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Deutschland Aktuelle Nachrichten

Ein Watchblog für deutsche Medien
Aktualisiert: vor 17 Stunden 50 Minuten

Seelische Hornhaut der „Kronen Zeitung“, Jürgs-Nachruf, Velerkultur

Mo, 07/08/2019 - 08:54

1. Presserat rügt „Krone“ wegen erfundenen Interviews mit Witwe
(derstandard.at)
Sie muss zentimeterdick sein, die seelische Hornhaut bei der österreichischen „Kronen Zeitung“. Dort hat man in Zusammenhang mit dem Todesfall eines Kärntner Gastronomen nicht nur ein unverpixeltes Familienfoto samt minderjähriger Tochter veröffentlicht. Nein, man hat auch noch ein erfundenes Interview mit der Witwe zusammenfantasiert. Nachdem es eine Rüge vom Presserat gab, versicherte der „Kronen“-Chef, man werde in Zukunft „noch behutsamer und vorsichtiger vorgehen“. „Noch“ …

2. Pierre M. Krause: „Auch ein Auslacher ist ein Lacher“
(dwdl.de, Kevin Hennings)
„DWDL“ hat sich mit dem TV-Moderator Pierre M. Krause über dessen Late-Night-Format („Pierre M. Krause Show“), einen potenziellen Senderwechsel und die Notwendigkeit einer täglichen Late-Night unterhalten.
Tipp: Wem Krauses sehenswerte SWR3-Latenight bislang entgangen ist: In der ARD-Mediathek gibt es einige der vergangenen Sendungen.

3. 7500 Zeichen am Tag
(sueddeutsche.de, Hans Leyendecker)
Ende vergangener Woche ist der Journalist Michael Jürgs nach einer schweren Krebserkrankung im Alter von 74 Jahren verstorben. Jürgs war ein journalistischer Frühstarter und schon mit 23 Feuilleton-Chef bei der Münchner „Abendzeitung“. Stationen bei „Tempo“ und „Stern“ folgten. Daneben schrieb Jürgs einige Sachbücher und Biografien (unter anderem den Bestseller „Der Fall Romy Schneider“) und moderierte die NDR-Talkshow. Hans Leyendecker erinnert an einen bemerkenswerten Journalisten und Publizisten.
Weiterer Tipp: Jürgs gab „Zapp“ 2013 ein Interview über die „Zukunft des Journalismus“. Hintergrund war der Verkauf verschiedener Springer-Regionalzeitungen an die Funke Mediengruppe.

4. „Der Satiriker darf erst mal alles“
(spiegel.de, Elisa von Hof)
Dominik Bauer ist Teil des Karikaturisten-Duos „Hauck und Bauer“ und dort für den nicht-zeichnerischen Part zuständig. Im Gespräch mit „Spiegel Online“ geht es um den Karikaturen-Ausstieg der „New York Times“, die Bedeutung der Sozialen Medien, Shitstorms und Beifall von der falschen Seite.

5. Hinterzimmer-Politik
(uebermedien.de, Andreas Püttmann)
„Übermedien“ fragt regelmäßig nach dem persönlichen „Hasswort“. Für den Politikwissenschaftler und freien Publizisten Andreas Püttmann ist es der Begriff von der „Hinterzimmer-Politik“.

6. Wir sind das Medienmagazin „journalist“ und haben auf unserem Juli-Cover das Wort „Journalismus“ falsch geschrieben. Argh.
(twitter.com/journ_online)
Kein Medium ist vor Rechtschreibfehlern oder unglücklichen Formulierungen gefeit. Das Medienmagazin „journalist“ atmet den Schmerz über einen Lapsus weg, indem es auf Twitter die Kolleginnen und Kollegen nach ähnlichen Schnitzern fragt. Die Ergebnisse sind teilweise ganz lustig und zugleich beruhigend. Schließlich machen wir alle mal einen Veler.

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AfD-Talkshows, „Mad“-Aus, Harald Schmidts Dieter-Nuhrisierung

Fr, 07/05/2019 - 08:54

1. „Öffentlich-rechtliche Talkshows sind Werbeträger für die AfD“
(deutschlandfunk.de, Sebastian Wellendorf, Audio: 8:30 Minuten)
Der Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister spricht im Deutschlandfunk über die Rolle von Talkshows in Bezug auf politische Berichterstattung. Hachmeister nennt das Format ein „Ritual der Politiksimulation“, das durch Taktung und Inszenierung der AfD in die Hände spiele: „Man muss eigentlich dieses System austrocknen, man müsste diesen Talkshow-Sumpf, um es mal so hart zu sagen, trockenlegen. Und das gelingt nur, indem man ihm insgesamt weniger Beachtung schenkt, auch über die sozialen Medien, über Twitter. Es kommt ja noch dazu, dass diese Talkshows in den Tageszeitungen zum Teil rezensiert werden wie Theateraufführungen, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zum Beispiel, die macht das regelmäßig, auch online. Und damit bekommt das Ganze ja noch mehr Gewicht, und das ist insgesamt für die Temperatur der gesellschaftlichen Debatte kein guter Zustand.“

2. Die Dieter-Nuhrisierung von Harald Schmidt
(blogs.faz.net, Martin Benninghoff)
Der „FAZ“-Autor Martin Benninghoff ist über einige Äußerungen von Harald Schmidt im Interview mit dem ORF verwundert und fragt: „Kann es sein, dass Schmidt eine Dieter-Nuhrisierung durchmacht? Indem er aus einer Position der Selbstgefälligkeit heraus den bräsigen Mainstream bedient?“

3. Hans-Ulrich Jörges zittert um Angela Merkel
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier wundert sich, wie „Stern“-Kolumnist Hans-Ulrich Jörges es schafft, eine ganze Seite mit Geraune und Spekulationen über Angela Merkels Gesundheitszustand zu füllen: „Er weiß, um es vorwegzunehmen, nichts über den Gesundheitszustand von Angela Merkel. Er sieht die Bilder, die wir alle gesehen haben, und dann geht er zum Recherchieren in seinen Kopf und lässt uns staunend teilhaben an den Abgründen, die sich dort auftun.“

4. Kriminalisierung von Tor-Servern stoppen
(reporter-ohne-grenzen.de)
Reporter ohne Grenzen kritisiert die Bestrebungen des Bundesinnenministeriums, Tor-Server und Anonymisierungsdienste zu kriminalisieren. Die Organisation wäre davon selbst betroffen: „Wir wehren uns gegen die Kriminalisierung unseres Einsatzes für Anonymität im Internet. Nur weil wir Tor-Knoten betreiben, sind wir nicht kriminell. In unseren Trainings zur digitalen Sicherheit erleben wir täglich, wie wichtig ein VPN oder der Tor-Browser für die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten geworden ist. Solche Angebote gilt es im Zeitalter zunehmender Überwachung zu stärken, anstatt zu kriminalisieren.“

5. LKA ermittelt nach tausenden Hass-Kommentaren zu Lübcke
(hessenschau.de, Heike Borufka & Tobias Lübben)
Im Zusammenhang mit dem Mord am früheren Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke tut sich ein Abgrund von Hass und Häme im Internet auf. Das Landeskriminalamt Hessen will der geballten Hasskriminalität nun mit einer eigens dafür eingerichteten Arbeitsgruppe begegnen. Man rechne mit mehreren tausend Strafverfahren.
Weitere Lesetipps: t-online.de berichtet über die Initiative HateAid: Opfer erzählt: So half mir die neue Shitstorm-Feuerwehr. Siehe dazu auch den Facebook-Eintrag von HateAid-Mitgründer Gerald Hensel.
Außerdem einen Blick wert: der Bericht zur neuen Hate-Speech-Studie: Eine massive Einschränkung der Meinungsvielfalt (belltower.news, Oliver Saal & civic.net).

