03 Uhr: 37 Grad. Die Security hält einen Mann aus Bulgarien fest. Er soll über den Zaun geklettert sein, ohne zu zahlen.

Hui!

Ansonsten: „Ein paar Oberschüler“, die sagen: „‚Dicker, heute wird Sonne böse, guck mal, wie blass ich bin, ja'“, drei Rentner, die „unter einem Sonnenschirm Rommé“ spielen, zwei Polizisten, die „durch das Bad“ laufen, aber „nur Präsenz“ zeigen, zwei Männer, die sich küssen, was aber niemanden interessiert außer den „Bild“-Reporter, und ein Junge, der zu einem anderen sagt: „‚Walla, du bist der größte Hurensohn, wenn du noch einen Schluck nimmst'“, denn, so der Autor: „Bei der Hitze ist Wasser ein kostbares Gut.“ Das Fazit des Besuchs:

Am Ende des Tages kamen 8300 Menschen. Ein guter Tag für das Prinzenbad. Keine Diebstähle, keine Krawalle.

Aber davon lassen sie sich bei „Bild“ selbstverständlich nicht ihre Stimmungsmache vermiesen.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber!

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Jack White wehrt sich gegen Heroin-Clickbait

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Di, 07/02/2019 - 15:31

Eigentlich war es nur ein Scherz. Angesprochen darauf, warum sein neues Album nicht früher herausgekommen sei, witzelte Jack White („The Raconteurs“) neulich in einem Interview mit der „Irish Times“:

“Well, when Brendan [his Raconteurs bandmate] gave up alcohol, I started doing heroin, so that delayed things,” deadpans White.

Über das Interview berichtete dann auch die amerikanische Musikseite „Spin“ — mit der Überschrift:

The Raconteurs‘ New Album Was Delayed Because Jack White “Started Doing Heroin”

Nun hat sich Jack White selbst dazu geäußert. Bei Instagram schreibt er einen offenen Brief, den sich auch so manche deutsche Redaktion ruhig mal anschauen könnte:

Inzwischen hat „Spin“ die Überschrift geändert.

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Kurz korrigiert (529)

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Di, 07/02/2019 - 13:40

In Stuttgart ist am Sonntag ein Balkon mit einem Pool darauf eingebrochen. Auch die „Bild“-Medien berichten über den Unfall und schildern das alles so:

Frank (54) und Maria Josefa R. (53) stellten ein drei Quadratmeter großes Planschbecken auf den Balkon über dem familieneigenen Zimmereibetrieb in Stuttgart. Mit ihren Töchtern Anna-Maria (22) und Brigitte (21) sowie deren Freunden Eric R. (27) und Gianluca P. (25) hielten sich die Eltern gegen 18 Uhr auf dem Balkon auf.

DANN KRACHTE ES!

Der Balkon, eine Holzkonstruktion, stürzte auf einer Seite ab, wurde aber von einem darunter parkenden Transporter abgefangen. Sechs Personen wurden laut Polizei leicht verletzt, eine musste ins Krankenhaus gebracht werden.

Zur „wahrscheinlichen Ursache des Unfalls“ schreiben „Bild“ und Bild.de:

Der Balkon war überlastet! Sven Matis, Sprecher der Stadt Stuttgart: „Der Balkon muss 400 Kilonewton pro Quadratmeter als Last aushalten. Laut Berechnung des Baurechtsamts wiegt Wasser mit 70 Zentimetern Höhe im Pool fast doppelt so viel wie zulässig.“

Da passt rechnerisch überhaupt nichts zusammen.

Erstmal zu dem Zitat des Sprechers der Stadt Stuttgart: Für 400 Kilonewton wäre ein Gewicht von über 40 Tonnen notwendig. Das wäre sehr viel. Wir haben bei Sven Matis nachgefragt, ob er den „Bild“-Autorinnen Anna Schmatz und Alexandra zu Castell-Rüdenhausen dieses Zitat so gegeben hat. Ja, habe er. Der Fehler liege bei ihm. Tatsächlich müsste es vier Kilonewton pro Quadratmeter heißen, so Matis.

Aber selbst mit dem richtigen Zitat wären die „Bild“-Angaben noch falsch: Der Pool war nicht „drei Quadratmeter groß“; er hatte einen Durchmesser von „etwa drei Metern“, wie die Polizei schreibt. Daraus ergibt sich eine Fläche von etwa sieben Quadratmetern. Und bei einer Höhe von 70 Zentimetern ein Volumen von 4900 Litern (statt 2100 Litern bei den „Bild“-Angaben). Das daraus resultierende Gewicht von 4900 Kilogramm waren für den Balkon offenbar zu viel.

Mit Dank an Vincenzo M. und Jonas H. für die Hinweise!