6. Regular Issue Mad Covers
(madcoversite.com, Dough Gilford)
Das amerikanische „Mad“-Magazin steht nach 67 Jahren kurz vor dem Aus und füllt die nächsten Ausgaben nur noch mit Alt-Material. Vielleicht ein Anlass, einen wehmütigen Blick auf Dough Gilfords Website zu werfen, auf der alle „Mad“-Cover seit 1952 abgebildet sind.

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„Bild“ verfälscht Martin Schulz zum „selbstsüchtigen Clown“

Do, 07/04/2019 - 20:00

Natürlich könnte man jetzt sagen: Selbst schuld, der Martin Schulz, dass er „Bild“ ein Interview gibt, und die Redaktion seine Aussage in der Überschrift dann so verfälscht, dass er aussieht wie eine Mischung aus einem bockigen Kind und einem „selbstsüchtigen Clown“, wie Juso-Chef Kevin Kühnert es treffend formuliert. Schulz hatte im Gespräch mit „Bild“ zur Nominierung von Ursula von der Leyen für das Amt der EU-Kommissionspräsidentin und zu dem Prozess dahinter gesagt:

„Eindeutig habe ich das Gefühl: Gewisse Leute machen meine Vorstellung eines demokratischen Europas kaputt.“

Und die „Bild“-Redaktion machte daraus:

… als meinte der SPD-Politiker, ihm gehöre Europa (was er ja so gar nicht behauptet hat).

Natürlich könnte man jetzt also sagen: selbst schuld. Und dennoch ist das ständige Verfehlen minimaler journalistischer Standards durch die „Bild“-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter kein Persilschein für diese, Leuten das Wort im Mund umzudrehen.

Der bereits erwähnte Kevin Kühnert sagt übrigens, dass er „persönlich andere Konsequenzen als Martin Schulz“ ziehe und den „Bild“-Medien „keine Interviews und Statements“ gebe. Das halten wir nicht für die schlechteste Idee.

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Noch Leser da?, Unlesbare E-Books, Presserat-„Hinweis“ für „Bild“

Do, 07/04/2019 - 08:54

1. Hallo Leser, noch da?
(kontextwochenzeitung.de, Rainer Stephan)
Rainer Stephan hat sich Gedanken zum Medienwandel gemacht und zieht einen interessanten historischen Vergleich: „An wen erinnern wir uns, wenn wir an große deutsche Publizisten denken? An Maximilian Harden, der sich im Untertanenklima des deutschen Kaiserreichs nicht scheute, den Monarchen persönlich in die Schranken zu fordern. An Karl Kraus — als die tonangebenden Geistesgrößen 1914 unisono den Krieg begrüßten, überzog er sie unnachgiebig mit seinen Wut- und Intelligenztiraden. Weil die großen Zeitungen das nicht ertrugen, gründeten Harden wie Kraus kurzerhand eigene Blätter, „Die Zukunft“ und „Die Fackel“, die sie praktisch im Einmannbetrieb gestalteten. Sie, und nicht die heutigen Leitmedien, sind die Vorgänger der kritischen Blogger und Youtuber.“

2. „Die nächsten Monate werden supergefährlich“
(sueddeutsche.de, Martin Bernstein)
Der Journalist Robert Andreasch ist für seine jahrelange Dokumentation der rechtsextremen Szene mit dem Publizistikpreis der Stadt München ausgezeichnet worden. Andreasch geht seiner Tätigkeit bereits seit mehr als 25 Jahren nach und ist dabei sowohl ins Visier von Neonazis als auch Verfassungsschutz geraten.
Weiterer Lesetipp: Drohbriefe an Journalisten: ABC-Alarm beim WDR Studio Dortmund (wdr.de).

3. Der Nutzer wünscht sich einen Kiosk im Netz
(faz.net, Nora Sefa)
Die Landesanstalt für Medien NRW hat Menschen zur „Zahlungsbereitschaft für digitaljournalistische Inhalte“ befragt. Von vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Befragung wurde die Idee einer allumfassenden Kiosk-Lösung geäußert, die Inhalte verschiedener Medienhäuser zum Einzelabruf anbietet. Kommentar des „6 vor 9“-Kurators: Die Befragten mögen sich ein derartiges Angebot wünschen, ob sie es nutzen, ist eine andere Frage. Bemühungen in dieser Richtung blieben in der Vergangenheit erfolglos („Blendle“). Und auch „Readly“ mit seiner Magazin-Flatrate tut sich noch schwer in Deutschland.

4. Wenn der Mensch mit der Maschine: die Zukunft des Journalismus ist hybrid
(medienwoche.ch, Adrian Lobe)
Der US-Journalist Nicholas Diakopoulos hat ein Buch zur Automatisierung des Journalismus geschrieben („Automating the News“). Adrian Lobe hat sich das Buch angeschaut und fasst die wichtigsten Erkenntnisse daraus zusammen.

5. Lizenz zum Lesen, oder auch nicht
(taz.de, Helena Werhahn)
Stell dir vor, dein Buchhändler bricht nachts in dein Haus ein, entwendet einige deiner Bücher und schleicht sich wieder aus dem Haus. Was in der Realwelt schwer vorstellbar ist, praktiziert derzeit Microsoft mit dem Einstellen seiner E-Book-Sparte. Microsofts E-Book-Kunden können nicht nur keine weiteren Bücher erwerben, es gehen auch alle in der Vergangenheit erworbenen Bücher verloren. Der deutsche Buchhandel hätte sich kein besseres Szenario zur Bewerbung des klassischen Buchs ausdenken können.

6. Presserat: „Bild“-Artikel über Ausgewogenheit von „Bild“ zu einseitig
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Der Deutsche Presserat stellt nach einer Beschwerde von „Übermedien“ fest, dass der „Bild“-Artikel über die Ausgewogenheit von „Bild“ zu unausgewogen war, und spricht einen „Hinweis“ (PDF) aus. „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt gibt sich wie gewohnt uneinsichtig. Stefan Niggemeier dröselt den Vorgang auf.

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Kurz korrigiert (530)

Mi, 07/03/2019 - 17:54

Der Astronaut Ulrich Walter hat schon einiges erlebt und kann davon wunderbar erzählen, wie etwa gestern Abend bei „Markus Lanz“. Auf dem Mond war Walter allerdings noch nie, auch wenn Bild.de das heute behauptet:

Es war bisher übrigens noch überhaupt kein Deutscher und auch kein Europäer auf dem Mond.

Mit Dank an Michael René S. und Micha für die Hinweise!

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Julian Reichelt sieht keine toten Menschen

Mi, 07/03/2019 - 16:29

Nach einem schweren Busunfall auf Madeira im April dieses Jahres, bei dem 29 Menschen starben, zeigte Bild.de viele Fotos, auf denen die Opfer des Unglücks zu sehen waren. Über diese Veröffentlichung beschwerten sich mehrere Personen beim Deutschen Presserat.

Zum Prozedere gehört es dann, dass auch die Redaktion, gegen die sich eine Beschwerde richtet, Stellung nehmen kann. Das hat in diesem Fall Julian Reichelt übernommen. Und der „Bild“-Chef entgegnete den Vorwürfen mit einer sehr eigenen Version der Vorgänge. Im Bericht des Presserats steht:

Der Vorsitzende der Chefredaktionen trägt vor, die Beschwerde sei erkennbar unbegründet, weshalb er sich kurzfassen wolle: An dem tragischen Busunglück in Madeira, von dem auch viele deutsche Urlauber betroffen waren, habe ein besonders großes öffentliches Informationsinteresse bestanden. Diesem Interesse habe man entsprochen, nicht mehr und nicht weniger — wie alle anderen Medien auch. Und unter Einhaltung sämtlicher presseethischer Grundsätze über ein Aufsehen erregendes zeitgeschichtliches Ereignis berichtet. Anders als die Beschwerdeführer behaupten, habe man insbesondere keine Fotos der getöteten oder lebensgefährlich verletzten Opfer gezeigt. Man habe aber — natürlich, weil man als Presse dazu verpflichtet sei — die Fotos der Unfallstelle gezeigt, an der eine Vielzahl von Helfern darum bemüht war, den Opfern zu helfen. Teilweise — mit „viel gutem Willem“ — identifizierbar seien lediglich einige wenige leicht verletzte Opfer des Busunglücks. Dies jedoch sei im Rahmen des unstreitig gegebenen öffentlichen Interesses i.S.v. Ziffer 8 Pressekodex im Hinblick auf eine vollständige und umfassende Berichterstattung unvermeidbar und verletze weder Recht noch Presseethik.