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Plasbergs Trauerspiel, Gesundes Misstrauen, Schwitzereporter

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Di, 07/02/2019 - 08:54

1. Es war ein Trauerspiel
(spiegel.de, Arno Frank)
Als die „Hart aber fair“-Redaktion den Talkgast Uwe Junge (AfD) ankündigte, befürchteten viele, dass man hier jemandem die Bühne für Populismus und Demagogie bereite. Arno Frank hat die Sendung gesehen und findet alle Befürchtungen bestätigt.
Weiterer Lesehinweis: ARD fliegt Rechtfertigung für AfD-Gast um die Ohren (t-online.de, Lars Wienand)

2. Der DFB und seine aufmüpfigen Frauen
(journalist-magazin.de, Thilo Komma-Pöllath)
Thilo Komma-Pöllath hat anlässlich der Fußball-Frauen-WM ein Interview mit der Spielerführerin Alexandra Popp geführt. Popp sprach darin auch über die ungenügende gesellschaftliche Entwicklung im Fußball. Außerdem, so Popp, fühle man sich etwas vergessen und damit war wohl der DFB gemeint. Als das Interview von der Autorisierung zurückkam, seien alle Aussagen glattgebügelt worden. Der Autor habe noch beim DFB nachgefragt, doch die Antwort sei ausgeblieben und der Text zu seinem Leidwesen ohne die betreffenden Passagen erschienen.

3. Journalisten, kommt mal runter!
(dbate.de)
Auf der Jahreskonferenz des „Netzwerk Recherche“ ging es unter anderem um die Glaubwürdigkeitskrise im Journalismus und den Umgang mit Fehlern. Was macht guten Journalismus aus? Darüber hat „dbate“ mit dem österreichischen Journalist und Fernsehmoderator Armin Wolf, der NDR-Journalistin Anja Reschke, dem Medienjournalist Stefan Niggemeier, dem Hauptstadtjournalist Tilo Jung, dem Soziologen Stefan Schulz und dem Chefredakteur von „BuzzFeed“ Daniel Drepper gesprochen.

4. Mit Essiggurken gegen Adorno
(taz.de, Nils Markwardt)
Franz Josef Wagner ist der Namensgeber der berühmt-berüchtigten „Bild“-Gaga-Kolumne „Post von Wagner“. Immer wieder werden seine surrealen Wortbeiträge in den sozialen Medien persifliert. Besonders gut gelungen ist dies Nils Markwardt, der gleich eine ganze Reihe von Wagner-Briefen an bedeutende Philosophen und Denker verfasst hat.

5. Polizeiberichte kritisch hinterfragen
(djv.de, Hendrik Zörner)
Polizeiberichten sollte nicht blind vertraut werden. Darauf macht der Deutsche Journalisten-Verband in seiner jüngsten Pressemitteilung aufmerksam. Aktueller Anlass seien Presseinformationen der Polizei, in denen diese behauptet hatte, bei der Auseinandersetzung um den Tagebau Gartzweiler seien 16 Polizisten verletzt worden. Die Recherchen eines WDR-Journalisten hätten jedoch ergeben, dass nur zwei Polizisten durch Fremdeinwirkung verletzt wurden.

6. Der Schweiß ist heiß
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz, Video: 2:12 Minuten)
Wer leidet in Deutschland am meisten unter Hitze? Genau: Fernsehredaktionen! Sehen sie hier einen zweiminütigen Bericht der Schwitzereporter von „Das Erste“, „hr“, „MDR“, „NDR“, „n-tv“, „RB“, „rbb“, „Sat.1 NRW“, „SWR“, „Welt“ und „WDR“.

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„Bild“-Chef unterstützt Seenotretter

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Mo, 07/01/2019 - 11:18

Wir freuen uns riesig über jede und jeden, die oder der uns bei Steady unterstützt, nur über einen nicht: Julian Reichelt. Der „Bild“-Chef schickt uns jedes Jahr 120 Euro. Und die wollen wir gern wieder loswerden.

Daher haben wir Reichelts 120 Euro vorhin an die von Klaas Heufer-Umlauf und Jan Böhmermann ins Leben gerufenen Spendenkampagne für private Seenotretter, die Crew der „Sea Watch 3“ und die inhaftierte Kapitänin Carola Rackete weitergeleitet:

Und noch ein Tipp für jede und jeden, die oder der ein paar Euro übrig hat: Es ist ganz einfach mitzumachen.

Rätsel Lanz, Gerichtsreporterin Friedrichsen, Altkanzler mit Knarre

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Mo, 07/01/2019 - 08:54

1. TV-Kritik zu Markus Lanz: Niveaumäßig auf Grasnarben-Höhe
(fr.de, Daland Segler)
Bei Markus Lanz waren zuletzt die Grünen-Politiker Annalena Baerbock und Robert Habeck zu Gast und wurden von diesem teilweise scharf angegangen. Daland Segler kritisiert: „… ein Moderator, der nicht moderiert, sondern Fragen abschießt, der in seiner typischen Haltung, ganz vorne auf der Stuhlkante sitzend, als wolle er sich auf das Gegenüber stürzen (und so seine Nervosität und Überforderung zeigt) fast nie schafft, seine Gäste ausreden zu lassen und dann irgendwann sagt: „Lasst uns diese Schärfe rausnehmen“ — die er selbst hineingebracht hat in das Gespräch: Solch ein Mann dürfte nie und nimmer eine Talkshow leiten. Nun tut das aber Markus Lanz seit Jahren, und es ist eines der großen Rätsel der bundesdeutschen Fernsehlandschaft, dass er das trotz seiner offensichtlichen Unfähigkeit immer noch tut.“

2. „Ich war die einzige Frau“
(taz.de, Doris Akrap)
Die bekannte Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen arbeitete 16 Jahre für die „FAZ“, 27 Jahre für den „Spiegel“ und seit nunmehr drei Jahren schreibt sie für die „Welt“. Im Interview spricht sie über ihren beruflichen Werdegang, die Besonderheiten des NSU-Prozesses und darüber, mit welchem Blick sie auf eine Gerichtsverhandlung schaut.

3. «Journalismus ist nicht marktfähig»: Warum Verlage nun experimentieren müssen
(tagblatt.ch, Michael Genova & Kaspar Enz)
Den Zeitungsverlagen brechen mehrheitlich die Einnahmen weg. Was tun? Der Medienwissenschafter Guido Keel plädiert für Hinwendung zum Digitalen, spricht sich für Bezahlschranken aus und rät den Lokalzeitungen zu Experimenten.

4. Der Altkanzler und die Knarre – wenn Fotos einen schlechten Eindruck machen
(maz-online.de)
Vor ein paar Tagen postete die „heute show“ ein Bild von Ex-Kanzler Gerhard Schröder, das diesen in James-Bond-Pose mit seiner Frau im Arm und einer Pistole zeigte. Daraufhin hagelte es in den Sozialen Medien Kritik und Häme. Entstanden war das Bild anlässlich der Kieler Woche. Bei der „Waffe“ handelte es sich um die Startpistole für eine Segelregatta. Anders als der Altkanzler hätten andere Politiker solch ein Bild nicht zugelassen: „Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) meidet zum Beispiel jegliches Kriegsgerät im Hintergrund, das sich später wieder als zu teuer oder zu kaputt oder als ethisch umstritten herausstellen könnte, also zum Beispiel Kriegsdrohnen. Sucht man nach „Startschuss“-Fotos von ihr, wirft sie deshalb eher eine Sektflasche gegen einen Schiffsrumpf oder hält einen symbolischen Schlüssel oder eine Korvetten-Silhouette in die Höhe.“

5. Journalistin Jana Avanzini wegen Hausfriedensbruch verurteilt
(sueddeutsche.de, Isabel Pfaff)
Nun ist es tatsächlich so gekommen, wie es viele Schweizer Medienschaffende befürchtet haben: Das Luzerner Bezirksgericht hat die Journalistin Jana Avanzini wegen Hausfriedensbruchs verurteilt. Die Journalistin hatte für eine Recherche ein besetztes Haus betreten. Die Buße beträgt 500 Franken, doch dazu kommen Gerichtskosten und die Anwaltskosten der Klägerin, so dass Avanzini insgesamt etwa 4.300 Franken berappen muss.

6. Warum wir uns für uns und andere schämen
(deutschlandfunknova.de, Dominik Schottner, Audio: 24:08 Minuten)
Im „Ab 21“-Podcast auf „Deutschlandfunk Nova“ geht es um Peinlichkeit. Warum schämen wir uns, und warum hat das Filmpublikum ein so hohes Interesse an schambesetzten Themen? Darüber geben der Peinlichkeitsforscher Paulus Frieder (Uni Lübeck) und der Filmexperte und Youtube-Filmkritiker Wolfgang M. Schmitt („Die Filmanalyse“) Auskunft.