Kurzum: Ihre Bild- und Textberichterstattung über den tragischen Unglücksfall auf Madeira sei absolut medienubiquitär und in keiner Weise zu beanstanden. Die Beschwerden seien allesamt zurückzuweisen.

Erstmal zur Frage der Identifizierbarkeit der von Bild.de gezeigten Personen. Zu dem Thema schreibt der Medienrechtler Udo Branahl in seinem Lehrbuch:

An die Erkennbarkeit des Betroffenen stellt die Rechtssprechung (…) nicht sehr hohe Anforderungen. Sie verlangt nicht etwa, dass ein erheblicher Teil des Publikums die gemeinte Person erkennen kann, sondern lässt es ausreichen, dass sie von Kollegen, Freunden, Bekannten oder Verwandten erkannt werden kann.

Wenn Reichelts Redaktion Aufnahmen veröffentlicht, die Personen in einer Totalen unverpixelt zeigen, ist also nicht „viel guter Wille“ notwendig, um von einer identifizierenden Berichterstattung zu sprechen. Das dürfte auch für das Foto gelten, auf dem ein Verletzter deutlich größer, aber verpixelt zu sehen ist, da dieser für „Kollegen, Freunde, Bekannte oder Verwandte“ etwa anhand seiner Kleidung immer noch zu erkennen sein dürfte.

Reichelts Argument, dass man insbesondere keine Fotos der getöteten oder lebensgefährlich verletzten Opfer gezeigt habe, ist schlicht falsch. Entweder weiß er nicht, was seine Redaktion so alles veröffentlicht hat, oder er lügt. Bild.de zeigte noch am Tag des Unfalls ein Foto, auf dem Leichen vor dem verunglückten Bus unvepixelt zu sehen waren:


(Alle Unkenntlichmachungen in diesem Beitrag stammen von uns.)

Und als Bild.de die Aufnahme bereits nach und nach verpixelt hatte, druckte die „Bild“-Zeitung ein ähnliches Foto noch einmal komplett ohne Unkenntlichmachung:

Der Presserat sah es dann auch anders als Julian Reichelt und sprach eine Missbilligung aus:

Der Beschwerdeausschuss erkennt in der Berichterstattung unter der Überschrift „Reisebus mit 55 Menschen auf Madeira verunglückt“ einen Verstoß gegen den in Ziffer 8 des Pressekodex festgeschriebenen Schutz der Persönlichkeit und die in Ziffer 11 des Pressekodex festgehaltene Sensationsberichterstattung.

Das Gremium sieht in der Veröffentlichung von Fotos, die Opfer des Unglücks unverfremdet und identifizierbar zeigen, einen Verstoß gegen deren Persönlichkeitsschutz gemäß Richtlinie 8.2 des Pressekodex. Der Umstand, dass jemand Opfer eines Busunglücks wird, macht denjenigen grundsätzlich nicht zu einem legitimen Objekt des öffentlichen Interesses. Das Wissen um die Identität der Betroffenen trägt vorliegend in keiner Weise zum besseren Verständnis vom Unfallhergang bei. Bloße Neugier der Leser rechtfertigt hingegen keine identifizierende Berichterstattung. Daher überwiegen die schutzwürdigen Interessen der Betroffenen. Die Veröffentlichung von unverfremdeten Fotos der Opfer im Moment ihres Leids lässt diese in der Öffentlichkeit erneut zu Opfern werden und verstößt insofern auch gegen Richtlinie 11.3 des Pressekodex.

Mit Dank an André W. für den Hinweis!

Nachtrag, 17:12 Uhr: Drüben bei „Übermedien“ berichtet Stefan Niggemeier über eine weitere Entscheidung des Presserats gegen „Bild“.

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Facebooks 2 Mio-Bußgeld, Straches Bester, Klöckners Nestlé-Video

Mi, 07/03/2019 - 08:54

1. Wegen Intransparenz bei rechtswidrigen Inhalten: Facebook soll zwei Millionen Euro Bußgeld zahlen
(netzpolitik.org, Alexander Fanta & Markus Beckedahl)
Das Justizministerium hat Facebook ein Bußgeld von zwei Millionen Euro auferlegt. Der Grund: Verstöße gegen das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG). Laut Pressemitteilung des Bundesamts für Justiz rüge man insbesondere, dass Facebooks Angaben zur Anzahl der eingegangenen Beschwerden über rechts­widrige Inhalte unvollständig seien. „Dadurch entsteht in der Öffentlichkeit über das Ausmaß rechtswidriger Inhalte und die Art und Weise, wie das soziale Netzwerk mit ihnen umgeht, ein verzerrtes Bild.“

2. Straches Bester muss gehen
(sueddeutsche.de, Oliver Das Gupta)
Bei der österreichischen „Kronen Zeitung“ gibt es personelle Veränderungen, die wahrscheinlich auf das Ibiza-Video mit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache zurückgehen. In der Aufzeichnung hatte Strache alle Journalisten pauschal als „Huren“ beschimpft, nur den ihm gewogenen „Kronen“-Online-Chef Richard Schmitt ausgenommen und ihn als „einer der besten Leute“ gepriesen. Oliver Das Gupta kommentiert: „Diese Zuneigungsbekundung des Rechtspopulisten ist durchaus nachvollziehbar: Denn unter Schmitts Führung berichtete Krone.at verlässlich meinungsstark und bisweilen hetzerisch Themen über Ausländer, Flüchtlinge und den Islam — meist versehen mit einem Dreh, der FPÖ-Leuten genehm gewesen sein dürfte.“

3. ARD-Moderator ließ AfD-Mann mit Abstand meiste Redezeit – nun äußert sich „Hart aber fair“
(watson.de, Philip Buchen)
„Watson“ hat die Redeanteile an der umstrittenen „Hart aber fair“-Sendung mit dem rechtspopulistischen AfD-Politiker Uwe Junge ausgewertet. Mit mehr als 15 Minuten Redezeit dominierte Junge den Talk. Die „Hart aber fair“-Redaktion erklärt dies mit einer „inhaltlich klaren 1:4-Konstellation“.

4. Wie Lokaljournalisten sich von Facebook coachen lassen
(deutschlandfunk.de, Jörg Wagner)
Lokalzeitungen haben es zu Zeiten des Medienwandels besonders schwer. Neuerdings finanziert Facebook lokaljournalistische Projekte mit Millionenbeiträgen. Medienjournalist Jörg Wagner war zu Besuch bei einem Seminar des „Facebook-Local-Accelerator-Programms“ für 60 Teilnehmende aus 14 Verlagen, bei dem die Chatham House Rule galt.

5. Das Video geht klar
(taz.de, Peter Weissenburger)
Bei dem gemeinsamen Video der Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner und dem Nestlé-Chef habe es sich nicht um Schleichwerbung gehandelt, so die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB). Dass die Sache dennoch nicht ganz klar ist, erkennt man daran, dass die MABB mit den anderen Anstalten Leitlinien für ähnliche Fälle erarbeiten will.

6. n-tv entschuldigt sich für Neonazi im Programm
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Beim Nachrichtensender n-tv werden in der Sendung „Netzreporter“ regelmäßig Tweets zu aktuellen Themen verlesen. In einem Beitrag über Seenotrettung wurde unkommentiert ein Tweet eines bekennenden und bekannten Neonazis eingeblendet und vorgelesen. „Übermedien“ hat beim Sender nachgefragt, welches journalistische Grundverständnis dem zugrunde liegt.

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„Bild“ weiß kaum etwas und schreit: Alarm in „unserem Freibad“

Di, 07/02/2019 - 21:41

Auf der „Bild“-Titelseite ist heute wieder Alarm:

… was bei uns gleich mehrere Fragen aufwirft: Wer bildet das „Wir“ in dieser Schlagzeile — wessen Freibad soll nicht mehr so sein, wie es mal war? Und wer ist das „Die“ — wer soll es so zugerichtet haben, wie es laut „Bild“ jetzt sein soll, mit „+++ Schlägereien +++ Pöbeleien +++ Messer +++ Tränengas +++ Polizei +++“? Es gibt aus unserer Sicht nicht viele Möglichkeiten, wie man die „Bild“-Schlagzeile von heute verstehen kann, und die erste, auf die wir kommen, ist: „Die Ausländer haben uns Deutschen unser Freibad kaputtgemacht!“

Auf der kompletten Seite, die die „Bild“-Redaktion zu dem Thema veröffentlicht hat, bietet sie erstaunlich wenig, was die These des veränderten Freibads belegen könnte.

Der „Freibad-Report“ startet schon komplett vage:

Planschen, Pommes rot-weiß und Schlange stehen am Sprungturm — die Freibadsaison läuft bei Temperaturen von über 39 Grad auf Hochtouren.

Doch in diesem Jahr scheint die Stimmung in vielen Freibädern Deutschlands auffällig aggressiv zu sein.

„scheint“? Das ist ernsthaft die Grundlage, auf die sich die „Bild“-Redaktion beruft, wenn sie schreit: „In deutschen Freibädern wird es immer schlimmer!“? Sie hat offenbar null belastbaren Zahlen, die belegen könnten, dass es wirklich gefährlicher geworden ist in den Freibädern. Jedenfalls nennt sie keine. Stattdessen geht es schwammig weiter:

Zahlreiche Badegäste berichten von unangenehmen Erlebnissen, die Polizei von spektakulären Einsätzen!

„zahlreiche“ — sehr präzise!

Und auch Rainer Wendt, der Bundesvorsitzende einer Polizeigewerkschaft, der bei so einem Thema natürlich nicht fehlen darf, scheint keinerlei Ahnung zu haben, wie es genau aussieht, darf aber auch was sagen:

„Jeder versteht etwas anderes unter Spaß“, erklärt Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG).

„Der eine will mit seiner Familie in Ruhe baden, andere wollen Kräfte messen und laut Musik hören. Da ist Stress programmiert. Gefühlt gibt es immer mehr Polizeieinsätze in den Bädern.“

„Gefühlt“ reicht also inzwischen als Maßstab (was übrigens bestens zum Wochenmagazin „Bild Politik“ passt, bei dem laut „Bild“-Politikchef Nikolaus Blome der Grundsatz gelte: „Gefühle schaffen Fakten“).

„Bild“ liefert in dem Text dann noch ein paar Vorkommnisse („Pfefferspray“, „Belästigung“, „Messer-Attacke“, „Familien-Streit“, „Beißangriff“), die angeblich „zeigen: Das Miteinander im Freibad hat sich verändert.“ Aber auch hier: Exakt keine Details dazu, dass es mehr und/oder heftiger geworden ist.

Bei den meisten dieser Beispiele nennt die Redaktion nicht die Nationalitäten der Personen, die dort für Randale gesorgt haben sollen. Bei manchen aber schon: ein Mann aus dem Iran, ein Jugendlicher aus Syrien, ein Jugendlicher aus Deutschland — wobei der Deutsche das Opfer des beißenden Syrers sein soll. Das ist dann vermutlich die Antwort auf unsere Fragen, wer das „Wir“ und wer das „Die“ sein sollen.

Neben dem Haupttext präsentiert „Bild“ ein Gespräch mit „Deutschlands oberstem Bademeister“, dem Präsidenten des Bundesverbandes Deutscher Schwimmmeister Peter Harzheim. Allerdings klagt Harzheim gar nicht an, wie von „Bild“ auf der Titelseite behauptet, dass das „nicht mehr unser Freibad“ sei. Und er sagt auch nichts zu Schlägereien, Pöbeleien, Messern, Tränengas oder der Polizei. Stattdessen erzählt er, dass man immer häufiger geduzt werde, dass manche Freibadbesucher Mitarbeiterinnen des Bads nicht als Autoritätspersonen akzeptieren, und dass Leute immer wieder mit normaler langer Kleidung ins Wasser wollen (Burkinis oder UV-Kleidung seien für ihn hingegen völlig in Ordnung, so Harzheim, solange sie aus Schwimmtextilien bestehen). Also auch hier kein Hinweis darauf, dass an der „Bild“-Schlagzeile irgendetwas dran ist.

Der absurde Höhepunkt der „Bild“-Freibad-Seite ist aber sowieso der Besuch eines Reporters im Prinzenbad, Pardon, „im berüchtigten Prinzenbad“. Und wo, wenn nicht im berüchtigten Berlin-Kreuzberg, sollte „Bild“ auf die Abgründe des deutschen Freibads stoßen?

Das Prinzenbad in Berlin-Kreuzberg ist wohl das berühmteste Freibad Deutschlands. Auf jeden Fall ist es das berüchtigtste. Immer wieder wird es Schauplatz von Krawallen. (…)

BILD verbrachte einen Tag im Prinzenbad während der Hitzewelle

… und hat wirklich nichts gefunden. (Möglichst unspektakuläre Reportagen von angeblich gefährlichen Orten sind sowieso eine Spezialität der „Bild“-Medien.)

Die Schlimmsten Vorkommnisse:

7 Uhr: Bei Öffnung stehen rund 100 Menschen vor dem Tor. Darunter auch ein Security-Mann (25) und ein Siemens-Ingenieur (23), die vor ihrer Schicht ins Wasser wollen. Wenig später stehen sie im Wasser am Beckenrand und rauchen Zigaretten. Hinter ihnen ein Schild: „Rauchen verboten“.

7.30 Uhr: Die ersten Jugendlichen fangen an, am Ende des Beckens Arschbomben zu üben.

Und das heftigste Ereignis um 15:03 Uhr:

15.03 Uhr: 37 Grad. Die Security hält einen Mann aus Bulgarien fest. Er soll über den Zaun geklettert sein, ohne zu zahlen.

Hui!

Ansonsten: „Ein paar Oberschüler“, die sagen: „‚Dicker, heute wird Sonne böse, guck mal, wie blass ich bin, ja'“, drei Rentner, die „unter einem Sonnenschirm Rommé“ spielen, zwei Polizisten, die „durch das Bad“ laufen, aber „nur Präsenz“ zeigen, zwei Männer, die sich küssen, was aber niemanden interessiert außer den „Bild“-Reporter, und ein Junge, der zu einem anderen sagt: „‚Walla, du bist der größte Hurensohn, wenn du noch einen Schluck nimmst'“, denn, so der Autor: „Bei der Hitze ist Wasser ein kostbares Gut.“ Das Fazit des Besuchs:

Am Ende des Tages kamen 8300 Menschen. Ein guter Tag für das Prinzenbad. Keine Diebstähle, keine Krawalle.

Aber davon lassen sie sich bei „Bild“ selbstverständlich nicht ihre Stimmungsmache vermiesen.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber!

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Jack White wehrt sich gegen Heroin-Clickbait

Di, 07/02/2019 - 15:31

Eigentlich war es nur ein Scherz. Angesprochen darauf, warum sein neues Album nicht früher herausgekommen sei, witzelte Jack White („The Raconteurs“) neulich in einem Interview mit der „Irish Times“:

“Well, when Brendan [his Raconteurs bandmate] gave up alcohol, I started doing heroin, so that delayed things,” deadpans White.