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Das große „Bild“-Drama-ABC

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Fr, 06/28/2019 - 15:48

Am vergangenen Dienstag war die Ttitelseite der „Bild“-Zeitung gleich doppelt dramatisch:

Was bei uns die Frage aufwarf, welche „Dramen“ es bei „Bild“ in letzter Zeit eigentlich noch so alles gab – et voilà:































































(Aus: „Bild“ und „Bild am Sonntag“, 2018 & 2019)

Polizei als Nacktbild-Verbreiter, MDR-Reichsbürger Steimle, Twitter-Urteil

Deutschland Aktuelle Nachrichten - Fr, 06/28/2019 - 08:54

1. Für Likes tun wir alles, ihr Freund und Helfer
(dasnuf.de, Patricia Cammarata)
Vor einigen Tagen stoppte die brandenburgische Polizei einen Zweiradfahrer, der nur mit Helm und Sandalen bekleidet war. Die Beamten machten Fotos von dem Nackten, die sie auf Twitter für eine Mitmach-Aktion verwendeten: „Wie würden Sie dieses Bild betiteln?“ Überhaupt nicht witzig, findet Patricia Cammarata: „Ich finde den Tweet in diesem Kontext, veröffentlicht von einer staatlichen Institution für moralisch höchst zweifelhaft und genauso zweifelhaft finde ich jede weitere Verbreitung, v.a. durch Stellen, die in irgendeiner Form neutrale Öffentlichkeit repräsentieren. Und die Verbreitung ist enorm. Ich habe den Tweet heute z.B. im Guardian verlinkt entdeckt. Glaubt ihr wirklich, dass dieser Herr, der sich morgens in Brandenburg entschieden hat, nackt auf seinen Roller zu steigen, mit dieser Öffentlichkeit gerechnet hat? Rechnen musste? Ihr zuckt mit den Schultern? Wie würdet ihr den Fall sehen, wenn es um euch selbst, euren Vater, euren Onkel oder sonst eine Person geht, der ihr nahe steht?“

2. Grenzen der Satire? Der MDR und Uwe Steimle
(ndr.de, Nadja Mitzkat)
Gegen Geflüchtete hetzen, das Reichsbürgermärchen von Deutschland als besetztem Land und Merkel als „Marionette“ verbreiten und mit „Kraft durch Freunde“-T-Shirt provozieren. Für all dieses hat der MDR einen Mann: den Schauspieler und Kabarettisten Uwe Steimle. Seit Jahren gibt es begründete Kritik an den Äußerungen Steimles, doch der MDR hat eine geschickte Politik entwickelt, um an dem Mann festzuhalten: Man verteidigt ihn und distanziert sich gleichzeitig.

3. Fake News auf Staatskosten
(taz.de, Reinhard Wolff)
Die staatliche PR-Agentur in Norwegen hat sich eine zweifelhafte Idee einfallen lassen, um das Land ins Gespräch zu bringen. Angeblich würden die Bewohner einer Insel eine „zeitlose Zone“ errichten. Mehr als 1000 Medien weltweit übernahmen die Meldung, schließlich handelt es sich bei der staatlichen Informationsagentur „Innovasjon Norge“ eigentlich um eine seriöse Quelle.

4. Gerichtsurteil: Twitter muss Account von Dietrich Herrmann freischalten
(flurfunk-dresden.de, Peter Stawowy)
Twitter hat unlängst strittige Regeln eingeführt, um Wahlmanipulationen zu unterbinden, darunter fallen auch satirische Bemerkungen. Eines der Opfer des neuen Twitter-Hausrechts war der Grünen-Politiker Dietrich Herrmann, der für einen Tweet gesperrt wurde (Herrmann hatte einen oft gemachten Witz gepostet, in dem AfD-Wähler dazu aufgefordert werden, bei der Wahl die Unterschrift auf dem Wahlzettel nicht zu vergessen). Das Landgericht Dresden hat Twitter nun dazu verurteilt, den Account wieder freizugeben.

5. Finde es so witzig…
(twitter.com/ohhellokathrina, Kathrin Weßling)
Kathrin Weßling verschafft sich auf Twitter mit einem Stoßseufzer etwas Luft: „Finde es so witzig, wie einige Seiten in diesem Internet einfach fast ausschließlich von eingebetteten Tweets leben oder FB Screenshots, nix davon vergüten und sich schön die Taschen vollmachen. Und mit „witzig“ meine ich asozial. Aber was rede ich von „Vergütung“ — wenn es nicht mal Standard ist zu fragen, ob es okay ist, aus fremden Inhalten mit ein paar banalen Zwischenheadlines vermeintlich eigenen Content zu kreieren.“ Der „6 vor 9“-Kurator schließt sich dem Seufzer aus aktuellem Erleben an. #PerlendesLokaljournalismus

6. „Katastrophe biblischen Ausmaßes für die deutsche Branche“
(golem.de, Peter Steinlechner)
Für Computerspieleentwickler waren 2019 noch staatliche Unterstützungen von 50 Millionen Euro vorgesehen. Viele Studios erwarteten für 2020 eine ähnliche Förderung, doch dies erscheint nach derzeitigem Stand sehr unwahrscheinlich.

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