Über das Interview berichtete dann auch die amerikanische Musikseite „Spin“ — mit der Überschrift:

The Raconteurs‘ New Album Was Delayed Because Jack White “Started Doing Heroin”

Nun hat sich Jack White selbst dazu geäußert. Bei Instagram schreibt er einen offenen Brief, den sich auch so manche deutsche Redaktion ruhig mal anschauen könnte:

Inzwischen hat „Spin“ die Überschrift geändert.

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Kurz korrigiert (529)

Di, 07/02/2019 - 13:40

In Stuttgart ist am Sonntag ein Balkon mit einem Pool darauf eingebrochen. Auch die „Bild“-Medien berichten über den Unfall und schildern das alles so:

Frank (54) und Maria Josefa R. (53) stellten ein drei Quadratmeter großes Planschbecken auf den Balkon über dem familieneigenen Zimmereibetrieb in Stuttgart. Mit ihren Töchtern Anna-Maria (22) und Brigitte (21) sowie deren Freunden Eric R. (27) und Gianluca P. (25) hielten sich die Eltern gegen 18 Uhr auf dem Balkon auf.

DANN KRACHTE ES!

Der Balkon, eine Holzkonstruktion, stürzte auf einer Seite ab, wurde aber von einem darunter parkenden Transporter abgefangen. Sechs Personen wurden laut Polizei leicht verletzt, eine musste ins Krankenhaus gebracht werden.

Zur „wahrscheinlichen Ursache des Unfalls“ schreiben „Bild“ und Bild.de:

Der Balkon war überlastet! Sven Matis, Sprecher der Stadt Stuttgart: „Der Balkon muss 400 Kilonewton pro Quadratmeter als Last aushalten. Laut Berechnung des Baurechtsamts wiegt Wasser mit 70 Zentimetern Höhe im Pool fast doppelt so viel wie zulässig.“

Da passt rechnerisch überhaupt nichts zusammen.

Erstmal zu dem Zitat des Sprechers der Stadt Stuttgart: Für 400 Kilonewton wäre ein Gewicht von über 40 Tonnen notwendig. Das wäre sehr viel. Wir haben bei Sven Matis nachgefragt, ob er den „Bild“-Autorinnen Anna Schmatz und Alexandra zu Castell-Rüdenhausen dieses Zitat so gegeben hat. Ja, habe er. Der Fehler liege bei ihm. Tatsächlich müsste es vier Kilonewton pro Quadratmeter heißen, so Matis.

Aber selbst mit dem richtigen Zitat wären die „Bild“-Angaben noch falsch: Der Pool war nicht „drei Quadratmeter groß“; er hatte einen Durchmesser von „etwa drei Metern“, wie die Polizei schreibt. Daraus ergibt sich eine Fläche von etwa sieben Quadratmetern. Und bei einer Höhe von 70 Zentimetern ein Volumen von 4900 Litern (statt 2100 Litern bei den „Bild“-Angaben). Das daraus resultierende Gewicht von 4900 Kilogramm waren für den Balkon offenbar zu viel.

Mit Dank an Vincenzo M. und Jonas H. für die Hinweise!

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Plasbergs Trauerspiel, Gesundes Misstrauen, Schwitzereporter

Di, 07/02/2019 - 08:54

1. Es war ein Trauerspiel
(spiegel.de, Arno Frank)
Als die „Hart aber fair“-Redaktion den Talkgast Uwe Junge (AfD) ankündigte, befürchteten viele, dass man hier jemandem die Bühne für Populismus und Demagogie bereite. Arno Frank hat die Sendung gesehen und findet alle Befürchtungen bestätigt.
Weiterer Lesehinweis: ARD fliegt Rechtfertigung für AfD-Gast um die Ohren (t-online.de, Lars Wienand)

2. Der DFB und seine aufmüpfigen Frauen
(journalist-magazin.de, Thilo Komma-Pöllath)
Thilo Komma-Pöllath hat anlässlich der Fußball-Frauen-WM ein Interview mit der Spielerführerin Alexandra Popp geführt. Popp sprach darin auch über die ungenügende gesellschaftliche Entwicklung im Fußball. Außerdem, so Popp, fühle man sich etwas vergessen und damit war wohl der DFB gemeint. Als das Interview von der Autorisierung zurückkam, seien alle Aussagen glattgebügelt worden. Der Autor habe noch beim DFB nachgefragt, doch die Antwort sei ausgeblieben und der Text zu seinem Leidwesen ohne die betreffenden Passagen erschienen.

3. Journalisten, kommt mal runter!
(dbate.de)
Auf der Jahreskonferenz des „Netzwerk Recherche“ ging es unter anderem um die Glaubwürdigkeitskrise im Journalismus und den Umgang mit Fehlern. Was macht guten Journalismus aus? Darüber hat „dbate“ mit dem österreichischen Journalist und Fernsehmoderator Armin Wolf, der NDR-Journalistin Anja Reschke, dem Medienjournalist Stefan Niggemeier, dem Hauptstadtjournalist Tilo Jung, dem Soziologen Stefan Schulz und dem Chefredakteur von „BuzzFeed“ Daniel Drepper gesprochen.

4. Mit Essiggurken gegen Adorno
(taz.de, Nils Markwardt)
Franz Josef Wagner ist der Namensgeber der berühmt-berüchtigten „Bild“-Gaga-Kolumne „Post von Wagner“. Immer wieder werden seine surrealen Wortbeiträge in den sozialen Medien persifliert. Besonders gut gelungen ist dies Nils Markwardt, der gleich eine ganze Reihe von Wagner-Briefen an bedeutende Philosophen und Denker verfasst hat.

5. Polizeiberichte kritisch hinterfragen
(djv.de, Hendrik Zörner)
Polizeiberichten sollte nicht blind vertraut werden. Darauf macht der Deutsche Journalisten-Verband in seiner jüngsten Pressemitteilung aufmerksam. Aktueller Anlass seien Presseinformationen der Polizei, in denen diese behauptet hatte, bei der Auseinandersetzung um den Tagebau Gartzweiler seien 16 Polizisten verletzt worden. Die Recherchen eines WDR-Journalisten hätten jedoch ergeben, dass nur zwei Polizisten durch Fremdeinwirkung verletzt wurden.

6. Der Schweiß ist heiß
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz, Video: 2:12 Minuten)
Wer leidet in Deutschland am meisten unter Hitze? Genau: Fernsehredaktionen! Sehen sie hier einen zweiminütigen Bericht der Schwitzereporter von „Das Erste“, „hr“, „MDR“, „NDR“, „n-tv“, „RB“, „rbb“, „Sat.1 NRW“, „SWR“, „Welt“ und „WDR“.

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„Bild“-Chef unterstützt Seenotretter

Mo, 07/01/2019 - 11:18

Wir freuen uns riesig über jede und jeden, die oder der uns bei Steady unterstützt, nur über einen nicht: Julian Reichelt. Der „Bild“-Chef schickt uns jedes Jahr 120 Euro. Und die wollen wir gern wieder loswerden.

Daher haben wir Reichelts 120 Euro vorhin an die von Klaas Heufer-Umlauf und Jan Böhmermann ins Leben gerufenen Spendenkampagne für private Seenotretter, die Crew der „Sea Watch 3“ und die inhaftierte Kapitänin Carola Rackete weitergeleitet:

Und noch ein Tipp für jede und jeden, die oder der ein paar Euro übrig hat: Es ist ganz einfach mitzumachen.

Rätsel Lanz, Gerichtsreporterin Friedrichsen, Altkanzler mit Knarre

Mo, 07/01/2019 - 08:54

1. TV-Kritik zu Markus Lanz: Niveaumäßig auf Grasnarben-Höhe
(fr.de, Daland Segler)
Bei Markus Lanz waren zuletzt die Grünen-Politiker Annalena Baerbock und Robert Habeck zu Gast und wurden von diesem teilweise scharf angegangen. Daland Segler kritisiert: „… ein Moderator, der nicht moderiert, sondern Fragen abschießt, der in seiner typischen Haltung, ganz vorne auf der Stuhlkante sitzend, als wolle er sich auf das Gegenüber stürzen (und so seine Nervosität und Überforderung zeigt) fast nie schafft, seine Gäste ausreden zu lassen und dann irgendwann sagt: „Lasst uns diese Schärfe rausnehmen“ — die er selbst hineingebracht hat in das Gespräch: Solch ein Mann dürfte nie und nimmer eine Talkshow leiten. Nun tut das aber Markus Lanz seit Jahren, und es ist eines der großen Rätsel der bundesdeutschen Fernsehlandschaft, dass er das trotz seiner offensichtlichen Unfähigkeit immer noch tut.“

2. „Ich war die einzige Frau“
(taz.de, Doris Akrap)
Die bekannte Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen arbeitete 16 Jahre für die „FAZ“, 27 Jahre für den „Spiegel“ und seit nunmehr drei Jahren schreibt sie für die „Welt“. Im Interview spricht sie über ihren beruflichen Werdegang, die Besonderheiten des NSU-Prozesses und darüber, mit welchem Blick sie auf eine Gerichtsverhandlung schaut.

3. «Journalismus ist nicht marktfähig»: Warum Verlage nun experimentieren müssen
(tagblatt.ch, Michael Genova & Kaspar Enz)
Den Zeitungsverlagen brechen mehrheitlich die Einnahmen weg. Was tun? Der Medienwissenschafter Guido Keel plädiert für Hinwendung zum Digitalen, spricht sich für Bezahlschranken aus und rät den Lokalzeitungen zu Experimenten.

4. Der Altkanzler und die Knarre – wenn Fotos einen schlechten Eindruck machen
(maz-online.de)
Vor ein paar Tagen postete die „heute show“ ein Bild von Ex-Kanzler Gerhard Schröder, das diesen in James-Bond-Pose mit seiner Frau im Arm und einer Pistole zeigte. Daraufhin hagelte es in den Sozialen Medien Kritik und Häme. Entstanden war das Bild anlässlich der Kieler Woche. Bei der „Waffe“ handelte es sich um die Startpistole für eine Segelregatta. Anders als der Altkanzler hätten andere Politiker solch ein Bild nicht zugelassen: „Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) meidet zum Beispiel jegliches Kriegsgerät im Hintergrund, das sich später wieder als zu teuer oder zu kaputt oder als ethisch umstritten herausstellen könnte, also zum Beispiel Kriegsdrohnen. Sucht man nach „Startschuss“-Fotos von ihr, wirft sie deshalb eher eine Sektflasche gegen einen Schiffsrumpf oder hält einen symbolischen Schlüssel oder eine Korvetten-Silhouette in die Höhe.“

5. Journalistin Jana Avanzini wegen Hausfriedensbruch verurteilt
(sueddeutsche.de, Isabel Pfaff)
Nun ist es tatsächlich so gekommen, wie es viele Schweizer Medienschaffende befürchtet haben: Das Luzerner Bezirksgericht hat die Journalistin Jana Avanzini wegen Hausfriedensbruchs verurteilt. Die Journalistin hatte für eine Recherche ein besetztes Haus betreten. Die Buße beträgt 500 Franken, doch dazu kommen Gerichtskosten und die Anwaltskosten der Klägerin, so dass Avanzini insgesamt etwa 4.300 Franken berappen muss.

6. Warum wir uns für uns und andere schämen
(deutschlandfunknova.de, Dominik Schottner, Audio: 24:08 Minuten)
Im „Ab 21“-Podcast auf „Deutschlandfunk Nova“ geht es um Peinlichkeit. Warum schämen wir uns, und warum hat das Filmpublikum ein so hohes Interesse an schambesetzten Themen? Darüber geben der Peinlichkeitsforscher Paulus Frieder (Uni Lübeck) und der Filmexperte und Youtube-Filmkritiker Wolfgang M. Schmitt („Die Filmanalyse“) Auskunft.

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Das große „Bild“-Drama-ABC

Fr, 06/28/2019 - 15:48

Am vergangenen Dienstag war die Ttitelseite der „Bild“-Zeitung gleich doppelt dramatisch:

Was bei uns die Frage aufwarf, welche „Dramen“ es bei „Bild“ in letzter Zeit eigentlich noch so alles gab – et voilà:































































(Aus: „Bild“ und „Bild am Sonntag“, 2018 & 2019)

Polizei als Nacktbild-Verbreiter, MDR-Reichsbürger Steimle, Twitter-Urteil

Fr, 06/28/2019 - 08:54

1. Für Likes tun wir alles, ihr Freund und Helfer
(dasnuf.de, Patricia Cammarata)
Vor einigen Tagen stoppte die brandenburgische Polizei einen Zweiradfahrer, der nur mit Helm und Sandalen bekleidet war. Die Beamten machten Fotos von dem Nackten, die sie auf Twitter für eine Mitmach-Aktion verwendeten: „Wie würden Sie dieses Bild betiteln?“ Überhaupt nicht witzig, findet Patricia Cammarata: „Ich finde den Tweet in diesem Kontext, veröffentlicht von einer staatlichen Institution für moralisch höchst zweifelhaft und genauso zweifelhaft finde ich jede weitere Verbreitung, v.a. durch Stellen, die in irgendeiner Form neutrale Öffentlichkeit repräsentieren. Und die Verbreitung ist enorm. Ich habe den Tweet heute z.B. im Guardian verlinkt entdeckt. Glaubt ihr wirklich, dass dieser Herr, der sich morgens in Brandenburg entschieden hat, nackt auf seinen Roller zu steigen, mit dieser Öffentlichkeit gerechnet hat? Rechnen musste? Ihr zuckt mit den Schultern? Wie würdet ihr den Fall sehen, wenn es um euch selbst, euren Vater, euren Onkel oder sonst eine Person geht, der ihr nahe steht?“

2. Grenzen der Satire? Der MDR und Uwe Steimle
(ndr.de, Nadja Mitzkat)
Gegen Geflüchtete hetzen, das Reichsbürgermärchen von Deutschland als besetztem Land und Merkel als „Marionette“ verbreiten und mit „Kraft durch Freunde“-T-Shirt provozieren. Für all dieses hat der MDR einen Mann: den Schauspieler und Kabarettisten Uwe Steimle. Seit Jahren gibt es begründete Kritik an den Äußerungen Steimles, doch der MDR hat eine geschickte Politik entwickelt, um an dem Mann festzuhalten: Man verteidigt ihn und distanziert sich gleichzeitig.

3. Fake News auf Staatskosten
(taz.de, Reinhard Wolff)
Die staatliche PR-Agentur in Norwegen hat sich eine zweifelhafte Idee einfallen lassen, um das Land ins Gespräch zu bringen. Angeblich würden die Bewohner einer Insel eine „zeitlose Zone“ errichten. Mehr als 1000 Medien weltweit übernahmen die Meldung, schließlich handelt es sich bei der staatlichen Informationsagentur „Innovasjon Norge“ eigentlich um eine seriöse Quelle.

4. Gerichtsurteil: Twitter muss Account von Dietrich Herrmann freischalten
(flurfunk-dresden.de, Peter Stawowy)
Twitter hat unlängst strittige Regeln eingeführt, um Wahlmanipulationen zu unterbinden, darunter fallen auch satirische Bemerkungen. Eines der Opfer des neuen Twitter-Hausrechts war der Grünen-Politiker Dietrich Herrmann, der für einen Tweet gesperrt wurde (Herrmann hatte einen oft gemachten Witz gepostet, in dem AfD-Wähler dazu aufgefordert werden, bei der Wahl die Unterschrift auf dem Wahlzettel nicht zu vergessen). Das Landgericht Dresden hat Twitter nun dazu verurteilt, den Account wieder freizugeben.

5. Finde es so witzig…
(twitter.com/ohhellokathrina, Kathrin Weßling)
Kathrin Weßling verschafft sich auf Twitter mit einem Stoßseufzer etwas Luft: „Finde es so witzig, wie einige Seiten in diesem Internet einfach fast ausschließlich von eingebetteten Tweets leben oder FB Screenshots, nix davon vergüten und sich schön die Taschen vollmachen. Und mit „witzig“ meine ich asozial. Aber was rede ich von „Vergütung“ — wenn es nicht mal Standard ist zu fragen, ob es okay ist, aus fremden Inhalten mit ein paar banalen Zwischenheadlines vermeintlich eigenen Content zu kreieren.“ Der „6 vor 9“-Kurator schließt sich dem Seufzer aus aktuellem Erleben an. #PerlendesLokaljournalismus

6. „Katastrophe biblischen Ausmaßes für die deutsche Branche“
(golem.de, Peter Steinlechner)
Für Computerspieleentwickler waren 2019 noch staatliche Unterstützungen von 50 Millionen Euro vorgesehen. Viele Studios erwarteten für 2020 eine ähnliche Förderung, doch dies erscheint nach derzeitigem Stand sehr unwahrscheinlich.

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Bis sich die Balken biegen (8)

Do, 06/27/2019 - 13:15

Aus der gestrigen „WAZ“:

Mit Dank an Christoph und H.!

Kopftuchklischees, Söders „Youtuber-Festival“, Rechte Debatten-Tricks

Do, 06/27/2019 - 08:54

1. So verschieben Sie eine Debatte nach rechts
(spiegel.de, Sascha Lobo)
Sascha Lobo hat eine Polemik über rechte Kommunikation verfasst. In einer Anleitung in 20 Schritten geht er die entscheidenden Debatten-Tricks der extremen Rechten durch.

2. So organisieren sich Rechtsextreme seit Wochen in neuen Telegram-Gruppen
(buzzfeed.com, Pascale Mueller & Marcus Engert & Juliane Loeffler & Rolf Regner)
„BuzzFeed News Deutschland“ liegen Unterlagen vor, wie sich rechtsextreme Personen in Chatgruppen austauschen, darunter „NPD-Politiker, bekannte Neonazi-Größen und organisierte Rechtsradikale mit Kontakten in die rechtsextreme Kampfsport- und Musikszene sowie zu einschlägigen, teils verbotenen Organisationen.“ Dabei geht es um 250 Personen, die dort ihr radikales Gedankengut teilen.
Weitere Leseempfehlung: Wer zu Neonazis recherchiert, muss sehr mutig sein. „Vice“ hat bei zwei dieser mutigen Personen nachgefragt, was sie antreibt und was sie bei der täglichen Arbeit erleben: Mordfall Lübcke: Diese Menschen machen die Arbeit, die der Verfassungsschutz nicht macht (vice.com, Matern Boeselager).

3. Wem gehört… The Missing Manual
(medium.com, Astrid Csuraji & Jakob Vicari)
Das Recherchekollektiv „Correctiv“ hat mit seiner Aktion „Wem gehört Hamburg?“ den Wohnungsmarkt ein Stückchen transparenter gemacht und ist dafür jüngst mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet worden. Daran anknüpfend haben Journalisten eine ähnliche Aktion für eine Stadt in Niedersachen ins Leben gerufen: „Wem gehört Lüneburg“. Im „Missing Manual“ berichten sie über ihre Erfahrungen mit einem derartigen journalistischen Projekt.

4. Söder will „Youtuber-Festival“ veranstalten
(sueddeutsche.de, David Steinitz)
Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder will ein „Youtuber-Festival“ samt „Influencer-Preis“ etablieren. Außerdem verlangt er eine Reform der deutschen Filmförderung, sprich mehr staatliche Unterstützung und Steuervorteile für Filmproduzenten.
Anmerkung des „6 vor 9“-Kurators: Siehe dazu auch Wikipedia: „Stupid German Money (engl.: dummes deutsches Geld) ist ein ursprünglich von der US-amerikanischen Filmwirtschaft geprägter Begriff für Gelder aus geschlossenen Medienfonds des deutschlandspezifischen grauen Kapitalmarkts. Diese Fonds wurden wegen hoher Abschreibungsmöglichkeiten als Steuersparmodell genutzt. Die Gelder flossen größtenteils in amerikanische Filmproduktionen.“

5. Maut-Verträge öffentlich machen
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband fordert den Bundesverkehrsminister auf, die Maut-Verträge Journalistinnen und Journalisten zur Einsicht zur Verfügung zu stellen: „Dass der Verkehrsminister auf das gerichtliche Verbot der Pkw-Maut mit Geheimniskrämerei reagiert, ist völlig unangemessen. Wenn es stimmt, dass ein zweistelliger Millionenbetrag aus Steuergeldern verbraten wurde, müssen Journalistinnen und Journalisten die Möglichkeit bekommen, darüber zu berichten.“

6. Falsche Ehre für Kopftuchklischees
(taz.de, Hilal Szegin)
„Eine befremdliche Entscheidung“ nennt Hilal Szegin den Entschluss des Journalistinnenbunds, die Cartoonistin Franziska Becker für ihr Lebenswerk auszeichnen. Szegin stört sich vor allem an Stereotypen und Chiffren wie dem Kopftuch, das in einigen Becker-Cartoons auftaucht: „Aufgrund von Äußerlichkeiten werden einer Menschengruppe innere Einstellungen und Befähigungen zu- oder eben abgesprochen. Das führt zu weniger, nicht zu mehr Handlungsfreiheit von verschleierten Musliminnen. Und das ist weder einer Auszeichnung wert noch feministisch.“
Interessant ist die Reaktion der „Emma“-Redaktion auf die Kritik an ihrer Cartoonistin. Bei Twitter fragt sie: „Findet ihr diese Karikatur von Franziska Becker „islamfeindlich-rassistisch“?“ Und dies wird von den allermeisten Lesern und Leserinnen absolut eindeutig bejaht. Die Linken-Politikern Anke Domscheit-Berg kommentiert fassungslos: „Ich kann kaum glauben, dass das eine ernstgemeinte Frage sein soll.“

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Gegenwind, Phrasenschwein, Kübel-Kopf

Mi, 06/26/2019 - 08:54

1. „Hass-Postings können wir nicht ignorieren, die brauchen Gegenwind.“
(kattascha.de, Katharina Nocun)
Susanne Tannert ist Sprecherin der Initiative #ichbinhier, einer Aktionsgruppe von 45.000 Menschen, die sich auf Facebook gegen Hassrede engagieren. Im Interview erzählt sie über das Vorgehen der Gruppe und erzielte Erfolge und gibt Tipps, wie man selbst aktiv werden kann.
Weiterer Tipp: Hörenswert ist die spezielle Ausgabe des „Denkangebot“-Podcasts, in der Katharina Nocun mit verschiedenen Gesprächspartnern über „Hass und Gewalt im Netz“ spricht.

2. Phrasen: Die Medien müssen präziser werden
(fachjournalist.de, Oliver Georgi)
Wir ärgern uns alle, wenn Politikerinnen und Politiker nur in Phrasen sprechen, doch sie haben dafür durchaus ihre Gründe. Einer davon ist eine zur Skandalisierung neigende Debattenkultur. Und durch die in Deutschland übliche Autorisierungspraxis wird es ihnen besonders leicht gemacht, spitze Aussagen nachträglich zu glätten. Oliver Georgi schreibt über ein Dilemma, dem nicht so leicht beizukommen ist.
Weiterer Lesetipp: Schöne-Worte-Gesetze (neusprech.org, Martin Haase).

3. 100 Jahre MT
(mindenertageblatt.de)
Das „Mindener Tageblatt“ feiert sein hundertjähriges Bestehen mit einer umfangreichen, kostenlosen E-Paper-Jubiläumsausgabe. Man erfährt nicht nur etwas über die Geschichte des Blatts, sondern auch über die redaktionellen Abläufe und die Macher und Macherinnen. Außerdem gibt es zahlreiche Artikel zur Situation der Medien und ihrer Wirkung.

4. Sind besetzte Häuser eine Tabuzone für Journalisten?
(nzz.ch, Rainer Stadler)
Um mit Hausbesetzern ins Gespräch zu kommen, hat eine Journalistin eine Villa betreten. Die Recherche hat ihr einen Rechtsstreit eingebrockt, denn die Besitzer der Villa haben sie wegen Hausfriedensbruch angezeigt. Eine kostspielige Angelegenheit: Die Journalistin habe dies bereits 15.000 Franken gekostet, von denen sie 10.000 Franken durch Crowdfunding abdecken konnte.

5. Wenn wir alle für Lokaljournalismus bezahlen
(deutschlandfunk.de, Christoph Sterz)
Der Lokaljournalismus in Deutschland hat es nicht leicht. Deshalb wird immer wieder diskutiert, wie man den Journalismus vor Ort stärken kann. Eine Idee könnten staatliche oder öffentliche Unterstützungszahlungen sein, doch dagegen wenden sich Häuser wie die Funke-Mediengruppe. Und es gibt auch noch andere Dinge zu bedenken, wie Journalistik-Professorin Wiebke Möhring betont: „Wenn wir jetzt über eine öffentliche Förderung nachdenken, dann muss man natürlich die Förderbedingungen ein bisschen stärker sich vielleicht nochmal vor Augen führen und unter anderem aber auch klarmachen: Warum hat diese Zeitung, dieses Medienhaus jetzt an dieser Stelle ein wirtschaftliches Problem? Und was hat sie auch schon an Maßnahmen ergriffen? Will sagen: Es kann ja nicht sein, dass dann durch eine öffentliche Förderung Management-Fehler gegenfinanziert werden.“

6. Ich musste es einfach tun.
(twitter.com/leitung296, Video: 2:17 Minuten)
Auch, wenn es vielleicht etwas wehtut. Es lohnt sich, die zwei Minuten durchzuhalten: „Das Best of des legendären SPD-Kübel-Kopf-Zitats von Robin Alexander — in der Rezitation von Markus Lanz.“

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Drei Ecken, eine Quelle

Di, 06/25/2019 - 11:54

Es gab mal so eine verrückte Sache, die hieß Zwei-Quellen-Prinzip. Die Idee dahinter: Journalistinnen und Journalisten sollten erst berichten, wenn sie eine Information durch zwei voneinander unabhängigen Quellen bestätigen konnten. Sowas könnte zum Beispiel verhindern, dass viele Redaktionen auf einen Satiriker reinfallen, der bei Twitter verkündet, dass der CSU-Vorsitzende das Bündnis mit der CDU aufgekündigt hat.

Bei Bild.de verfolgen sie einen etwas anderen Ansatz: das Irgendein-Medium-hat-berichtet-dass-es-über-mehrere-Ecken-was-gehört-hat-Prinzip. Über die vermisste Schauspielerin Jasmin Tawil schlagzeilt die Redaktion …

… und belegt das im Text so:

Mit Dank an @meerdimensional für den Hinweis!

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Umstrittener NZZ-Kommentar, Wehrt Euch, Korrumpiert der „Tatort“?

Di, 06/25/2019 - 08:54

1. Foulen im Kampf gegen grüne „Mainstream-Medien“
(uebermedien.de, Stefan Fries)
Vor ein paar Tagen veröffentlichte die „NZZ“ einen Gastkommentar des ehemaligen Chefredakteurs der „Heilbronner Stimme“, Wolfgang Bok. Überschrift und Hypothese des Beitrags: „Grün ist die Redaktion — die deutschen Mainstream-Medien haben aus der Flüchtlingskrise nichts gelernt.“ Nachdem Stefan Fries auf Twitter zunächst mit einem kurzen Thread reagiert hatte („An dem Artikel ist so viel falsch, da weiß man gar nicht, wo man anfangen soll.“), erklärt er nun auf „Übermedien“, wie der Autor des Textes mit „falschen Zitaten, Dekontextualisierung, falschen Interpretationen wissenschaftlicher Daten und Unkenntnis der Sachverhalte“ arbeitet.
Weiterer Lesetipp: Anmerkungen zum NZZ-Kommentar: „Grün ist die Redaktion“ (flurfunk-dresden.de, Peter Stawowy).

2. Gekaufte Wahrheiten
(sueddeutsche.de, Adrian Lobe)
Immer wieder ist Wikipedia das Ziel von Schleichwerbern, Faktenverdrehern und Schummlern (bekannte Fälle: die eingeschmuggelten Werbefotos des Outdoor-Ausrüsters North Face und die fragwürdigen Interventionen des Wikipedia-Users „Verlagsleitung BILD Gruppe“). Adrian Lobe erzählt von den „gekauften Wahrheiten“, den Auftraggebern und der Schwierigkeit, sich der Manipulationen zu erwehren.

3. Lokaljournalismus per Newsletter
(deutschlandfunk.de, Vera Linß, Audio: 5:27 Minuten)
Berlin ist in zwölf Stadtbezirke unterteilt, von denen jeder mehr Einwohner hat als manch andere Stadt insgesamt. Weil man nicht jeden der Bezirke mit einer eigenen Regionalzeitung versorgen kann, ist der „Tagesspiegel“ auf eine clevere Idee gekommen: maßgeschneiderte Regional-Newsletter. Vera Linß hat mit den Machern der werbefinanzierten Bezirksnewsletter gesprochen. Das Format lebt auch von der Beteiligung der Leserinnen und Leser: „Was auch sehr gut funktioniert ist, dass wir dann auf die Leser zugehen und fragen: Was halten Sie eigentlich von der Randbebauung am Tempelhofer Feld? Und dann hab ich das in einem Newsletter geschrieben, den ich selber geschrieben habe. Es kamen, sobald ich sie rausgeschickt habe, im Fünf-Minuten-Takt Antworten von den Lesern.“

4. Wie man sich gegen Hass und Hetze wehrt
(spiegel.de, Jörg Breithut)
Wer im Netz mit Beleidigung, Nötigung und Volksverhetzung konfrontiert wird, kann sich dagegen rechtlich wehren. Doch wie geht man am besten vor? Jörg Breithut hat die wichtigen Schritte zusammengefasst. Dabei geht es auch um eine gute Dokumentation zur Beweissicherung.

5. Zu niedrige Zahlen über rechte Gewalt
(tagesschau.de, Patrick Gensing)
Man fragt sich, wie Nachrichtenagenturen wie AFP und epd oder die „Tagesschau“ überhaupt auf die Idee kommen, „Bild am Sonntag“ als Quelle in Erwägung zu ziehen. Wenn sie es denn schon tun, sollten sie jedoch zumindest den Wahrheitsgehalt überprüfen. Wie zum Beispiel beim jüngsten Fall, in dem die Zahlen rechtsextremer Gewalttaten zu niedrig angegeben wurden.

6. Korrumpiert der „Tatort“ das Rechtsempfinden?
(zeit.de, Stephanie Alvarez & Hella Kemper & Anna-Lena Oltersdorf & Max Rauner, Audio: 24:00 Minuten)
Im „Zeit“-Podcast „Woher weißt Du das?“ geht es im ersten Teil um die regelmäßig zu beobachtenden Gesetzesverstöße von TV-Kommissaren, Ermittlern und Rechtsmedizinern, so zum Beispiel im berühmten Münsteraner „Tatort“. Ein Drehbuchautor, eine Kommunikationswissenschaftlerin und ein Kriminalpolizist erklären, wie es dazu kommt und worauf besser geachtet werden sollte.

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